Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Liebeskummer | Mai 2015
Abschied
von Sarina Stützer

Meine große Liebe wird mich verlassen. Ich kenne bereits das Datum. Es wird mir das Herz brechen. Und ich kann nichts, überhaupt nichts tun, um es zu verhindern.
Ich weiß noch genau, wie es mit uns anfing. Es war im April 1980, es war der 23., und ich war dreizehn Jahre alt. Es war ein Abend, den ich bis heute nicht vergessen habe. Du hast mich so dermaßen umgehauen, dass nie wieder jemand anderes eine Chance auf diesen Platz in meinem Herzen hatte. Oder haben wird.
Wir hatten so wunderbare Zeiten miteinander. Der 24. April 1982 ist mir zum Beispiel ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Es war so ein wunder-, wunder-, wunderschöner Tag, dass dessen Endorphinausschüttung mir bestimmt drei zusätzliche Lebensjahre eingebracht hat. Überhaupt die Achtzigerjahre ... eine absolut geile Zeit. Mit dir. Du warst der Größte für mich. Und immer bin ich dir treu geblieben, nur dir. Die Erinnerung an diese schönen Zeiten verstärkt die Trauer noch, die in diesen Tagen meine ständige Begleiterin ist.
Auch als die Zeiten schlechter wurden, die Routine einsetzte, habe ich an dich geglaubt. Immer habe ich zu dir gestanden, nie gezweifelt. Okay, es gab wohl doch ein, zwei Gelegenheiten, zu denen ich leisen Zweifel spürte. Ich war nicht mit allem einverstanden, was du getan hast. Ja, ich habe auch mal woanders hingeschaut. Flüchtig. Ohne große Konsequenzen. Ein Mal, in fünfunddreißig Jahren. Oder lass es zwei Mal gewesen sein. Willst du mir das vorwerfen? Niemals wäre ich aber auf die Idee gekommen, mich von dir zu trennen. Ein Leben ohne dich kann ich mir nicht vorstellen.
Letztes Jahr warst du bereits schon einmal kurz davor, mich zu verlassen. Erst in der allerletzten Minute hast du es dir anders überlegt und bist doch geblieben. Schon damals hat niemand verstanden, warum du das tust. Niemand, den ich kenne, glaubt, dass du gern weggehst. Ich war der Meinung, das sei der Tiefpunkt unserer Beziehung gewesen. Wie naiv ich war.
Wie oft hast du mir gesagt, du wirst bleiben, es sei dein größter Wunsch. Warum handelst du dann nicht danach? Warum erweckst du den Eindruck, es sei dir egal? Warum spüre ich nicht, dass du bleiben möchtest? Fragen, die du nicht beantwortest.
Auch auf meine wiederholten Fragen nach dem Warum werde ich wohl nie eine Antwort bekommen. Obwohl ich immer wieder – unaufgefordert – Antworten von Menschen bekomme, die vorgeben zu wissen, was mit dir los ist. Wobei eine Antwort von dir ja nichts ändern würde. Denn lange habe ich gezweifelt, noch länger gehofft, doch nun bin ich sicher: Du wirst gehen.
Du bist ja nicht aus der Welt, sagt mein Umfeld, will mich trösten. Wir können uns weiterhin sehen, heißt es. Aber dort, wo du hingehst, kann ich nicht hingehen, ich ertrage das nicht. Du kommst ja wieder, sagst du. Versprichst es, immer wieder. Doch du sagst nicht, wann das sein wird. Und wenn es dann irgendwann so weit ist, wird es nicht mehr sein wie vorher, es kann nie mehr wie vorher sein. Das weißt du besser als ich.

Es wird mir das Herz brechen, wenn Du absteigst. Lebe wohl, mein HSV.

Letzte Aktualisierung: 10.05.2015 - 19.41 Uhr
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