Das alte Buch Mamsell
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Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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Verstrahlt | Juli 2014
Götter und Gehirne
von Helga Rougui

Irgendwann zum zillionsten Mal in der Geschichte der Menschheit streckte Gott, als er sich wieder einmal ob seiner blickdichten Vollkommenheit unsterblich mopste, seinen langen dünnen Zeigefinger herab vom Firmament und lenkte aus dessen Spitze wie schon so oft einen minimal kreiselnden Strahl mitten in die Gehirnmasse seines jüngsten Geschöpfes.
Der Strahl verwirbelte alles, was dieses sich in seinem Köpfchen gerade sorgfältig auseinanderseziert und in einem netten Plan zusammengeschmiedet hatte, bis zur erneuten chaotischen Unverständlichkeit.

Jedesmal, wenn ich alles geklaut, äh, geklärt habe und zur Tat schreiten will, macht Er das, grummelte der Mensch, immer dasselbe Kinderspiel. Und das Schlimmste – Er hält das für witzig. Ich aber muß wieder ganz von vorn anfangen. Es ist, als ob Er mir die Früchte vom Baum der Erkenntnis mißgönnte. Auf die Art wird das nie was mit dem Hammer zum Durchbruch, mit der Feile zum Ausbruch, mit dem Sprengstoff zum Aufbruch, mit der Egge zum Umbruch. (Mein lieber Scholli.)

Man sieht, die Verwirbelung war extremster Natur.

Der Mensch maulte auch deshalb so heftig, weil er insgeheim auf ein Wunder gehofft hatte, das ihm jegliche Anstrengung gern hätte ersparen mögen. Aber der Schöpfer als alter Heimwerker hatte keinen Sinn für Fertigbauteile.

Also neigte der Mensch demütig und resigniert das Haupt, beschloß im übrigen, in Zukunft den Mund zu halten sowie die Ohren auf Durchzug zu stellen, und begann von neuem zu denken, zu planen, zu zirkeln, sich in die nächste gehirngewundene Sackgasse hineinzuwühlen, vielversprechend wie ein Fuchsbau mit mehreren Notausgängen.

***

Von diesem göttlich spaßgesteuerten Finger kommen all die unsäglich kontraproduktiven Dinge, die die Menschen tun, wenn sie gerade im Begriff sind, die Hühnerleiter des Glücks erklimmen zu wollen und dann in ihrer numinos verstrahlten Verwirrung vergessen, daß die Sprossen voller Scheiße sind. Und so rutschen sie aus und werden, wenn ganz unten, freudig vom Teufel in den Arm genommen.

Warum Gott tut, was er tut, ist nicht diskutierbar. Er ist Gott.

Der Mensch aber, heißt es, sei Sein Ebenbild.
Wäre er das, hätte er den Strahl längst zurückgeleitet auf Gottes Gehirn.

(Vermutlich hat er das sogar.)

Letzte Aktualisierung: 22.07.2014 - 17.30 Uhr
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