Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Wen(n) wir lieben | Dezember 2014
Romeo und Julia
von Christian Rautmann

Julia tanzte glücklich umher. Das Wasser, der Sand, die Muscheln - die Welt schien zu leuchten und sich mit ihr zu freuen. So ein schönes Leben! Denn er war bei ihr. Er! Er! Romeo! Schon beim Gedanken an ihn kribbelte es sie wohlig am ganzen Körper.
Sie schloss die Augen und dachte an ihre erste Begegnung. Wie aus dem Nichts war er aufgetaucht. Er hatte sie angesehen. In einer Art, die es ihr jetzt noch heiß und kalt zugleich werden ließ. Alles war bedeutungslos geworden. Nur bei ihm wollte sie sein. Das hatte sie sofort gewusst. Und ihm war es genauso ergangen. Auch ihn hatte ihr Anblick überwältigt. Das hatte er ihr gestanden, als sie einander näher gekommen waren. Wie schnell das gegangen war. Aber, wenn man den gefunden hat, den man liebt, dann soll man auch nicht zögern, ihm seine Liebe zu zeigen. Das hatte er gesagt. Und wie recht er doch hatte.
Sie spürte, dass sich jemand näherte. Ein Zittern durchlief sie. Ihr Herz jagte. Sie wusste, wer es war. Romeo! Ihr Romeo! Niemand anderes konnte es sein.
Erst als sie ihn dicht bei sich fühlte, öffnete sie die Augen. Sein liebes Gesicht war dem ihrem ganz nah. Julia spürte, wie ihr heiß wurde. Wenn Romeo sie so ansah, wie er es jetzt tat, dann konnte sie nicht kühl bleiben. Seine Augen, seine Lippen, sein eleganter Körper. Julia schmolz dahin. Er schmiegte sich an sie und sie sich an ihn. Die Glut seines Körpers schien sie verbrennen zu wollen. Erregter und wilder wurden seine Bewegungen. Julia verlor jegliche Zurückhaltung in dieser Irrsinnshitze, die immer stärker wurde. Immer enger und enger drückte sie sich an ihren Geliebten. Immer heißer und heißer wurde es. Alles um sie herum schien zu kochen und zu brodeln. Eng umschlungen drängten sie sich aneinander. Nur sie und Romeo. Die Welt verschwamm vor ihren Augen. Nur noch er und sie. In einem immer heißer werdenden Tanz. Als Julia schließlich erschöpft in der Dunkelheit versank, war sie so glücklich wie nie zuvor in ihrem Leben.

Klara Unger stieg müde die Treppe hinauf. Die Einkaufstaschen waren schwer und der Aufzug natürlich mal wieder kaputt. Hoffentlich waren die Kinder wenigstens brav gewesen. Manchmal kamen sie ja auf die verrücktesten Sachen.
Erschöpft betrat sie die Wohnung und stellte die Taschen in der Küche ab.
„Hallo Kinder! Die Mama ist wieder da. Leonie! Max! Wo seid ihr?“
Als keine Antwort kam, ging sie ins Wohnzimmer.
„Mama! Mama!“ Die Zwillinge kamen jubelnd auf sie zugerannt.
„Wir haben eine Überraschung für dich!“, sagte Max.
„Ja, was ganz Leckeres. Eine schöne heiße Suppe haben wir dir gemacht“, ergänzte Leonie.
Klara blickte auf die beiden toten Goldfische, die Leonie ihr in einer Suppenschale hinhielt. Sie sah zum Aquarium hinüber, aus dem Dampf aufstieg. Ihr alter Tauchsieder hing darin. Langsam ließ sie sich in den Sessel sinken.
„Guten Appetit, Mama. Lass es die schmecken!“, riefen die Zwillinge im Chor.

Letzte Aktualisierung: 26.12.2014 - 22.26 Uhr
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