Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Erotik | Februar 2015
Eltern haben’s nicht leicht
von Christian Rautmann

„Mama, müssen wir wirklich schon ins Bett? Es ist doch noch so früh!“
Karla stand mit verschränkten Armen im Badezimmer und hatte den Mund zu einer Schnute verzogen.
„Ja, mein Mäuschen. Es ist schon spät und morgen früh musst du in den Kindergarten. Das weißt du doch.“
Miriam streichelte ihrer Tochter über das Haar.
„Aber das ist unfair. Ich muss alleine in mein Zimmer und Jan darf bei euch schlafen!“
Karla stampfte mit dem Fuß auf. Miriam nahm ihre Tochter in den Arm.
„Jan ist ja auch noch ein Baby und du bist schon ein großes Kindergartenkind. Sei jetzt lieb, dann singe ich dir auch noch ein Gutenachtlied. Wäre das was?“
Karla nickte schweigend und begann die Zähne zu putzen. Miriam atmete erleichtert auf und verließ das Bad. Vor der Türe traf sie auf Frank, der gerade rückwärts aus ihrem Schlafzimmer geschlichen kam.
„Schläft er?“, flüsterte sie und streichelte ihrem Mann über den Rücken.
Er wandte sich um. „Ja, gerade eingeschlafen.“
Für einen Moment sahen sie sich in die Augen. Dann zog er sie an sich und nahm sie in die Arme. Ein Schauer durchfuhr sie. Es fühlte sich so gut an, seinen Körper zu spüren. Gierig erwiderte sie seine Küsse. Sie spürte, dass auch er erregt war, und drängte sich enger an ihn. Seine Hand wanderte ihren Rücken herunter und schob den Rock hoch.
„Mama! Papa! Knutscht ihr? Iiiihhhh!“
Schnell löste Miriam sich und strich ihren Rock glatt.
„Äh, nur ein Kuss“, stammelte sie, „das machen Erwachsenen eben so. Das weißt du doch. Bist du fertig? Dann jetzt aber, husch, ins Bett!“
„Ja, los jetzt. Es ist höchste Zeit! Wir wollen auch ins Bett“, ergänzte Frank und zwinkerte Miriam verschwörerisch zu.
Sie brachten Karla in ihr Zimmer, deckten sie zu, sangen ihr das versprochene Gutenacht-Lied, brachten ihr noch etwas zu trinken, da sie durstig war, und warteten, bis sie nochmals auf Toilette gegangen war.
„Bist du jetzt endlich so weit, Mäuschen?“, fragte Frank. Miriam merkte, dass es ihm nicht leicht fiel, ruhig zu bleiben. Sie wusste warum. Schließlich hatten der Kuss und seine Berührungen sie vorhin ebenso erregt wie ihn.
Karla schlief schnell ein. Als ihre Atemzüge gleichmäßig gingen, streichelte sie ihr noch einmal über den Kopf. Dann zog Frank sie nach draußen.
„Wo waren wir?“, fragt er und zog sie sanft an sich. Sie spürte seine Lippen und seine drängende Zunge. Sie presste sich an ihn und hatte das Gefühl, mit ihm zu verschmelzen.
„Lass uns ins Wohnzimmer gehen, ja?“, flüsterte sie und strich mit dem Finger über seine Lippen. „Auf dem Sofa ist Platz genug. Da wecken wir auch Jan nicht.“
Frank nickte. Hand in Hand gingen sie die Treppe hinunter.
Während sie das Licht dimmte, zog Frank T-Shirt und Hose aus. Wieder einmal bewunderte sie seine gute Figur und war froh, dass ihr Mann viel Sport trieb. Wenn sie da an die Männer ihrer Freundinnen dachte. Nein, das war jetzt wirklich der falsche Moment.
Er sah sie herausfordernd an. Miriam lächelte. Langsam näherte sie sich ihm - und erstarrte. Aus dem Schlafzimmer tönte Babygeschrei. „Jan“, sagten sie und Frank wie aus einem Mund.
Miriam hörte ihn leise fluchen, während sie die Treppe nach oben ging. Sie drehte sich zu ihm um.
„Bleib hier. Wahrscheinlich hat er nur seinen Schnuller verloren. Ich gebe ihn ihm zurück und bin gleich wieder da. Geh nicht weg.“
Sie zwinkerte ihm zu und ging nach oben. Sie spürte, wie sein Blick ihr folgte.
Als sie das Schlafzimmer betrat, wusste sie sofort, dass es nicht damit getan sein würde, Jan seinen Schnuller zurückzugeben. Das tat sie zwar zuerst, damit er sich beruhigte. Doch dann öffnete sie das Fenster, hob ihren Sohn aus seinem Bettchen und trug ihn zur Wickelkommode.
Er stank fürchterlich. Daran würde sie sich nie gewöhnen. Auch, wenn ihre Freundinnen behaupteten, dass der Geruch bei den eigenen Kindern nicht so schlimm wäre. Sie hatte trotzdem ihre Probleme.
Wo hatte sie die frischen Windeln hingetan? Miriam wandte sich suchend um. Da sah sie, dass Jans Windel offenbar nicht so dicht gehalten hatte, wie es in der Werbung versprochen wurde. Jedenfalls war das Kinderbett so nicht mehr zu gebrauchen.
Miriam ging zur Treppe. „Frank? Frank! Kannst du bitte doch hochkommen. Jan hat seine Windel und auch direkt sein Bett vollgemacht.“
Als ihr Mann kurz darauf erschien - er sah gut aus in seinen Boxershorts, ging es ihr durch den Kopf -, schüttelte er den Kopf.
„Das ist doch nicht zu fassen. Ausgerechnet jetzt.“
Er warf ihr einen sehnsüchtigen Blick zu.
Sie zuckte mit den Schultern. „Was glaubst du, wie es mir geht? Aber wir können ihn ja schlecht so liegen lassen.“
Frank sah Jan an und dann zu ihr. „Ja, das stinkt echt schlimm. Aber er schläft doch wieder. Wenn wir ihn jetzt wickeln, wacht er nur auf. Sollten wir nicht ...?“
Miriam lachte. „Du spinnst wohl. Nein, es wird schön das Bett gemacht.“ Sie zwinkerte ihrem Mann zu. „Danach gibt es vielleicht auch eine Belohnung.“
Leise schimpfend machte Frank sich über das Bett her, während Miriam Jan eine neue Windel und einen frischen Schlafanzug anzog.
Als ihr Sohn endlich wieder in seinem Bett lag und friedlich an seinem Schnuller saugte, seufzte sie.
„Komm, wir gehen nochmal runter. Oder was meinst du?“, fragte Frank. Er klang unsicher. Sie verstand ihn. Volle Windel wechseln und Bett neu beziehen war ja wirklich reichlich abtörnend. Miriam fühlte sich jetzt auch eher müde als erregt. Aber als sie Frank ansah und daran dachte, wie sie ihn vorhin unten im Halbdunkel hatte stehen sehen - bei der Zweideutigkeit ihres Gedankens musste sie lächeln -, beschleunigte sich ihr Puls wieder. Sie schmiegte sich eng an ihn, umfing ihn mit ihren Armen, strich ihm über den Hinterkopf und presste ihr Becken fest an seines.
„Und was ist mit deiner Belohnung fürs Bettmachen? Willst du die nicht haben?“
Er gab einen zufriedenen Seufzer von sich. „Aber sicher. Die lasse ich doch nicht verfallen.“
Er knöpfte ihre Bluse auf, schob sie über ihre Schultern und öffnete ihren BH.
„Siehst du, ich packe mein Geschenk schon aus.“
Miriam wurde es heiß und kalt. Die Berührung seiner Hände auf ihrer nackten Haut ließen sie erbeben. Sie drängte ihn zur Treppe.
„Schnell, lass uns zum Sofa gehen.“
Sie wusste gar nicht mehr, wann sie sich das letzte Mal geliebt hatten. Das musste Wochen her sein.
Er drückte sie sanft auf das Sofa und zog ihr Rock und Slip aus. Sie spürte seine sanften Hände und seine Lippen. Ihre Hände krallten sich in sein Haar.
Ein Geräusch riss sie aus ihrer Lust. Was war das? Schritte auf der Treppe? Karla!
Schnell stieß sie Frank von sich. Sein Schmerzensschrei deutet darauf hin, dass sie etwas zu heftig getreten hatte. Aber Karla durfte sie auf keinen Fall so sehen. Wie peinlich das wäre. Und sicher nicht gut für das Kind.
Sie sprang auf und eilte zur Treppe.
„Karla, mein Schatz? Was ist denn los?“
„Mama, ich hab‘ so Bauchweh. Ich kann gar nicht schlafen.“
Weinend kam Karla die Treppe hinunter. Miriam nahm sie in den Arm.
Karla drückte sich schniefend an sie.
„Mama, warum bist du den ganz nackelig?“
„Ach, also, ich wollte gerade meinen Schlafanzug anziehen, Schatz. Komm, lass uns nach oben gehen. Dann schauen wir mal, was dein Bauch da für gemeine Sachen mit dir macht.“
Es stellte sich heraus, dass Karla nach dem Abendessen heimlich einige Schokoriegel gegessen hatte, die sich nun schmerzhaft in ihrem Magen bemerkbar machten. Allerdings dauerte es eine ganze Weile, bis das weinende Kind das zugab.
„Warum machst du denn so etwas? Du weißt doch, dass du das nicht darfst!“, schimpfte Miriam, war insgeheim aber erleichtert, dass der Grund für die Schmerzen so harmlos war. Einige Schlucke Kräutertee und ein warmes Körnerkissen würden das Problem schnell beheben.
Während Frank sich um den Tee kümmerte und das Körnerkissen in der Mikrowelle erwärmte, brachte sie Karla wieder zu Bett.
Dann flößten sie dem sich wehrenden Kind einige Schlucke Tee ein und legten ihr schließlich das warme Kissen auf den Bauch.
Miriam strich ihrer Tochter über den Kopf. „So, mein Mäuschen. Gleich ist das böse Bauchweh weg und du kannst schlafen!“
„Hältst du meine Hand, Mama?“
Sie seufzte leise und nahm die Hand. Dann sah sie ihren Mann an. Der schüttelte lächelnd den Kopf und zuckte mit den Schultern. Dann setzte er sich zu ihr und legte den Arm um ihre Schulter.
So saßen sie eine ganze Weile und betrachteten ihre Tochter, die schnell eingeschlafen war und nun ganz ruhig atmete. Miriam genoss diesen ruhigen Moment sehr. So also fühlt es sich an, wenn man wirklich glücklich ist, dachte sie und gab Frank einen Kuss auf die Wange.
Als sie wenig später leise die Türe von Klaras Zimmer hinter sich schlossen, nahm er sie in die Arme und küsste sie zärtlich auf den Mund.
„Lass uns auch schlafen gehen“, flüsterte er. „Es ist spät geworden.“
Sie nickte. „Ja, du hast recht. Das war eben so ein schöner Moment. Ich möchte mich jetzt einfach nur noch an dich kuscheln.“
Frank nickte lächelnd und nahm sie an der Hand. Dann gingen sie schlafen. Von den Kindern hörten sie für den Rest der Nacht keinen Laut mehr.

21.02.2015 - Version 2

Letzte Aktualisierung: 22.02.2015 - 12.30 Uhr
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