Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Berge versetzen | Mai 2013
Die Ohnmacht des Geistes
von Andrea Will

Es hämmerte in meinem Kopf. Sollte ich weinen? Schreien? Oder einfach nur nichts tun? Ich wusste es nicht.
Ich lag auf dem Rücken in meinem Bett und starrte zur Decke. Was war nur los? Sollte ich aufstehen? Liegen bleiben? Ich wusste nur, dass ich irgend etwas tun musste. Aber was?
Ich schloss für einen Moment die Augen. Als ich sie wieder öffnete, erblickte ich auf meinem Bauch eine Katze. Sie sah wie meine Minka aus, die bereits vor mehreren Jahren gestorben war. Sie war mir so nah gewesen, wie kein Mensch es hätte sein können.
„Was ist los mit dir?“, fragte sie mich plötzlich. Und mir war, als erkannte ich daraus die Stimme meiner Großmutter.
„Ich weiß nicht, was ich machen soll. Mein ganzes Leben bricht auseinander. Ich muss es neu ordnen.“
Die Katze robbte etwas näher an mein Gesicht. Jetzt wirkten ihre großen Augen sehr bedrohlich.
„Steh auf und beginne.“
„Womit soll ich anfangen? Wie?“
„Steh auf! Wir beide gehen an deinen Schreibtisch und du schreibst auf, was dir in den Sinn kommt.“
Ohne noch einmal zu überlegen, stand ich auf und setzte mich an meinen Schreibtisch. Schrieb alles auf.
Omas Nachlass regeln. Meine Wohnung renovieren. Termine wegen Möbellieferung und –abholung organisieren. Schreiner bestellen wegen Reparaturarbeiten. Steuererklärung machen. Stellenanzeigen durchgehen und Bewerbungen schreiben. Die Liste wurde länger und länger. Sie schien kein Ende zu nehmen. Doch irgendwann war auch sie fertig.
Nun hatte ich alles aufgeschrieben. Und jetzt? Und da veränderte sich wie von Zauberhand die Reihenfolge der Sachen. So wie ich sie erledigen konnte.
Ich verschaffte mir einen Überblick, bildete mehrere Stapel und begann mit dem ersten.
Erschöpft sank ich wieder in mein Bett. Ich wollte mich ausruhen. Neue Kräfte sammeln und dann alles erledigen. Vom Anfang bis zum Ende.
Minka lag wieder auf meinem Bauch. Und nun war es mir, als lächelte sie mir zu.
„Siehst du, war doch gar nicht mal so schwer. Du kannst alles schaffen, wenn du nur damit anfängst.“
Dann verschwand sie und ich schloss meine Augen.


Kurz darauf habe ich weiter gemacht die Liste abzuarbeiten. Ich habe es geschafft.

Letzte Aktualisierung: 26.05.2013 - 23.00 Uhr
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