Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Winterabend | Dezember 2012
Seamus
von Klaus Freise

Als die schwere Eichentür ins Schloss fiel, wurde es kurz still. Ein paar Schneeflöckchen drehten sich im Vorraum an diesem denkwürdigen Novemberabend. Die Männer tauschten Blicke.
Es gab von ein paar Seiten ein kurzes Nicken, dann schwoll das Gemurmel wieder an.
Lautes Auflachen, breites lückenhaftes Grinsen. Der Seeteufel an der Wand wäre wohl am liebsten
wieder in den großen Teich gesprungen, als Seamus sich den Weg zum Tresen bahnte.
Der Wirt schob ihm unaufgefordert ein in braunen Schaum gezeichnetes Kleeblatt rüber.
Er tat einen tiefen Zug und fuhr sich mit dem Handrücken über den Mund. McNeil schob sich durch das Gewühl an seine Seite.
„Und, wie war dein Fang?“ Seamus sah ihm mit seinen meerblauen Augen ins Gesicht.
„Einen Thun, ich habe einen Thun erwischt.“
Innerhalb einer Sekunde erstarb jedes Gespräch. Fast schien es, als ob Raum und Zeit darüber nachdachten, ob sie noch Freunde seien. Die alte Schiffsuhr an der Wand schien bei jedem Ticken zu explodieren. McNeils Glasauge drohte, fast aus dem Kopf zu fallen.
„Einen Thunfisch, du?“, rief er mit tiefem Bass, bis auch der letzte diese Unwahrscheinlichkeit begreifen konnte. Eine Qualmwolke, mit Vanillegeruch, aus einer Elfenbeinpfeife, versuchte sich geräuschlos unter den Deckenbalken zu verflüchtigen.
Seamus breitete seine Arme aus, wie die Großrahen eines Vollschiffs.
Dann dröhnte seine Stimme, dass sogar die Eichenfässer im Keller vibrierten.
„Über zwei Meter fünfzig, ich dachte das Vieh zerreißt mir das Netz.“ Danach wandte er sich wieder seinem Bier zu, als ob das nächste Gespräche erst im folgenden Frühling stattfinden sollte.
Der Wirt stellte ihm noch ein zweites Guinness hin. Dabei grinste er mit einem Gebiss, das jeden Pottwal neidisch gemacht hätte.
„Aha, so so.“
Wie auf ein Kommando setzten alle ihr Pint auf die Bar. Schließlich war das Zeug ja nicht billig.
Jetzt erscholl ein ohrenbetäubendes Lachen und Gegröle, dass sogar das Modell der H.M.S Victory unter der Decke, bis in die Mastspitzen erzitterte.
Man klopfte sich auf Schenkel und hielt sich die Bäuche. Seemannsgarn schwebte durch den Tinnermens Arms.
Seamus war wieder zu Hause.

Letzte Aktualisierung: 10.12.2012 - 21.01 Uhr
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