Sexlibris
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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Auferstehung | September 2013
Neuanfang
von Dagmar Hospes

Hat es so lange gedauert, dauern m├╝ssen, bis ich begreifen konnte, dass das Leben eine st├Ąndiges fallen und aufstehen ist. Das aus etwas Altem etwas Neues entsteht, egal was wir tun. Eigentlich h├Ątte ich es doch wissen m├╝ssen, ich war doch kein Kind mehr, ich war eine erwachsene Frau. Das eine Krise ein Gewinn sein kann, dass musste ich anscheinend wirklich erst lernen. Das Aufstehen braucht oft Zeit, man muss wachsen, man muss Kr├Ąfte entwickeln. Du musst dich trennen, du verlierst viel und gewinnst Neues dazu. Freunde verlassen dein Leben, weil sie dich nicht verstehen k├Ânnen, oder weil du einfach zu anstr├Ąngend f├╝r sie geworden bist. Sind pl├Âtzlich nicht mehr da, andere findest du. Schmerz ist da und Freude kommt wieder zur├╝ck. Die Zeit bringt Neues, du musst nur geduldig sein.

Ich sitze am Tisch und weine bitterlich, bin verzweifelt, schrecklich alleine. Meine Gedanken sind in der Vergangenheit, dann wieder in der Zukunft. Angst, Zweifel, Ungewissheit nagen an mir.
Marcus ist gegangen, ich habe es lange schon gesp├╝rt, geahnt. Leider wollte ich es nur nicht wahrhaben, mir passiert so etwas schlie├člich nicht. Das geht nur anderen Frauen so. Selbst meine beste Freundin hatte mich einmal bel├Ąchelt und ich war sehr w├╝tend dar├╝ber gewesen.
Ich bin doch eigentlich eine selbstst├Ąndige, selbstsichere Frau gewesen, aber nun ist mein Leben aus den Fugen geraten. Ich stehe auf und gehe hin├╝ber zur Kaffeemaschine um einen frischen Kaffee aufzusetzen. All diese Bewegungen sind mechanisch, ich f├╝hle mich wie bet├Ąubt. Doch ich wei├č genau, dass ich noch heute anfangen muss mein eigenes Leben zu organisieren. Nur f├╝r mich ganz alleine, nie mehr zu Zweit? Kommt da noch mal was Neues, ich mag noch nicht daran denken, aber die Frage ist da.
Es gibt nur eins was mich heute interessieren sollte, die Wohnungsanzeigen. Jeder Schritt f├Ąllt mir schwer, die Seiten der Zeitung sind schwer wie Blei. Nach einigen Minuten schiebe ich sie beiseite, um den Kopf wieder auf meine Unterarme singen zu lassen und erneut zu weinen. Die Tr├Ąnen wollen nicht versiegen. Wie soll ich mich konzentrieren, all das erledigen, was getan werden muss?
W├╝tend stehe ich auf, ich bin eine selbst├Ąndige Frau, laut sage ich zu mir selbst.
ÔÇ×Das werde ich auch ohne Marcus hinkriegen.ÔÇť Danach gehe ich entschieden hin├╝ber in mein B├╝ro, um zu telefonieren, alles zu erledigen, was getan werden muss. Der Rechner f├Ąhrt hoch, ich suche nach einer Wohnung im Internet, mit der Maus konnte sie schon immer besser umgehen.
Schlie├člich brauche ich auch noch einen Anwalt, denn ich ben├Âtigt von Marcus Unterhalt, wovon soll ich schlie├člich leben?
Wieder kommen die Tr├Ąnen, diesmal sind es Tr├Ąnen der Wut. Am liebste w├╝rde ich schreien.
Marcus ist nicht da, vielleicht k├Ânnte ich so noch mal meine ganze Wut ├╝ber ihn aussch├╝tten und es w├╝rde mir vielleicht sogar besser gehen.
Das Telefon l├Ąchelt mich an, komm und tu was du tun musst. Auch aufs Telefon bin ich w├╝tend, fr├╝her habe ich f├╝r mein Leben gerne telefoniert. Weltmeister war ich im Telefonieren, daf├╝r h├Ątte ich eigentlich von Marcus einen Orden bekommen m├╝ssen.
Meine Liste die ich abtelefonieren muss ist sehr lang geworden.
Wohnungen, Anwalt, Jobcenter, wer bezahlt meine Wohnung, es gab viel zu tun. Wieder schlich sich bei mir eine leichte Verzweiflung ein.
Ich habe nur f├╝r Marcus gelebt, egal wie selbst├Ąndig ich war, ich habe ihn organisiert.
Wer hatte denn die Kunden der kleinen Firma betreut, die Buchf├╝hrung gemacht. An mich selbst habe ich dabei doch nie gedacht, nie denken k├Ânnen, weil keine Zeit dazu war. Die Firma musste schlie├člich laufen. Dann gab es da auch noch die Kinder, ein gro├čes Haus.
Heute wei├č ich, dass ich mich aufgegeben hatte. Ich begann das Leben f├╝r meinen Mann zu leben. Das war schlimm genug, dass musste ich nun erkennen, es war die bitter e Wahrheit. Aber ich wollte nichts bereuen, was ich eigentlich gerne getan habe, ja geliebt habe. Es war ein Teil meines Lebens. F├╝r mich war es einmal richtig, jetzt muss etwas Neues entstehen. Das Leben an Marcus Seite war nie falsch gewesen.
Eigentlich war ich gar nicht so schrecklich verletzt dar├╝ber, dass Marcus eine andere Frau hatte, zwischen uns lief sowieso nichts mehr. Was uns Beide verband war eine wunderbare freundschaftliche Beziehung, das hatte ich schon l├Ąngst herausgefunden, aber heute wei├č ich, das Marcus mehr wollte. Ich war zufrieden, so wie es war. Sex brauchte ich nicht, oder vielleicht vermisste ich ihn schon einfach nicht mehr, dar├╝ber sollte ich auch noch mal nachdenken. Es gab so vieles neu zu ordnen. Trotzdem war ich in der letzten Zeit nur noch mit Marcus am Streiten. Vielleicht h├Ątte ich versuchen sollen ihn zu halten.
Es ist Samstag und die Sonne scheint auf den Balkon meiner kleinen zwei Zimmer Wohnung. Mehr war nicht geblieben, aber es war gut so. Die Kinder waren gro├č, aus dem Haus, ich konnte lange dar├╝ber spekulieren, was Marcus dazu bewegt hatte, mit einer Anderen etwas anzufangen, es machte keinen Sinn, stattdessen hatte ich angefangen einfach nur einmal an mich zu denken und mein Leben verlief jetzt so wie ich es wollte. Ja, es war sogar wunderbar.
Das Buch was ich gerade angefangen hatte zu lesen lege ich beiseite, ich muss l├Ąchelt, als es an der T├╝r klingelt. Lange war ich allein gewesen, ich habe es genossen und genie├če es auch heute noch, die Zeit f├╝r mich ganz alleine. Doch ein zu Zweit gibt es wieder, das genie├če ich noch mehr.
Jan kommt, meine gro├če Liebe. An einen Neuanfang in diese Richtung habe ich nicht geglaubt. Nat├╝rlich habe ich viel dar├╝ber nachgedacht, gewusst, dass die M├Ąnner immer zu meinem Leben geh├Âren w├╝rden, nein ein Mann konnte das Leben ungemein bereichern. Wieder muss ich nur l├Ącheln. Aber an die wahre Liebe hatte ich nicht mehr geglaubt.
Sie hatte sich ganz langsam in mein Leben geschlichen, zusammen mit diesem Mann. Er hat mein Herz erobert und mein Leben auf den Kopf gestellt.
Als ich die T├╝r ├Âffne, sehe ich in Jans blaue Augen, alleine f├╝r diesen Blick k├Ânnte ich schon dahinschmelzen. Ihn einfach nur anzusehen, ist wunderbar. Es reich mir schon, wenn ich ihn nur ber├╝hrte, ihn sp├╝rte, seinen Geruch atmen kann. Erz├Ąhlen kann ich ihm, dass sicher nicht, er w├╝rde es vielleicht nicht verstehen, oder mich nur bel├Ącheln, aber er musste nicht unbedingt alles wissen was mich in meinem Herzen bewegt.
Wenn wir uns ansehen, dann wissen wir doch beide, was wir wollen. Ist es nur der gute Sex, der mich mit diesem Mann verbindet, aber dann wieder will ich es auch gar nicht so genau wissen. In meinen tiefsten Inneren, aber sp├╝re ich diese ganz tiefe Verbundenheit, die ich so lange nicht empfunden habe, nur f├╝r einen einzigen Menschen. Dieses Gef├╝hl genie├če ich, aber es machte mir auch Angst. War das f├╝r mich noch einmal die wahre Liebe?
Endversion

Letzte Aktualisierung: 24.09.2013 - 21.41 Uhr
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