Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Helmut Loinger IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Erotik | Februar 2015
Versuchung
von Helmut Loinger

Sengende Gluthitze, alles flimmert, wenn man in das staubtrockene Nichts schaut. Verdammte Wüste eben. Sand und Gestein und irgendwo dazwischen stehen ein paar ausgemergelte Stauden, die noch nicht ganz verdorrt sind.

„Was mach ich nur in dieser gottverreckten Einöde? Hier ist nichts los, aber schon rein gar nichts. Und eine Hitze ist das. Leck mich doch am Arsch. Einen Hunger hab ich und einen Durst sowieso. Wenn da bloß irgendwo ein bisserl Wasser wär. Ich würd es glatt in Bier verwandeln oder Wein. Stante pede. Ganz egal, Hauptsache was Gscheites zu trinken.“

Tschisas weiß, dass er nicht fluchen soll, selbst dann nicht, wenn ihn gar keiner sehen und hören kann. Doch angesichts seiner Allgemeinsituation kann man schon verstehen, dass seine übliche stoische Ausgeglichenheit ein wenig aus dem Gleichgewicht gerät.

„Wie halten das bloß die ganzen Schafe hier aus? Und warum zur Hölle muss ich ganze vierzig Tage hier rumhängen, Vater?“ beschwert sich Tschisas mit vorwurfsvollem Blick gen Himmel.

‚Hölle‘ scheint das perfekte Stichwort zu sein. Mitten in seine Lästerei öffnet sich ein paar Meter vor ihm die Erde, begleitet von einem monströsen Grollen und Zischen. Gelbgrüner Rauch steigt auf und verbreitet einen beißenden Schwefelgeruch. Tschisas rümpft die Nase und kommentiert den Duft mit einem inbrünstigen „Pfui Teifi!“

„Jawoll, genau der bin ich“, erwidert eine sonore Bassstimme und fügt ein rauchiges „Grüß Gott!“ hinzu. Aus dem sich verziehenden Rauch zeichnen sich vage Konturen des Sprechers ab. Groß, ziemlich groß sogar und ganz schön gruselig. Mit einem gefälligen „Servus“ begrüßt Tschisas die Gestalt, die sich vor ihm protzig aufbaut.

„Brrrr ... ganz schön frisch hier oben“, meint diese. „Und höllisch hell.“ Er grinst ob seines Wortspiels. „Du verstehst? Hölle … Hell. Englisch und so?“
Tschisas zieht die Stirn fragend in Falten und bleibt ziemlich unbeeindruckt von den Small-Talk-Künsten Satans. „Egal, vergiss‘ es“.

„Das ist jetzt aber nicht dein Ernst, oder? Nur weil du mir so eine Schwefel-Rauch-Show servierst, soll ich glauben, dass du der Leibhaftige, der Satan, der Antidings bist? Ich mein‘, da könnt ja jeder daher kommen und mir so eine Story auftischen, oder?“

„Hallo? Schau mich an! Siehst du meine krassen Hörner? Siehst du meinen geilen langen Schwanz … hinten? Meine coolen Teufelsflügel am Buckel? Was glaubst du wer ich bin, hä?“

„Ja was weiß ich denn, was für ausgeflippte Freaks sich hier noch in dieser gottverdammten Wüste rumtreiben? Nur weil du lange, schiefe Zähne, einen komischen Fuß und einen langen Schwanz hast. Das muss noch gar nichts heißen. Wer weiß, ob die spitzen Dinger da auf deiner Birne überhaupt echt sind?“

„Na gut. Ich werd dir jetzt mal beweisen, wer ich bin. Ähem … wie machen wir das?“.
Luzifer grübelt und grübelt, aber sonderlich kreativ scheint er nicht zu sein.

„Verwandle dich halt in irgendwas Teuflisches, noch Hässlicheres als du jetzt schon bist, etwas was die Welt erst in ein paar Tausend Jahren ertragen kann. Dann will ich dir vielleicht glauben.“, hilft ihm Tschisas auf die Sprünge.

Schwanz, Hörner, Flügel und Pferdefuß verschwinden. Seine knallig rote Hautfarbe verblasst in ein ausdrucksloses Zartrosa. Dunkelblonde, dünne Haare wachsen auf seinem Schädel. Schwabbliges Fettgewebe sammelt sich an Brust, Oberschenkel und Arsch an. Sein muskelbepackter Körper ist weg. Ein undefinierbares Etwas präsentiert sich seinem Gegenüber.

„Na, was sachste nu?“ kommt es in widerwärtig sächsischem Dialekt aus des Teufels Munde.
Tschisas‘ Augen stehen weit offen. Seine Kinnlade hängt regungslos nach unten. Er zittert. Und das bei dieser Affenhitze! Nackte Angst hat ihn gepackt. Endlich überwindet Tschisas seine Sprachlosigkeit.

„Boah! Diese ausladenden Hüften, keine Muskeln mehr, vermutlich auch kein Rückgrat und dann diese Frisur. Wie ein Page. Kein Bart im Gesicht, keine Haare auf der ... verdammt du hast sogar Titten, ganz schön … hängende Titten. Und halt bloß deine Hände nicht so komisch wie eine Raute! Wie schwul schaut das denn aus? Mein Gott, du bist es tatsächlich. Luzi!“

„Sag ich doch, Ungläubiger!“ verkündet der Teufel voller Stolz. „Aber was beweist mir eigentlich, dass du der Sohn von ihm da oben bist, hä? Hängst zwar hier total motivationslos in der Wüste rum und meditierst dir einen runter. Das würde kein normal Sterblicher sonst tun. Doch deshalb musst du bei Leibe nicht der Auserwählte sein.“

Jetzt fordert Satan Beweise ein und deutet auf einen Geröllhaufen: „Bist du Gottes Sohn so sprich, dass diese dicken Steine hier zu Brot werden.“

„Aber Luzi, du weißt doch: der Mensch lebt nicht nur von Brot allein. Und was sollen wir beide mit so einem trockenen Keil Brot anfangen? Wir brauchen was zum Runterspülen. Einen Kelch Wein oder eine Halbe Bier. Also diesen Steine-Brot-Zirkus kannst du knicken, das mach ich nicht.“

„Ha, wusste ich’s doch, dass du’s nicht draufhast, Loser.“

„Mir doch Wurscht. Und das ganze Theater mit den Reichtümern der Welt kannst du dir ebenfalls gleich sparen und von irgend so einer dämlichen Zinne eines Tempels drüben in Jerusalem hupf ich auch nicht runter. Ich bin doch nicht blöd.“

„Mein Gott, Tschisas. Das ist aber ganz schön langweilig mit dir.“

„Ok, Vorschlag zur Güte Luzi. Ich melk uns da so ein Wüstenschaf und dann werde ich die brunzwarme Schafsmilch in ein leckeres Bierchen verwandeln. Das sollte Beweis genug sein, dass ich Gottes Sohn bin, oder? Aber bitte, verwandle dich vorher zurück. Ich ertrage deinen Anblick nicht länger.“
Kurz darauf beobachtet der Beelzebub wie Tschisas sich an dieses Schaf ranmacht. Er melkt es wirklich professionell und ohne großes Trara kredenzt er seinem teuflischen Widersacher ein feines Bier aus einem Tonkrug mit edler Schaumkrone.



„Also Tschisas, das hätt ich mir nicht von dir gedacht. Ehrlich! Ich komm aus der tiefsten, stinkenden Hölle, um dich auf die Probe zu stellen. Und du lädst mich auf ein kühles Blondes ein. Bist halt doch ein feiner Kerl. Ich glaub wir werden noch richtig gute Freunde, wir zwei.“

„Lass es dir schmecken“, prostet Tschisas ihm mit einem verschmitzten Grinsen zu.

„Aber dass du mir ja nichts reingemischt hast, gell?“ Der Satan scheint dem totalen Pazifismus Tschisas‘ nicht ganz zu trauen. Doch der Anblick des leckeren Gerstensaftes lässt selbst seine letzte Skepsis verfliegen.

„Aber geh‘ Luzi, so was würd ich niemals nicht tun.“

Warum Tschisas bei diesen Worten seine Finger kreuzt, versteht der Teufel irgendwie nicht. Ist ihm aber auch egal. Auf ex haut er sich das Bier die ausgetrocknete Kehle runter, leckt sich mit seiner ellenlangen Zunge sein Maul ab, rülpst ordentlich und grinst bis über beide Ohren.

„Teufel noch eins, war das gut! Respekt, Tschisas, das hast du wirklich drauf.“

„Wenn der Alkohol gleich in deinem Schädel angekommen ist, zeige ich dir die Schönheit dieser Welt hier oben auf dass du vor mir niederknien, mich anbeten und verehren wirst. Wahrlich ich sage dir, du wirst keinen Bock mehr auf deine Hölle mehr haben.“

„Na, dann schauma mal“, lallt Luzifer schon ein wenig.
Nur unweit der beiden, hinter einem Dornenbusch entdeckt Tschisas ein weibliches Geschöpf. „Sieh‘ nur da hinten, dieses zarte Wesen mit seiner Anmut, seiner Grazie, seinem Liebreiz. Es ist ein Teil der perfekten Schöpfung.“
„Oh ja! Boah ey! Diese Beine, Wahnsinn! Scheinen vom Boden bis in den mir so verhassten Himmel zu ragen. Ein wenig behaart zwar, aber egal. Und diese makellosen Kurven. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Einfach himmlisch. Mein Gott, diese dunklen Augen. Mir scheint, ich drohe darin zu versinken.“ Satan ist ziemlich angetan von diesem Zauberwesen. Ob das am Bier alleine liegt?

„Verdammt, jetzt reckt sie mir auch noch ihr Hinterteil entgegen. Diese Rosette! Mir schwinden die Sinne.“ Sabber rinnt ihm in Bächen aus seinem stinkenden Maul. Seine ohnehin schon rote Hautfarbe wechselt in ein sattes Purpur. Eine Erektion manifestiert sich an seinem Hinterteil, wo der meterlange Schwanz steil nach oben ragt.

„Zur Höllel! Sie kommt rüber. Sie kommt zu uns. Zu mir. Was soll ich bloß …?“ stottert Luzifer. Endlich reißt er sich am Riemen und bringt ein charmantes „Wie, wie heißt du meine Schönheit?“ zu Tage.

„Määh…“
„Sie heißt Mäggy,“ unterbricht Tschisas. „Ist sie nicht süß?“

„Süß ist maßlos untertrieben, Tschisas. Sie ist das geilste Weib, das ich jemals zu sehen bekommen habe. Sinnlichkeit, Erotik und Wollust in Reinkultur. Wie gerne würde ich meinen kleinen Luzi nur einmal in ihrer - na du weißt schon - versenken. Darf ich?“

„Aber Luzi, Mäggy ist doch so jung und noch gar nicht defloriert. Das kann ich ihr nicht …“

Der Teufel fällt Tschisas ins Wort und vor ihm auf die Knie, fleht ihn an mit gefalteten, erhobenen Klauen: „Bitte, bitte, bitte … ich tue alles, was du verlangst, alles!“

„Na gut, ich will ja kein Unmensch sein. Aber ich muss Mäggy vorher fragen. Das gehört sich hierzulande. Also Mäggy, würdest du gerne mit Luzifer eine Runde poppen?“

„Määäh!“ entgegnet sie panisch.

„Das war ein deutliches ‚ja‘, hab’s genau gehört.“ schreit Luzifer euphorisch.

„Na dann, Luzi! Gehe hin und defloriere sie.“

Luzifer umarmt seinen neuen besten Freund mit den Worten „Friede sei mit dir, Tschisas“.
Sekunden später treiben es Mäggy und Luzi wild und teuflisch mitten in der sengenden Wüstenhitze. Sie steht auf allen Vieren vor ihm und der Höllenfürst penetriert die kleine, schnucklige Mäggy von hinten wie ein Berserker. Sein höllisches Prachtstück rammt er tief in ihre Grotte, bis sie ekstatisch blökt wie ein Schaf.

„Du Tschisas, wer ist denn der Sheep-Shagger da vorne?“ ertönt es hinter dem Gottessohn, der völlig relaxt das wilde Treiben vor sich beobachtet. Er grinst süffisant zu seiner Maria Magdalena, die ihm wie jeden Tag einen Krug Wasser in die Wüste bringt.

„Das ist Luzifer, kam gerade vorhin direkt aus der Hölle zu mir und wollte mich in Versuchung bringen, der Depp. Hab ihm dann Mäggy’s Milch in Bier verwandelt, ein bisschen Gras dazu und daraufhin konnte er Mäggy’s Hinterteil nicht mehr widerstehen.“

„Jaaah!!!“

„Määäh!!!“

Letzte Aktualisierung: 22.02.2015 - 19.51 Uhr
Dieser Text enthält 9991 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2018 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.