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Lust(ig) | Februar 2013

Lust auf Meer
von Klaus Freise

Georg blinzelte sich den Schlaf aus den Augen. Seine Frau Silvia hatte etwas zu ihm gesagt, der Satz endete mit "Schatzi". Er drehte den Kopf in ihre Richtung und fragte:
"Sind wir immer noch auf diesem Kahn, Liebling?"
Sie lag auf dem Bauch, den Kopf in die Hände gestützt, lächelte ihn an und flüsterte:
"Dieser Kahn, wie du ihn nennst, ist gut dreihundert Meter lang und hört auf den Namen "Aida Blue", falls du dich erinnerst." Georg spähte an ihrer blonden verwuschelten Mähne vorbei. Die ersten Sonnenstrahlen tanzte durch das Fenster über ihren nackten Rücken.
Ja, er erinnerte sich. Er selbst hatte ihr zum zehnten Hochzeitstag eine Kreuzfahrt durchs Mittelmeer geschenkt. Eine noble Geste, aber zusammen mit fast zweitausend anderen Touristen eher eine Zumutung. Er streckte die Hand aus und streichelte ihre Wange.
"Alles Gute, Liebling. Wie spät ist es eigentlich?" Ihr Lächeln wurde breiter, während sie mit einer Hand begann, seinen obersten Pyjamaknopf zu öffnen.
"Kurz vor Sex, Schatz. Seit einer Stunde liege ich jetzt nackt neben dir und durchlebe perverse Fantasien." Der zweite Knopf.
Georg schluckte.
"Wir werden noch das Frühstück verpassen." Er strich mit dem Daumen über ihre Unterlippe.
"Bei mindestens fünf üppigen Mahlzeiten am Tag kannst du auch gleich mit dem Nachtisch anfangen." Sie begann an seinem Daumen zu lutschen. Der dritte Knopf.
"Du könntest etwas Rücksicht nehmen, der alte Mann wird nächste Woche achtundfünfzig."
Sie gab mit einem schmatzenden Geräusch seinen Daumen frei, legte den Kopf schief und sah ihn mit verträumten Blick an.
"Das Sonnenbad am Pool hat dir gut getan. Jetzt siehst du tatsächlich aus, wie der alte Mann am Meer. Mit deinem weißen Bart. Richtig stattlich, Mister Hemingway." Der vierte Knopf.
"Du sahst gestern aber auch sehr sexy aus. Erst am Pool und dann unter der Dusche."
Silvia öffnete den letzten Knopf und schob das Oberteil auseinander. Sie kroch dichter an ihn ran. Ihr Busen drückte leicht an seine Brust. Während ihre Finger an seiner Pyjamahose zog, sagte sie:
"Die Duschkabinen sind definitiv nicht für zwei Personen gemacht. Hoffentlich kriegen die die Seifenablage wieder angebaut." Sie lachten beide. Georg hatte sich auf der Ablage abgestützt, während Silvia ihre Beine um ihn geschlungen hatte und ihre Zunge in seinem Mund blockierte sowohl die Atmung, als auch die Kommunikation. Die Ablage brach und beide rutschten an der Wand herunter, während sie mit den Füßen die Duschkabinentür aufstießen. Aber sie waren sich einig: Es war der beste Sex seit Jahren gewesen.
Silvia erinnerte sich noch gut an ihre erste Begegnung. Es war in Hamburg an einer viel befahrenden Kreuzung gewesen. Sie versuchte während der Fahrt am Makeup-Spiegel Mascara aufzulegen. Dabei hatte sie seinen weißen zweieinhalbtonnen Geländewagen, der an einer roten Ampel wartete, doch glatt übersehen. Bei dem Aufprall drang seine verchromte Anhängerkupplung fordernd und ungestüm in ihren filigranen wabenförmigen Kühler ein. Die Haube ihres Twingos öffnete sich bereitwillig und der Kühlerdeckel schoss befreit davon, während sich das Kühlwasser schäumend über den nackten Asphalt ergoss.
Georg erschien unverletzt an ihrem Wagen, öffnete die Fahrertür und sein Anblick ließ sie die Schmerzen fast vergessen. Ein sonnengebräuntes Gesicht, eingerahmt in einen fast weißen, gepflegten Bart und kurzem graumeliertem Haar. Blauen Augen, umringt von kleinen Lachfältchen, sahen sie besorgt an. Dann streckte er seine Hand aus, berührte mit warmen Fingern sanft ihre Stirn, an der sich ein kleiner Riss zeigte. Dort wo sie den Innenspiegel beim Aufprall abgenickt hatte.
Aber erst seine wohlklingenden Worte, mit warme sonorer Stimme vorgetragen, ließen sie geborgen in seine Arme rutschen.
"Das sieht aber gar nicht gut aus. Am besten bringe ich Sie gleich in meine Klink."
Das war kein Zufall. Das konnte nur Schicksal gewesen sein. Prof. Dr. Georg Hubschmidt, einer der besten Schönheitschirurgen im Norden. Er brachte sie in sein Reich, sagte alle Termine ab und kümmerte sich liebevoll um ihre Verletzungen.
Was hatte er danach noch alles für sie getan! Eine Achtundvierzigjährige verwandelte sich unter seinen Händen rundum zu einer Fünfundzwanzigjährigen. Ihre Igelnasen bekamen ein neue Form ganz nach ihren Wünschen. Hüften und Po wurden leicht verschlankt.
Aber das größte Glück für sie war seine Bemerkung zu ihrem Gesicht. "Gar nichts werden wir daran machen. Es ist perfekt."
Silvia beugte sich über ihn, legte ihren Mund auf seinen und ihre Zungenspitze stupste gegen seine Unterlippe. Sie riss mit einem Ruck seine Hose herunter. Georg zuckte und stöhnte.
Silvia hob erschrocken den Kopf.
"Oh Schatzi, tut mir leid, ich wusste nicht, dass dein Kleiner gar nicht mehr so klein ist."
Vorsichtig strich sie mit der Hand über sein bestes Stück. Sie rutschte ein Stück tiefer.
Georg holte tief Luft. "Ähem, geht schon, Liebling."
Sie sah ihn schelmisch von unten herauf an.
"Soll ich pusten?"
Seine Bauchmuskeln verkrampften, als ein warmer Luftstrom über seinen Schoß wehte.
Vorsichtig blinzelte er nach unten. Silvia öffnete den Mund.
Es klopfte an der Kabinentür.
Georg verdrehte die Augen und zuckte zusammen, als Silvia demonstrativ die Zähne über seiner erregten Männlichkeit zusammenschlug.
"Tja, so ein Pech," sagte sie mit einem diabolischen Grinsen. "Ich vermute, eine dieser Ruhrpottanten braucht dringend deinen Rat als Fachmann für Runderneuerungen."
Georg starrte an sich herunter.
"Oh Gott, so kann ich unmöglich..."
"Lass nur Schatzi, ich wimmel sie ab." Sie glitt vom Bett und zog sich sein Oberteil über, dass gerade so über ihren Po reichte.
Nachdem sie die Schlafzimmertür hinter sich geschlossen hatte, zerrte Georg sich die Hose hoch. Seit an ihrem Frühstückstisch bekannt geworden war, welchen Beruf er hatte, gab es ständig Anfragen der verschiedensten Art. An ihrem Tisch saßen fast nur Deutsche, meist um die Sechzig aufwärts. Die Damen, oft schon vom vielen Sonnenbad tiefgebräunt und mit Schmuck für einige Zehntausende behängt, drängten ihn oft zu Besichtigungsterminen am Pool. Was man den da so machen könne? Georg schwitzte Blut und Wasser während er Termine versprach, ohne auf die dargebotenen Körperteile zu achten. "Finden Sie meinen Busen zu klein?" "Also, ähem, für eine Fünfundsechzigjährige sehen Sie doch noch recht fit aus." Am schlimmsten waren drei Damen aus dem Ruhrgebiet, deren Männer entweder ständig an der Bar über ihre Yachten fachsimpelten oder sich den ganzen Tag in den Casinos rumtrieben.
Silvia erschien in der Tür und lächelte breit.
"Es war die Sewelewski aus Bochum. Der Herr Doktor war ja nicht beim ersten Frühstück, ob es Ihm denn gutgeht? Ich soll die allerliebsten Grüße ausrichten."
Georg saß auf der Bettkante und stützte den Kopf in die Hände.
"War das die mit den Karzinomen auf ihrem Dekolleté?" fragte er.
Silvia wedelte mit der Hand.
"Nein, das war die Jablonski. Die dir beim Kapitänsdinner immer den Arm mit ihrer Gichtkralle getätschelt hat." Georg seufzte und sah sie an.
"Da fällt mir ein, ich soll der Schnipkoweit ja noch einen guten Chirurgen für die Hüft-OP ihres Mannes empfehlen." Silvia trat nahe an ihn heran und sagte, während sie ihm durch die Haare fuhr:
"Können wir heute mal die Poolsprechstunde ausfallen lassen? Du weißt doch noch, was du mir versprochen hast?" Ja, dass wusste er nur zu gut. Sex! So oft sie wollte auf dieser Reise.
Er lächelte und begann den untersten Knopf des Pyjamaoberteils zu öffnen.
"Weißt du noch am ersten Abend, nach unserer Shoppingtour, Liebling?"
Sie nickte. "Ja, ich war völlig kaputt und du hast meine Füße massiert." Der zweite Knopf.
"Genau, danach deine Waden und dann hast du angefangen zu stöhnen."
"Allerdings. Du hast so geschickte Hände. Ich habe dir dann gezeigt, was ich eingekauft hatte." Der dritte Knopf. Ihr Bauch spannte sich. Die Brustwarzen zeichneten sich unter der Seide ab.
"Einen violetten Stringtanga mit Spitze", seufzte er.
"Den du mir dann mit den Zähnen runtergezogen hast." Der vierte Knopf. Ihr Busen hob und senkte sich vor seinem Gesicht. Sie drückte ihn sanft aber bestimmt auf das Bett, beugte sich zu ihm herunter und knabberte mit den Zähnen in das Gummiband seiner Hose. Georg stöhnte auf und half ihr, die Hose herunter zu ziehen. Der letzte Knopf und das Oberteil glitt von ihren Schultern. Sie kniete sich über ihn und stützte ihre Hände auf seine Schultern.
"So, Schatzi, wohin fahren wir nächstes Jahr? Will der alte Mann ans Meer oder den Schnee auf dem Kilimandscharo sehen?" Sie schloss die Augen und ließ sich auf sein Becken sinken.
Georg seufzte: "Wem die Stunde schlägt."

Letzte Aktualisierung: 09.02.2013 - 12.39 Uhr
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