Burgturm im Nebel
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"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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Traumzeit | Oktober 2014
Sommerwiese
von Monika Heil

Frisch gemäht, duftet sie warm und erdig. Und sie beschwört Kindheitserinnerungen herauf.

Wie gern bin ich früher hierher gekommen!

Jedesmal habe ich einen bunten Strauß gepflückt und ihn stolz in meiner verschwitzten Kinderhand nach Hause getragen.
Meine Großmutter hat den bauchigen Tonkrug aus dem hohen, weißgebeizten Küchenschrank mit den bunten Glasscheiben geholt und mein Stück Sommerwiese auf den Tisch gestellt.

Zwischen Pflaumenkuchen und frisch gebrühtem Kaffee leuchtete er mit den schräg hereinfallenden Sonnenstrahlen um die Wette. Staubpartikel tanzten auf ihren Bahnen.
Ich liebte diese Besuche auf dem Land und träumte davon, nicht nur meine Ferien dort zu verbringen.

Ach, wäre ich doch etwas früher wieder hierher gekommen.

Erbarmungslos haben Bauer und Mähdrescher ihre Arbeit für diesen Tag verrichtet. Nun ist alles dahingemäht.
Glockenblume, Ochsenzunge, Klee und gelber Knöterich
liegen zusammengesunken zwischen gefallenem Gras. Erschreckt sie ihre Wandlung? Warten sie auf ihre unbekannte Zukunft, die Heu heißt? Träumen auch sie?
Erbarmungslos schickt die Sonne ihre Strahlen.

Was hätte es gebracht, wäre ich früher gekommen?

Wie gut alles duftet. Es raschelt und knistert.
Bienen brummen, Insekten tanzen, Libellen schweben.
Es schwirrt und summt erst leise, kurz darauf volltönend,
Die Stimmung lullt mich ein.
Ich strecke mich aus auf der warmen, grasweichen Wiese.
Ich schließe die Augen und träume.

Ich träume davon, unsichtbar zu sein.
Als unscheinbaren Käfer sehe ich mich zwischen Grashalmen krab-belnd.
Ich träume davon, unsichtbar zu sein.
Von schaumweicher Wolke schaue ich herab auf die sonnenbunte Wiese, entdecke einen unscheinbaren Käfer zwischen Grashalmen krabbelnd.



Wie gut, dass ich heute gekommen bin.

Es ist nicht zu spät.

Ich kann die Wärme speichern auf meiner Haut,
ich kann meine Fingerspitzen gleiten lassen
über das Samtgefühl der Klatschmohnblüte,
kann den Sommertag einatmen und archivieren.
In meinem Inneren ist so viel Platz.

Ich werde zurück gehen in das Haus meiner Kindheit
und werde ihn mitnehmen diesen Sommertag auf der Wiese.
Mitnehmen zu meiner Tochter,
die Pflaumenkuchen gebacken hat und Kaffee gekocht -
nein, nicht gebrüht, durch die Maschine gepresst.

Wie gut, dass ich noch hier sein darf.
Nun bin ich die Großmutter.

Letzte Aktualisierung: 07.10.2014 - 19.57 Uhr
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