Futter für die Bestie
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Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten-
Anthologie zu. Auf Gewalt- und Blutorgien haben wir allerdings verzichtet. Manche Geschichten sind sogar witzig.
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Lust(ig) | Februar 2013
Sommersüße
von Martina Lange

Ein Schatten flattert über mich hinweg. Der Schreck raubt mir den Atem. Laut schimpfend hockt der diebische Vogel hoch im Geäst. Seine schwarzen Augen fixieren mich missbilligend. Weit außerhalb meiner Reichweite, drohe ich ihm mit der erhobenen Faust.
Frühsommer füllt die Gärten und spät versinkt die Sonne hinter dem Horizont. Gedämpft durch das dichte Laub der Hecken ringsum, dringen die Stimmen der Nachbarn zu mir herüber. Ich werde heute nicht zu ihnen hinübergehen. Die sollen uns nicht stören. Entschlossen wende ich mich um und blende sie einfach aus. Sie wartet auf mich.
Mein Herzschlag steigert sich. Der Jäger ist erwacht. Mit nackten Füßen eile ich über das Gras. Noch gibt es von seiner gespeicherten Wärme ab. Das ist gut. Sie mag die kalte Feuchte, die mit der Nacht aufsteigt, nicht.
Den ganzen Tag habe ich an nichts anderes denken können. Hatte immer ihr Bild vor Augen. Starrte blind auf meinen Bildschirm. Ob es jemandem aufgefallen ist? Nein, es gab keine Andeutungen. Wie sollte es auch? Nicht einer kennt mein Verlangen.
Aufgeregt werfe ich einen Blick über die Schulter, aber niemand ist zu sehen. Vor mir liegt nur noch das Rosenbeet. Das letzte Hindernis auf dem Weg zu ihr. Ich umrunde es hastig und schon verschlägt mir der Anblick den Atem.
Da liegt sie. Von den letzten Strahlen der Sonne beleuchtet, badet sie ihren Körper im Licht. Noch hat sie mich nicht bemerkt. Noch nicht. Mein Atem geht flach und schnell. Ich will den Moment auskosten. Dieses Leuchten nicht vergessen. Die Gier in mir jedoch ist größer. Schon habe ich die wenigen Schritte, die uns trennen, überwunden. Schon legt sich meine Hand auf ihre Rundungen. Ganz warm schmiegt sie sich an mich. Gibt meinem Verlangen nach. Ihr Duft steigt mir in die Nase. Und ich schließe die Augen. Sanft berühren meine Lippen die rosige Haut. Ein Grashalm ist im Weg. Ich zupfe ihn unwillig zur Seite. Nichts soll die Perfektion stören. Ihre schwere Süße füllt meinen Mund aus. Warm und feucht drängt sie sich mir entgegen. Ja, genau so! Davon kann ich nicht genug bekommen. In meinem Kopf explodieren die Gedanken. Rote Fülle. Und zurück bleibt nur Sommer. Erlöst stöhne ich auf und sinke rücklings in das Gras. Langsam verebbt die Gier. Das Verlangen bleibt.
Ist der Winter zurück, wird ihre volle Sommersüße mich rot glänzend zum Erschauern bringen, sobald ich sie sanft vom Löffel lecke.

Letzte Aktualisierung: 25.02.2013 - 19.27 Uhr
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