Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere K├Âstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Sehnsucht | September 2012
Alles hat seine Zeit
von Andrea Will

Prediger 3, 1-11

Mein lieber Papa. Ich wusste, dass du sehr schwer krank warst. Eine Lungenerkrankung, die du dir an der Arbeit geholt hattest. Von den Bleid├Ąmpfen als Drucker. Wir wussten beide, dass uns nicht mehr lange zum Abschiednehmen blieb.
Und doch war es f├╝r mich ein Schock, als ich h├Ârte, dass du einfach umgefallen warst. Im Bad. Du bekamst keine Luft mehr. Du fielst ins Koma. Man holte dich zur├╝ck und brachte dich in ein Krankenhaus auf die Intensivstation. Mich bat man noch einmal an dein Bett zu kommen, wenn ich dich noch einmal sehen wollte.
Ich sah die vielen Apparate, Schl├Ąuche. Etwas, von dem ich wusste, dass du es nie haben wolltest. Und doch hat man es dich ertragen lassen. Ich sah dein blasses Gesicht. Deinen ruhigen Atem. Streichelte dir ├╝ber dein Gesicht und k├╝sste es. Nahm deine Hand und dr├╝ckte sie fest. Und als ich mit dir sprach kam es mir so vor, als w├╝rdest du l├Ącheln. W├╝rdest du mit den Augen reden. Ich f├╝hlte einen H├Ąndedruck. Oder war es Einbildung? Wollte ich es nur glauben?
Am n├Ąchsten Tag an der Arbeit der Anruf. Es geht zu Ende. Ich eilte zu Dir. 5 Stunden mit dir alleine. Aus Angst dir nicht alles erz├Ąhlt zu haben, sagte ich dir Sachen, die ich zusammen mit dir erlebt hatte und die mir sehr wichtig waren. F├╝r dich waren es sicher banale Dinge. F├╝r mich waren sie fest in der Erinnerung.
Der Tag an dem Mutti pl├Âtzlich starb. Wir beide standen da v├Âllig hilflos, weil sie uns immer alles abgenommen hatte. Doch es schweisste zusammen. 8 Jahre sp├Ąter hast du wieder geheiratet.
Ich schilderte dir Begebenheiten in der ich tief unten war und der du mir immer beigestanden hattest. Aber ich erz├Ąhlte dir auch, dass ich es vermisst habe, dass du mich nie in den Arm nehmen konntest.
Und es kamen Stunden, in der wir uns nicht verstanden und uns anschrien. Uns b├Âse waren. Aber irgendwann haben wir einfach nicht mehr dar├╝ber gesprochen.
Ich sah auf den Monitor und versuchte die Werte dort zu deuten. Verstand, dass dein Herz immer schw├Ącher wurde. Dann der Moment wo die bestimmte Atmung einsetzte. Ich wusste, bald hast du es geschafft. Ohne Schmerzen, wie du es dir immer gew├╝nscht hattest. Voll mit Medikamenten, die dir auch die Angst nahmen.
Ich dr├╝ckte deine Hand noch fester. Rief deinen Namen und streichelte dich. Und du ├Âffnetest f├╝r einen Moment die Augen.
Als du es geschafft hattest f├╝hlte ich mich erleichtert auf eine besondere Weise. Du bist so gestorben, wie du es dir immer gew├╝nscht hattest. Ohne Schmerzen. Kein Ersticken und nicht allein.
An n├Ąchsten Tag suchte ich dann in dem Beerdigungsinstitut die Sachen f├╝r dich aus. Eine Urne, einen Sarg . Machte deinen Talisman von deinem Autospiegel ab und hing es in meins. Informierte Leute die ich aus deinen Erz├Ąhlungen kannte ├╝ber deinen Tod.
Bei der Trauerfeier hielt der Prediger eine sch├Âne Rede. Er erz├Ąhlte aus deinem Leben. Aus gl├╝cklichen Tagen und auch aus den schlechten. Er beschrieb einen Menschen, der gerne lebte und der mit seinem Leben zufrieden war.
Die Erinnerung an eine sch├Âne Zeit mit dir wird immer bleiben.
Alles hat seine Zeit.
Deine Tochter Andrea

Letzte Aktualisierung: 22.09.2012 - 16.24 Uhr
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