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Feuer und Flamme | August 2013
Und die Sonne ist blau!
von Ingeborg Restat

Irgendwann waren so viele Bilder in ihm, dass er sich gedrängt fühlte, zum Pinsel zu greifen und sie auf der Leinwand entstehen zu lassen.
Und er malte, völlig im Bann seiner Vorstellungen, die Sonne gelb, den Himmel blau, das Wasser tiefgrün und die Erde braun.
Er sah sich diese Bilder immer wieder an und fragte sich: ,,Erstaunlich! Wie habe ich das nur gemacht?“ So malte er Bild um Bild, besessen von der Freude daran. Er malte die Natur so, wie er sie sah.
Die Menschen um ihn herum bewunderten ihn. „Du hast Talent“, sagten sie. Und sie drängten ihn: ,,Geh doch mal zu einer Galerie und versuche deine Bilder zu verkaufen. Ist ja zu schade, wenn sie hier nur unbeachtet herumstehen.“
Er fühlte sich geschmeichelt und glaubte bald selbst daran. So nahm er eines Tages all seinen Mut zusammen, packte seine Bilder ein und ging los.
Der erste Galerist, bei dem er anfragte, sagte: „Wirklich sehr schön! Aber leider nichts für unsere Kundschaft ...“, der zweite sagte: ,,Sie haben Talent. Leider passt es nicht in das Programm meiner Galerie. Ich wünsche Ihnen woanders viel Erfolg.“
Doch der dritte Galerist fand es endlich gut, was er ihm da vorlegte. Nur schränkte er sofort ein: „Es ist Ihre Art zu malen, die mir gefällt. Sie sollten allerdings andere Farben wählen. Ich rate Ihnen, den Himmel gelb, die Sonne blau, das Wasser schwarz und die Erde rot zu malen. Etwas Anderes, Ausgefallenes wollen die Menschen in einem Bild sehen. Es kommt nicht auf die naturgetreue Schönheit an, sondern eher auf die Tücke, die hinter allem steckt. So fordert es der Markt. So könnte ich Ihre Bilder verkaufen.“
„Dann sind das aber nicht mehr meine Bilder, nicht meine Farben“, zögerte er.
„Was wollen Sie? Wenn Sie Erfolg haben und ihre Arbeiten verkaufen wollen, dann müssen Sie sich nach dem Markt richten. Wenn nicht, dann malen Sie nur für den Müll.“
Also malte er, wie es von ihm erwartet wurde. Auch die zartfarbenen Blumen, die er auf seinen Bildern mit zierlichen Bienen umgeben hatte, stellte er nun mit einer die Blumen brutal abbrechenden Hand dar.
„Ja“, sagte der Galerist lobend, „so will es der Markt! Er allein bestimmt die Kunst und erhebt den Künstler zum Erfolg.“
Da er sich dem fügte, wurde er bald berühmt. Dabei gingen aber all die vielen schönen Bilder in seinem Innern verloren. Eines Tages bemerkte er es. Das, was ich da mache, sind ja gar nicht mehr meine Bilder, dachte er. Ich bin ja nur noch eine Maschine geworden, die für den Markt anfertigt, was dieser bestimmt.
Da nahm er eine neue Leinwand und seine alten Farben. Und während er wieder fähig wurde, seine eigenen Bilder zu sehen und auf der Leinwand entstehen zu lassen, erfüllte ihn ein Glücksgefühl, das ihm aller Ruhm nicht geben konnte. Er fühlte sich frei von jedem Zwang, von jeder Bevormundung, von jeder Verpflichtung, frei von den Gesetzen des Marktes. Er hörte nicht auf zu malen, die Sonne gelb, den Himmel blau, das Wasser tiefgrün und die Erde braun.
Nun glaubte er, nur noch für den Müll zu malen. Es war ihm egal. Er legte auch keinen Wert mehr darauf, die Bilder zu zeigen. Die Menschen jedoch kamen zu ihm. Sie wollten sie sehen und holten ihn damit ins Licht der Öffentlichkeit zurück. Er staunte sehr über ihre Begeisterung. Es sei das Beste, was er bisher gemalt hätte, sagten sie. Sollten sich die Galeristen damals so geirrt haben?
Bald aber vermutete er, wie die Bilder aussahen, war ihnen nicht wichtig. Nur auf den nun berühmten Namen, der darunter stand, kam es ihnen an. Nur deshalb rissen sie sich darum. Oder?

Letzte Aktualisierung: 16.08.2013 - 20.49 Uhr
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