Burgturm im Nebel
Burgturm im Nebel
"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Klaus Eylmann IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Schmelzpunkt(e) | März 2014
Am See
von Klaus Eylmann

Er sah alt aus und fühlte sich so. Der Ingenieur brauchte in keinen Spiegel zu sehen um zu wissen, dass sich weitere Strähnen seines glänzenden blauen Haares in stumpfes Grün verfärbt hatten. Das hatte er dem überlichtschnellen Antrieb zu verdanken, mit dem die Sirianer in den Weltraum vorstoßen wollten. Er funktionierte nicht.

Der Mann sah aus dem Fenster des Labors auf die Stadt Dunbar, auf dichten Verkehr. Gleiter schossen durch die Luft. Shuttle rasten mit flammendem Schweif in den Himmel. Neben dem Raumhafen reflektierte Wasser das Licht zweier Sonnen. Dort zog es ihn hin. An dem See war er schon einige Male gewesen. Der Lift fuhr ihn 22 Stockwerke hinab. Er nahm das mobile Trottoir, stieg vom Band auf eines, das auf den See zu glitt. Er sprang ab.

Laue Luft, sommerlicher Abend. Der Mann näherte sich dem Ufer und steuerte auf den Rundweg zu. Plötzlich wurde ihm gegenwärtig, wie dieses Ambiente von allem abwich, was ihm bei Reisen auf Sirius begegnet war. Wurden die Sonnen noch vom Wasser des Sees gespiegelt, als er aus dem Fenster geschaut hatte, so war dieser jetzt von einer Eisschicht bedeckt. Und das bei einer Lufttemperatur, die dazu einlud, im Hemd herumzulaufen.

Der Mann schlenderte den See entlang. Büsche säumten den Weg. Bäume mit blauen Blättern beugten sich über das Eis. Seltsam, dass er sich außerhalb des Perimeters nicht daran erinnerte, was er am See erlebt, welche Personen er getroffen hatte. An Lisa Lammer zum Beispiel, die Frau eines Autohändlers, der in einem Ort mit dem seltsam klingenden Namen Horsdorp an der Wümme ansässig war.

Er ging weiter und da stand sie mit ihren unglaublich hellen Haaren. Sein Herz schlug höher. Berückend schön war Lisa nicht von seiner Welt. „Blond“, erklärte sie, hieße die Farbe ihres Haares.
„Eric!“, rief sie und umarmte ihn. Sie gingen den zugefrorenen See entlang. Er unterbrach das Schweigen.
„Als ich vorhin aus dem Fenster sah, spiegelte Wasser das Licht unserer beiden Sonnen. Und nun ist es von Eis bedeckt und wird von nur einer Sonne beschienen. Hätte ich dies vorher gewusst, wäre ich mit Schlittschuhen für uns beide aufgekreuzt.“
Lisa lachte. „Und ich würde dir so gern Horsdorp und die Wümme zeigen.“ Eric verzog sein Gesicht. „Das haben wir schon einmal probiert.“ Arm in Arm hatten sie sich damals vom See entfernt. Lisa fand sich in Horsdorp und Eric in Dunbar neben dem Gleitband wieder.

„Oh!“, schrie Lisa und zeigte auf zwei Insekten, die auf sie zu krochen, vor ihnen stehen blieben und die Facetten ihrer Augen auf sie richteten. Mit ihrer Größe von einem halben Meter, dem bläulich schimmernden Chitinpanzer und den vibrierenden Antennen hatten sie etwas bedrohliches an sich.
Fliegen“, stammelte Eric. „Auf meiner Welt sind die nicht zu Hause.“

„Eric, wir wollen Ihnen helfen“, hörte Eric in seinem Hirn. Telepathen, dachte er. Lisa hatte sich einige Meter von ihnen entfernt und sah mit weit aufgerissenen Augen zu ihnen hinüber.

„Wir lesen in Ihrem Gehirn wie in einem Buch. Sie versuchen einen überlichtschnellen Antrieb zu entwickeln.“
„Dann wissen Sie auch, dass wir keinen Erfolg damit haben“, dachte Eric. „Wenn Sie ihn kaufen wollen, kommen sie ein paar Jahre später auf mich zu.“

„Nicht doch, Herr Eric. Sehen Sie.“ Benommenheit befiel den Mann, dann formte sich ein Bild vor seinen Augen. „Das Schema unseres Tachyonenantriebs. Wir haben es in Ihr Langzeitgedächtnis übertragen. Und nun die Formel.“
Sie offenbarte sich in seinem Hirn. Eric studierte sie. „Wieso bin ich nicht von selbst darauf gekommen?“ Er fühlte sich unwohl. Die Körpersprache der Aliens, ihr Gesichtsausdruck, das Spiel ihrer Antennen sagten ihm nichts.

„Was wollen Sie als Gegenleistung?“
„Die galaktischen Koordinaten Ihres Heimatplaneten.“
Eric reagierte ungehalten. „Was haben Sie damit vor?“
„Wir planen eine Invasion.“
Eric lachte. „Woher sollen wir die Koordinaten kennen, wo wir noch nicht einmal über unseren Planeten hinausgekommen sind.“
„Sie sind im Hirn eines jeden Lebewesens gespeichert“, erwiderte einer der Aliens.
„Wie kommen Sie zu dieser irrwitzigen Annahme?“, fragte Eric.
„Da sie sich in unseren Gehirnen befinden, sollten sie auch in Ihren sein“, antwortete eines der Insekten und fügte hinzu: “Wir starten die Sondierung. Es kann sein, dass Ihr Gehirn dabei zu Schaden kommt.“
Eric drehte sich zu Lisa und rief „Lasst uns gehen!“ Starre befiel ihn. Vergeblich versuchte er sich zu bewegen. Sein Kopf schmerzte. Es war, als habe jemand einen Bohrer an seinen Schädel gesetzt und laufen lassen. Die Umgebung verschwamm vor seinen Augen. Kaum bemerkte er eine zwei Meter hohe Röhre, die auf sie zurollte. Aus dem obersten Segment schoss rötliches Licht auf die Aliens. Eric spürte, wie der Druck in seinem Kopf verschwand. Die Fliegen waren zu Staub zerfallen.

Die Röhre vibrierte scheppernd auf ihren vier Rädern, drehte sich im Kreis. Es schien, als würde sie lachen. Dann fuhr sie mit saugendem Geräusch über den Staub hinweg. Der Weg war sauber.

Erst jetzt nahm Eric die beiden Männer wahr, die hinter einer Biegung hervorgekommen waren und der Röhre nachsahen, die von den Bäumen gefallene Blätter aufsaugte und ihren Weg fortsetzte.
„Der Roboter mag anscheinend keine Fliegen“, sagte einer von ihnen. Der andere nickte Eric zu.
„Kommissar Schneider von der Mordkommission. Mein Kollege Udo Schmitz.“ Er sah Eric fragend an.
„Eric“, grüßte der zurück.
„Ich habe aufgehört mich zu wundern, dass wir uns in diesem Hub verstehen“, meinte Udo.
„Was ist ein Hub?“, fragte Schneider.
„Ein Knotenpunkt.“
„Ein kosmischer also.“ Schneider kratzte sich am Kinn. „Ich wüsste zu gern, wer den Roboter angestellt hat.“
Udo feixte. „Und ich hätte gern sein Bewerbungsschreiben gelesen.“
„Mensch Udo“, rief Schneider. „Angestellt wie angeschaltet!“
„Keine Ahnung.“ Udo grinste. „Ich weiß nur, was er angestellt hat.“

Schneider blickte auf die Uhr dann auf Udo. „Lass gut sein. Sonst landen wir noch in einem kosmischen Kabarett. Gehen wir. Unsere Mittagspause ist um.“ Die beiden entfernten sich. Schneider drehte sich noch einmal um. „Eric, was wollten die beiden von Ihnen?“
„Die Koordinaten meines Heimatplaneten. Sie hatten vor, ihn zu erobern.“
„Lächerlich“, rief Schneider. „Die hätten die Information doch wieder vergessen.“

„Ich muss auch gehen“, meinte Lisa und gab Eric einen Kuss auf die Wange. Der stand plötzlich allein auf dem Weg, neben dem eisbedeckten See, dachte an Lisa und den überlichtschnellen Antrieb.

An den Antrieb dachte Eric auch am nächsten Morgen in seinem Labor. „Es ist zum Verzweifeln“, rief er. „Ich werde alt, grün und komme nicht voran.“ Er blickte durch das Fenster auf den See in der Ferne. Der strahlte Ruhe aus. Am Abend würde er dort wieder spazieren gehen.

Version 2

Letzte Aktualisierung: 16.03.2014 - 17.40 Uhr
Dieser Text enthält 6693 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2017 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.