Futter für die Bestie
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Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten-
Anthologie zu. Auf Gewalt- und Blutorgien haben wir allerdings verzichtet. Manche Geschichten sind sogar witzig.
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Lust(ig) | Februar 2013
If you want to be funny ...
von Karl-Otto Kaminski

Enttäuschte Frauen säumten seinen Weg. Dabei sah Frank gut aus. Das wusste er. Und er war mächtig stolz darauf. Er spiegelte sich gern in den weiblichen Blicken, die ihm zuflogen, teils heimlich, teils unverhohlen. Und selbst die kritischen deutete er für sich als bewundernd.
Darum pflegte er sein Äußeres. Verbrachte täglich eine Dreiviertelstunde in seinem Bad. Roch wie eine Parfümerie. Trug stets akkurat abgestimmte, modische Kleidung. Und er übte jeden Abend lange vor dem Spiegel das unwiderstehliche Lächeln, das Frauen willenlos machen sollte.
Frank suchte ständig die Begegnung mit Damen. Sie hatten allerdings jünger zu sein als er. Die Hormone rumorten in ihm, sobald er ein hübsches Gesicht sah, eine wohl proportionierte weibliche Figur, viel versprechende Augen, einen Satz lockender Lippen … Fand er die Gelegenheit, dann flirtete, baggerte und balzte Frank wie ein pubertierender Teenager.
Den Mangel an Erfolg schob er auf Mangel an Geschmack. Den der jungen Frauen natürlich. Einen Mann wie ihn konnte man doch nicht übersehen oder gar ablehnen!
Ein Freund würde ihm vielleicht gesagt haben, dass die uralte Anmache: „Entschuldigung. Sind wir uns nicht schon mal irgendwo …?“ nicht mal in drittklassigen Romanen Erfolg hat. Aber Frank hatte keine Freunde. Also versuchte er es immer wieder auf die plumpe Tour. Er fragte unter der Normalzeituhr, wie spät es sei. Wollte sich vor dem Eingang zum Ratskeller den Weg zum Rathaus erklären lassen. Bot sich vor dem Bahnhof ungebeten als Cicerone an … Und er zog geringschätzig den rechten Mundwinkel herunter, wenn die jeweils angesprochene Dame nicht so reagierte, wie von ihm beabsichtigt.
Es kam aber auch schon mal vor, dass er einen guten Tag hatte. Dass eine junge Frau sich mit ihm auf ein Gespräch einließ, bei einer Tasse Capuccino oder einem Glas Cola. Das führte aber selten zu einem zweiten Treffen. Entweder fühlte sie sich schon bald von seinen lüsternen Blicken ausgezogen, oder er gab, seiner Unwiderstehlichkeit sicher, seinem Wunsch nach Körperkontakt schon nach dem zweiten Schluck Kaffee Ausdruck. Entrüstet umstürzende Caféstühle und sinnlose Spesen waren die Ergebnisse.
Kam es doch endlich mal zu einem Date, kam er bestimmt ohne Blumen. So etwas hielt er für überflüssigen Schnickschnack. Er fand auch eine Verspätung nicht als unhöflich. Jede Frau konnte froh sein, wenn er überhaupt kam. Ein wenig peinlich war es ihm allerdings, wenn er dann ihren Namen verwechselte.
Es gab sogar Frauen, die seine eitle Selbstüberschätzung nicht registrierten, seine Tollpatschigkeit übersahen oder sie nachsichtig belächelten. Aber auch da kam er nicht zum gewünschten Ziel. Eine Begegnung zweier Menschen in einem Bett bedeutet ja nicht in jedem Falle eine Liebesnacht. Es soll Soldaten geben, die verschießen ihr Pulver, bevor die Schlacht beginnt. Desaster dieser Art bohrten sich allmählich wie schmerzhafte Pfeile durch seine Eitelkeit ins bislang unerschütterte Selbstbewusstsein.
„Ejaculatio praecox“, sagte sein Hausarzt knapp, als er ihn nach dem Grund seines Versagens fragte. „Das ist nicht schlimm, auch nicht ansteckend. Es gibt sich wahrscheinlich mit der Zeit. Ich schreibe Ihnen hier mal ein Sedativum auf. Kommen Sie in drei Wochen wieder!“
Nach drei Wochen saß Frank wieder in der Praxis. Das Medikament hatte ihn zwar etwas schläfrig gemacht. Aber sein Problem hatte es nicht gelöst. Sobald er mit einem weiblichen Körper in nähere Berührung kam, geschah leider sofort, was er sich eigentlich als Höhepunkt einer ausgiebigen Orgie vorstellte. Sein Arzt überlegte einen Moment. Dann schrieb er ihm mit der linken Hand, damit niemand seine Schrift erkennen solle, eine Adresse auf ein Zettelchen.
„Dort wird man Ihnen sicher helfen können. Nur Mut!“
Frank besuchte das Etablissement voller Hoffnung. Immerhin hatte es ihm ja ein Mediziner empfohlen. Doch der Erfolg blieb aus. Die Damen, die ihm hilfreich sein sollten, begannen ihn bald zu bedauern. So ein hübscher, junger Kerl, fanden sie. Zwar ein bisschen beschränkt und überaus eitel, aber körperlich gut ausgestattet. Nur leider völlig unfähig, seine Phantasie zu zügeln. Die Therapie war kostspielig, blieb aber leider wirkungslos.
Traurig hockte Frank eines Abends in seiner Lieblingsbar im Bahnhofshotel. Wie immer well dressed, gut duftend und mit eingefrorenem Erobererlächeln im Gesicht. Aber heute wollte ihm der Scotch nicht schmecken. Das wortlose Achselzucken seines Arztes am Vormittag ging ihm nicht aus dem Sinn. Was wusste der Mediziner? Hatte er vielleicht etwas Furchtbares in Franks Körper entdeckt? Ekulajaktio prätops oder so ähnlich hatte er es genannt. Es sei nichts Schlimmes. Aber das sagen die Ärzte ja öfter, gerade, wenn es sich um etwas Furchtbares handelt. Frank nahm sich vor, den Begriff noch heute Nacht im Lexikon nachzuschlagen.
Drei Barhocker weiter saß eine Frau. Nicht mehr ganz jung, fand er. Mehr so in seinem Alter. Zirka Mitte dreißig, schätzte Frank. Sie hob ihr Whiskyglas und trank ihm zu. Er nahm seins und prostete mit seinem umwerfendsten Lächeln zurück. Worauf sie aufstand und zu ihm kam. Eine makellose Figur hatte sie, Beine fast bis zum Hals und ein hübsches Gesicht. Na also, dachte Frank. Ekula…dingens? Alles Quatsch! Ich wirke doch.
Judy kam aus Wisconsin. Und Judy lachte gern. Lachte auch über sein mangelhaftes Englisch. Tolerierte aber alle Fehler, die er verbal machte. Fand ihn „simply funny“. Sie nahmen noch ein paar Drinks zusammen. Frank erklärte ihr, sie sei einfach Klasse: „You be so wundervoll!“
Judy war völlig unkompliziert. Hatte überhaupt nichts dagegen, sich mit ihm auf ein Zimmer zu begeben, das er rasch organisierte.
Der Barkeeper reichte ihm mit wissendem Lächeln unauffällig den Schlüssel. Ein größerer Geldschein wechselte diskret seinen Besitzer. „Die Zweiundzwanzig, wie immer.“
Judy lachte wie Champagner: „Funny word that: Zwaiuntzwantzick. Really strange.“

Als Frank erwachte, war das Bett neben ihm leer. Das Laken kalt. Kalt wie das frühe Novemberlicht, das durch den dünnen Store ins Hotelzimmer sickerte. Er hatte Mühe sich zu erinnern. Was war letzte Nacht passiert? War überhaupt was passiert? Wo war diese Frau? Wie hieß sie noch? Ach ja, Judy! Wie spät war es? Wo war seine teure Armbanduhr? Wo sein Portmonee?
Mühsam quälte er seinen verkaterten Körper aus dem Bett. Rief nach Judy. Bekam aber keine Antwort. Fand keine Spur von ihr.
Doch! Im Bad schwebte noch ein winziger Hauch ihres Parfüms. Und mit Lippenstift über den breiten Spiegel geschrieben las er den Satz: „If you want to be funny, fuck yourself and save your money“.
Als er noch rätselnd vor der Nachricht stand, klopfte es an der Zimmertür. Ein weibliches Wesen stellte sich als Hilfskraft vom Studentenschnelldienst vor und fragte, ob es den Raum putzen dürfe. Es war jung und knusprig. Aber Frank ignorierte das, ganz gegen seine Gewohnheit. Nickte nur und schaute weiter verwirrt auf den englischen Text. Er hatte es nicht so mit Sprachen.
Da gluckste die Kleine hinter ihm. Bemühte sich, nicht laut heraus zu lachen.
„Was ist los?“, wandte er sich böse um. „Was soll das?“
Das Mädchen krümmte sich vor unterdrückter Heiterkeit und deutete leicht errötend auf den Spiegel.
„Warum, zum Teufel, lachen Sie so? Ist das wirklich ein so witziger Spruch?“
Mühsam fasste sich das Zimmerkätzchen. „Ich finde schon“, brachte es schließlich heraus. „Witzig weil vielsagend.“
„Und was heißt das, Ihrer Meinung nach?“, wollte Frank ärgerlich wissen. Er konnte es nicht leiden, wenn jemand über einen Witz lachte, den er selbst nicht verstand. Schon gar nicht eine Frau.
„Soll ich wirklich?“, fragte die kleine Studentin.
„Natürlich! Und zwar sofort.“
„Auf Ihre Verantwortung“, kicherte sie. „Ich versuche mal die Reimform zu halten. Also: Willst du besonders drollig sein, dann spar dein Geld, mach’s dir allein.“

Letzte Aktualisierung: 22.02.2013 - 20.15 Uhr
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