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Wen(n) wir lieben | Dezember 2014
Trennung
von Monika Heil

Lange hat sie gezögert, wollte es nicht wahrhaben. Und doch weiß Lena, es ist vorbei. Sie muss mit Philip reden. Heute noch. Viel zu lange hat sie ihm Gefühle vorgetäuscht, die nicht mehr vorhanden sind. Ihre Ehe ist gescheitert. So weh es tut. Sie muss der Tatsache ins Auge sehen.

Die Gründe sind klar für sie. Es liegt weder an ihr noch an Philip. Der Außendienst ist schuld. Seit mehr als einem Jahr ist sie von Montag bis Freitag unterwegs und genau so lange führt sie eine Wochenendehe. Das tut einer Beziehung nicht gut. Sie weiß das. Und doch kann und will sie es nicht ändern. Nicht mehr. Die Verdienstmöglichkeiten waren verlockend. Nur so lange, bis Philips erster Roman erschien, hatten sie vereinbart. Bis heute blieb der Erfolg aus. Ihre Entfremdung nahm zu. Lange wollte sie die Entwicklung nicht akzeptieren. Sie kämpfte dagegen an. Vergeblich.

Heute ist Donnerstag und für morgen ist dieser Termin in der Zentrale angesetzt. Kurzfristig. Sie hat die Mail heute morgen auf ihrem Laptop gefunden, gleich nach dem Aufstehen im Hotel. Das bedeutet, sie kann schon heute nach Hause fahren und morgen früh von ihrer Wohnung aus in die Zentrale. Das sind nur 30 Kilometer. Noch einmal versucht sie, Philip anzurufen. Sein Handy ist abgeschaltet. Auf dem Festnetzapparat springt jedes Mal der Anrufbeantworter an. Sie wird ihn überraschen. Und dann müssen sie reden.

Mit einem Begrüßungslächeln betritt Lena die Wohnung. Sofort steigt ihr der Geruch von kaltem Rauch in die Nase. Philip ist Nichtraucher. Hatte er Besuch? Sie klappert mit dem Schlüssel.
„Hallo, ich bin wieder daaaa“, ruft sie. Stille. Philip ist offenbar nicht zu Hause. Ein kurzer Aufschub. Lena atmet tief durch, geht erst ins Bad, dann ins Wohnzimmer. Mit plötzlich aufkommendem Unbehagen registriert sie zwei benutzte Weingläser, fünf Zigarettenstummel im Aschenbecher. Eine Rotweinflasche ist fast geleert.

Herzklopfen und weiche Knie schicken sie ins Schlafzimmer. Ihre Gedanken schlagen Rad. Eben noch hat sie gedacht, wir müssen reden. Jetzt folgt die lautlose Frage: „Kann ich mir meine Erklärungen sparen?“
Niemand liegt im großen Ehebett.

Lena kehrt zurück in den Flur. Erst jetzt bemerkt sie, dass die Hundeleine nicht am Haken hängt. Also ist Philip mit Wotan Gassi. Zeitaufschub. Der Anrufbeantworter blinkt. Sie drückt die Wiedergabetaste. Sofort fällt die Stimme ihrer Schwiegermutter über sie her, auch wenn die Botschaft deren Sohn gilt.
„Hast du endlich mit Lena gesprochen? Du musst Klarheit schaffen, Junge. Das bist du ihr und auch Wolfgang schuldig. Du weißt, dass ich deine - na ja, deine sogenannten Gefühle nicht verstehe und schon gar nicht billige. Es wäre mir lieber gewesen, ich hätte es nie erfahren. Doch auf mich kommt es ja nicht an. Deine Frau hat ein Recht auf ...“
Lena starrt das kleine, schwarze Gerät an. Sie registriert das Hundegebell im Treppenhaus. Ein Schlüssel dreht im Schloss. Philip und Wolfgang kommen herein. Philip, ihr Mann und Wolfgang, ihr Nachbar, der ein Stockwerk über ihnen wohnt. Fröhlich und unbeschwert poltern sie Arm in Arm in die Wohnung. Wie von unsichtbaren Fäden gezogen, dreht Lena sich um. Das Lachen der beiden bricht ab. Die Stimme auf dem Anrufbeantworter verstummt. Gespenstige Stille setzt ein.

Die Welt dreht sich dennoch weiter.

Version 2

Letzte Aktualisierung: 12.12.2014 - 18.40 Uhr
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