Ganz schön bissig ...
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Auferstehung | September 2013
Neuanfang
von Dagmar Hospes

Hat es so lange gedauert, dauern müssen, bis ich begreifen konnte, dass das Leben eine ständiges fallen und aufstehen ist. Das aus etwas Altem etwas Neues entsteht, egal was wir tun. Eigentlich hätte ich es doch wissen müssen, ich war doch kein Kind mehr, ich war eine erwachsene Frau. Das eine Krise ein Gewinn sein kann, dass musste ich anscheinend wirklich erst lernen. Das Aufstehen braucht oft Zeit, man muss wachsen, man muss Kräfte entwickeln. Du musst dich trennen, du verlierst viel und gewinnst Neues dazu. Freunde verlassen dein Leben, weil sie dich nicht verstehen können, oder weil du einfach zu ansträngend für sie geworden bist. Sind plötzlich nicht mehr da, andere findest du. Schmerz ist da und Freude kommt wieder zurück. Die Zeit bringt Neues, du musst nur geduldig sein.

Ich sitze am Tisch und weine bitterlich, bin verzweifelt, schrecklich alleine. Meine Gedanken sind in der Vergangenheit, dann wieder in der Zukunft. Angst, Zweifel, Ungewissheit nagen an mir.
Marcus ist gegangen, ich habe es lange schon gespürt, geahnt. Leider wollte ich es nur nicht wahrhaben, mir passiert so etwas schließlich nicht. Das geht nur anderen Frauen so. Selbst meine beste Freundin hatte mich einmal belächelt und ich war sehr wütend darüber gewesen.
Ich bin doch eigentlich eine selbstständige, selbstsichere Frau gewesen, aber nun ist mein Leben aus den Fugen geraten. Ich stehe auf und gehe hinüber zur Kaffeemaschine um einen frischen Kaffee aufzusetzen. All diese Bewegungen sind mechanisch, ich fühle mich wie betäubt. Doch ich weiß genau, dass ich noch heute anfangen muss mein eigenes Leben zu organisieren. Nur für mich ganz alleine, nie mehr zu Zweit? Kommt da noch mal was Neues, ich mag noch nicht daran denken, aber die Frage ist da.
Es gibt nur eins was mich heute interessieren sollte, die Wohnungsanzeigen. Jeder Schritt fällt mir schwer, die Seiten der Zeitung sind schwer wie Blei. Nach einigen Minuten schiebe ich sie beiseite, um den Kopf wieder auf meine Unterarme singen zu lassen und erneut zu weinen. Die Tränen wollen nicht versiegen. Wie soll ich mich konzentrieren, all das erledigen, was getan werden muss?
Wütend stehe ich auf, ich bin eine selbständige Frau, laut sage ich zu mir selbst.
„Das werde ich auch ohne Marcus hinkriegen.“ Danach gehe ich entschieden hinüber in mein Büro, um zu telefonieren, alles zu erledigen, was getan werden muss. Der Rechner fährt hoch, ich suche nach einer Wohnung im Internet, mit der Maus konnte sie schon immer besser umgehen.
Schließlich brauche ich auch noch einen Anwalt, denn ich benötigt von Marcus Unterhalt, wovon soll ich schließlich leben?
Wieder kommen die Tränen, diesmal sind es Tränen der Wut. Am liebste würde ich schreien.
Marcus ist nicht da, vielleicht könnte ich so noch mal meine ganze Wut über ihn ausschütten und es würde mir vielleicht sogar besser gehen.
Das Telefon lächelt mich an, komm und tu was du tun musst. Auch aufs Telefon bin ich wütend, früher habe ich für mein Leben gerne telefoniert. Weltmeister war ich im Telefonieren, dafür hätte ich eigentlich von Marcus einen Orden bekommen müssen.
Meine Liste die ich abtelefonieren muss ist sehr lang geworden.
Wohnungen, Anwalt, Jobcenter, wer bezahlt meine Wohnung, es gab viel zu tun. Wieder schlich sich bei mir eine leichte Verzweiflung ein.
Ich habe nur für Marcus gelebt, egal wie selbständig ich war, ich habe ihn organisiert.
Wer hatte denn die Kunden der kleinen Firma betreut, die Buchführung gemacht. An mich selbst habe ich dabei doch nie gedacht, nie denken können, weil keine Zeit dazu war. Die Firma musste schließlich laufen. Dann gab es da auch noch die Kinder, ein großes Haus.
Heute weiß ich, dass ich mich aufgegeben hatte. Ich begann das Leben für meinen Mann zu leben. Das war schlimm genug, dass musste ich nun erkennen, es war die bitter e Wahrheit. Aber ich wollte nichts bereuen, was ich eigentlich gerne getan habe, ja geliebt habe. Es war ein Teil meines Lebens. Für mich war es einmal richtig, jetzt muss etwas Neues entstehen. Das Leben an Marcus Seite war nie falsch gewesen.
Eigentlich war ich gar nicht so schrecklich verletzt darüber, dass Marcus eine andere Frau hatte, zwischen uns lief sowieso nichts mehr. Was uns Beide verband war eine wunderbare freundschaftliche Beziehung, das hatte ich schon längst herausgefunden, aber heute weiß ich, das Marcus mehr wollte. Ich war zufrieden, so wie es war. Sex brauchte ich nicht, oder vielleicht vermisste ich ihn schon einfach nicht mehr, darüber sollte ich auch noch mal nachdenken. Es gab so vieles neu zu ordnen. Trotzdem war ich in der letzten Zeit nur noch mit Marcus am Streiten. Vielleicht hätte ich versuchen sollen ihn zu halten.
Es ist Samstag und die Sonne scheint auf den Balkon meiner kleinen zwei Zimmer Wohnung. Mehr war nicht geblieben, aber es war gut so. Die Kinder waren groß, aus dem Haus, ich konnte lange darüber spekulieren, was Marcus dazu bewegt hatte, mit einer Anderen etwas anzufangen, es machte keinen Sinn, stattdessen hatte ich angefangen einfach nur einmal an mich zu denken und mein Leben verlief jetzt so wie ich es wollte. Ja, es war sogar wunderbar.
Das Buch was ich gerade angefangen hatte zu lesen lege ich beiseite, ich muss lächelt, als es an der Tür klingelt. Lange war ich allein gewesen, ich habe es genossen und genieße es auch heute noch, die Zeit für mich ganz alleine. Doch ein zu Zweit gibt es wieder, das genieße ich noch mehr.
Jan kommt, meine große Liebe. An einen Neuanfang in diese Richtung habe ich nicht geglaubt. Natürlich habe ich viel darüber nachgedacht, gewusst, dass die Männer immer zu meinem Leben gehören würden, nein ein Mann konnte das Leben ungemein bereichern. Wieder muss ich nur lächeln. Aber an die wahre Liebe hatte ich nicht mehr geglaubt.
Sie hatte sich ganz langsam in mein Leben geschlichen, zusammen mit diesem Mann. Er hat mein Herz erobert und mein Leben auf den Kopf gestellt.
Als ich die Tür öffne, sehe ich in Jans blaue Augen, alleine für diesen Blick könnte ich schon dahinschmelzen. Ihn einfach nur anzusehen, ist wunderbar. Es reich mir schon, wenn ich ihn nur berührte, ihn spürte, seinen Geruch atmen kann. Erzählen kann ich ihm, dass sicher nicht, er würde es vielleicht nicht verstehen, oder mich nur belächeln, aber er musste nicht unbedingt alles wissen was mich in meinem Herzen bewegt.
Wenn wir uns ansehen, dann wissen wir doch beide, was wir wollen. Ist es nur der gute Sex, der mich mit diesem Mann verbindet, aber dann wieder will ich es auch gar nicht so genau wissen. In meinen tiefsten Inneren, aber spüre ich diese ganz tiefe Verbundenheit, die ich so lange nicht empfunden habe, nur für einen einzigen Menschen. Dieses Gefühl genieße ich, aber es machte mir auch Angst. War das für mich noch einmal die wahre Liebe?
Endversion

Letzte Aktualisierung: 24.09.2013 - 21.41 Uhr
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