Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Erotik | Februar 2015
Was Frauen wollen
von Ingo Pietsch

Ich legte mein Buch zur Seite und schaltete das Licht aus. Neben mir schnarchte Christine leise vor sich hin.
Es war noch nicht so spät - deshalb drehte ich mich zu ihr hin und begann ihren Rücken zu streicheln.
Zwanzig Jahre waren wir miteinander verheiratet und inzwischen hatte sich ein Ritual eingespielt: Zwei Mal die Woche die Licht aus und nach dem Sex erschöpft und wortlos einschlafen.
Meine Hand wanderte unter ihrem Schlafanzug langsam Richtung Po.
„Sag mal, liebst du mich eigentlich noch?“, fragte sie mich plötzlich.
In meinem Gedanken gab es ein Geräusch, als rutsche ein Tonnadel über eine laufende Schallplatte.
Ich durfte nicht zu lange überlegen: „Natürlich liebe ich dich noch!“, gab ich die Antwort, als wäre sie das selbstverständlichste der Welt.
„Und warum sagst du es dann nie?“, kam die nächste Frage.
Mit aufgerissenen Augen starrte ich in die Dunkelheit.
„Wir reden kaum noch miteinander und ich habe das Gefühl, dass du mich nicht mehr magst und auch nicht mehr begehrst. Sicher, du hilfst mir im Haushalt und so, aber wir haben in der letzten Zeit kaum etwas zusammen unternommen. Du bist immer mit dir selbst beschäftigt.“
Sanft küsste ich ihren Nacken: „Wollen wir das nicht morgen besprechen?“, flüsterte ich ihr ins Ohr.
Sie zog ein Stück Decke zu sich heran und rollte sich darin ein.
„Habe ich was Falsches gesagt?“, mein Ton klang wahrscheinlich beleidigt, denn sie begann zu weinen.
„Nein, alles bestens. Lebe du nur dein Leben!“, schluchzte Christine.
Jetzt war der Abend total im Eimer.
„Müssen wir uns jetzt deswegen streiten?“, wollte ich wissen.
„Wir streiten nicht. Du hast Recht und ich meine Ruhe.“
„Wie soll ich dir denn meine Liebe beweisen? Du weißt doch, dass ich dich liebe! Ich kann das nur nicht so gut ausdrücken wie du!“
Entschlossen verlangte sie von mir: „Du hast einen Monat Zeit, mir deine Liebe zu beweisen, sonst trennen wir uns!“
Während Christine kurz nach unserer Konversation wieder eingeschlafen war, lag ich die ganze Nacht wach und machte mir Gedanken, wie ich das Verhältnis zu ihr wieder festigen konnte. Mir wurde erst jetzt bewusst, wie sehr ich sie vernachlässigt hatte.

Gleich nachdem ich nachmittags von der Arbeit gekommen war, erledigte ich ein paar Aufgaben im Haushalt.
Als ich Christines Weg kreuzte, sagte sie zu mir: „Ich wünsche mir, dass du mir öfters an den Po fasst, das mag ich.“
Ich zog sie zu mir heran und kniff bestimmt, aber nicht zu kräftig in ihre Backen.
Das tat ich ab dann öfters.
Und sie schien es zu genießen.

Ich brachte ihr auch jeden zweiten Tag frische Blumen mit und machte ihr ehrliche Komplimente.
Im Gegenzug bügelte sie meine Hosen und Hemden, obwohl sie das Bügeln so hasste.
Sie stöhnte auch nicht mehr auf, wenn ich in den Keller ging, um stundenlang an meinen Modellbauschiffen zu basteln.
Heimlich schlich ich mich einmal nach oben, um zu sehen, was sie eigentlich währenddessen machte.
Natürlich erledigte sie dabei Dinge, die wichtig waren, aber sie verbrachte kaum Zeit für sich selbst.
Beim Aufräumen hörte sie ABBA und die Beatles und tanzte dabei. Sie wirkte dabei grazil und sehr attraktiv, wie sie ihre Hüften schwang und ihre Haare wehten.
Sie tanzte gerne – ich überhaupt nicht. Wir hatten irgendwann einmal vorgehabt, einen Tanzkurs zu besuchen. Zumindest am Anfang unserer Ehe. Dann kamen die Kinder und wir schoben das vor uns her. Außerdem war ich den Jahren leicht außer Form geraten.
Ich war eigentlich immer mit mir zufrieden gewesen, aber ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass da noch einiges zu machen war.
Ich belegte Teststunden in einem Fitnessstudio, stellte dabei aber fest, dass ich mir die Zeit dafür anders einteilen musste.
Ich verlagerte also mein Training in den Hobbyraum und bastelte statt an den Schiffen an mir.
Natürlich stellte ich widerwillig meine Ernährung um: Statt Schokolade aß ich Puffreis (mit Schokolade überzogen) und aus dem Schnitzel mit Gemüse wurde Gemüse mit kleinem Schnitzel.
Und es machte sich bezahlt: nach zwei Wochen hatte ich fünf Kilo abgenommen und mein Bauch war deutlich straffer.
Als ich meiner Frau das nächste Mal an den Po fasste, seufzte sie auf und sagte: „Du hast aber einen kräftigen Griff bekommen.“
Mehr als einen flüchtigen Kuss ließ sie aber nicht zu.

Inzwischen waren drei Wochen vergangen. Christine und ich redeten viel miteinander. Es fiel mir leichter mich mit ihr zu unterhalten; auch über banale Themen, die ich sonst nur mit meinen Arbeitskollegen teilte.
Christine wurde freundlicher und ließ auch wieder zu, dass ich sie von hinten umarmte und ihren Nacken liebkoste.
Es war aber nicht nur ein körperliches Begehren, das in mir wuchs: Christine wurde zu einer richtigen Freundin, wie ich es vorher nicht gekannt hatte.
Einmal lächelte sie mich an, wie ich es überhaupt nicht in meiner Erinnerung hatte. Die strahlenden Augen leuchteten wie Sterne. Kleine Fältchen bildeten sich um ihre Augen- und Mundwinkel und trotzdem wirkte sie jugendlich. Sie hatte mich in ihren Blicken gefangen.

In meiner Mittagspause dachte ich darüber nach, was ich alles für Christine in den letzten vier Wochen getan hatte.
Zufällig kam ich an einem Dessousladen vorbei und schaute in die Auslage.
Bestimmt fand auch sie so etwas schön. Hoffte ich jedenfalls.
Ich ging hinein und sah mich ein wenig verlegen um. Es gab hier eine riesige Auswahl an reizender Unterwäsche. Ich wusste schon ungefähr, was ich mir vorstellte.
Eine junge Frau sprach mich an: „Suchen Sie etwas Bestimmtes?“
Ich nickte und beschrieb, was suchte.
Wir gingen zu einem Kleiderständer und sie zeigte mir einige Modelle.
„Ist es für Ihre Freundin?“, wollte sie wissen.
Ich hielt meine rechte Hand mit dem Ring hoch. „Für meine Frau. Warum wollten Sie das wissen?“
„Dann kennen Sie sicher ihre Konfektions- und BH-Größe?“
Ich wurde bestimmt rot im Gesicht, denn mir wurde ganz warm. Daran hätte ich vorher denken müssen!
Ich besah die Verkäuferin „Sie ist ungefähr so groß wie Sie“, stammelte ich.
Die Verkäuferin hängte einige Teile zurück.
„Und die BH-Größe?“, fragte sie.
Meine Augen zitterten, als ich ihrem Blick standhielt. Schweiß lief mir von der Stirn ins Gesicht.
„Äh“, gab ich als Antwort.
Sie schürzte die Lippen und bedeutet mir, ich solle ihr folgen.
Wir waren alleine im Laden und mir war unbehaglich, als wir zu den Umkleiden gingen.
Sie zog einen Vorhang zur Seite und dort stand eine nackte Schaufensterpuppe mit elastischen Brüsten.
„Legen Sie bitte ihre Hände darauf“, forderte sie mich.
Ich tat, wie befohlen. Sie drückte einen Knopf und die Brüste pumpten sich auf.
„Wenn Sie die richtige Größe haben, sagen Sie Stopp! Aber nicht lügen“, sie zwinkerte mir zu, „sonst passt der BH nicht!“

Die dreißig Tage waren um.
Christine war schon im Schlafzimmer verschwunden.
Ich duschte noch, parfümierte mich eine wenig und zog Shorty und T-Shirt an. Ich schlich ins Schlafzimmer.
Das Nachtlicht auf meiner Seite brannte noch; Christine hatte sich schon so in die Decke gewickelt, dass ich von ihr nichts sehen konnte.
Ich wusste nicht, ob sie schon schlief oder noch wach war.
Etwas enttäuscht legte ich mich auf meine Seite und wollte schon das Licht ausschalten, als sie ihren Kopf zu mir drehte.
Sie lächelte mich an und sagte: „Ich danke dir für die vielen Dinge, mit denen du mir bewiesen hast, dass du mich liebst.“ Sie küsste mich innig.
Mit wurde ganz heiß.
Verschmitzt sagte sie: „Ich weiß auch, dass du für mich trainiert hast.“ Sie fuhr mit ihren Händen über meine Brust.
Ich griff in ihren Nacken, zog sie zu mir heran und küsste sie erneut.
Mit geschlossenen Augen und nach Atem ringend lösten wir uns wieder.
„Ich habe eine Bitte an dich.“
Fragend sah sie mich an.
Ich fischte mit einer Hand unter meiner Bettseite herum, um eine kleine Tüte hervorzuholen. Ich reichte sie ihr und sie holte das Dessous heraus.
„Würdest du das für mich tragen?“, fragte ich vorsichtig.
Sie zog die Bettdecke ein Stück nach unten: Sie trug genau das gleiche Dessous, welches ich ihr geschenkt hatte.
„Leider ist deines eine Nummer zu groß!“, stellte sie fest.
„Ha, ich wusste es.“, ärgerte ich mich. „Soll ich das Licht ausschalten?“ Ich streckte mich schon zum Lichtschalter.
Sie beugte sich über mich und hielt meinen Arm fest. „Aber warum denn?“
Sie küsste mich wieder.
Ganz nah lagen wir beieinander.
„Weil wir das Licht immer ausmachen!“ Ich war durcheinander.
„Das haben wir doch nur gemacht, damit die Kinder dachten, wir würden schon schlafen und uns dann in Ruhe lassen!“ Christine zog mein T-Shirt aus und übersäte mich Küssen.
„Ich dachte, du fändest mich nicht mehr attraktiv!“, brachte ich hervor.
„Und ich hielt mich nicht mehr schön genug für dich, weil du immer alles sofort abdunkeln musstest!“, sagte sie.
Wir fingen beide an zu lachen. Wir sahen uns in die Augen, küssten uns und verschwanden unter der Bettdecke.
Aber das Licht blieb an.

Letzte Aktualisierung: 19.02.2015 - 23.01 Uhr
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