Der Tod aus der Teekiste
Der Tod aus der Teekiste
"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Anna Hoffmann IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Mein Freund, der Baum | Juni 2015
Der Liebes-Ahorn
von Anna Hoffmann

Sie zuckte zusammen, als sie vor sich einen gleißend hellen Blitz sah. Dann ein gewaltiges Donnergrollen. Nur noch ein paar Kilometer. Sie sah auf die Uhr an Ihrem Autoradio: 03:15 blickten ihr die Zahlen giftig grün entgegen. Sie war doch eigentlich zu einer christlichen Zeit von der Party weggegangen, einige aus der Clique waren noch dort. Regen prasselte auf das Autodach, die Musik hatte sie schon ausgeschaltet, um sich besser auf die Straße konzentrieren zu können. Plötzlich kam der Regen fast wie eine dunkle nasse Wand vom Himmel. Sie trat auf die Bremse und wurde noch etwas langsamer. Der Autowischer arbeitete schon auf maximaler Stufe, trotzdem sah sie fast nichts mehr. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Das Licht Ihres Scheinwerfers schien fast direkt hinter der Kühlerhaube von der Wand aus Regen verschluckt zu werden, auf Straßenbeleuchtung brauchte sie in dieser ländlichen Gegend nicht zu hoffen. Eine Sturmböe packte sie und sie riss panikartig am Lenkrad. „Sch...“ Der Wagen schlingerte, kam aber wieder in die Spur. Vor ihr wurde es wieder für einen kurzen Moment hell als irgendwo ganz in der Nähe der Blitz einschlug. Zumindest war sie noch auf der Straße, so viel konnte sie sehen. Sie fühlte sich nicht mehr sicher in ihrem Auto. Beim Gedanken das Auto zu verlassen, fühlte sie sich noch unsicherer. Der Regen prasselte mit unerbittlicher Härte auf sie ein. Wieder wurde es kurz hell und sie konnte sehen, dass vor ihr irgendetwas auf der Straße lag. Und genauso schnell wieder dunkel. Sie trat auf die Bremse, riss das Lenkrad herum. Es knallte, ihr Knopf flog nach vorne gegen das Lenkrad. Ihr wurde kurz schlecht, dann wurde alles dunkel.

„...können sie mich hören?“ Wie durch Watte drang eine Stimme zu ihr. Ein kalter, nasser Luftzug hüllte ihre linke Seite ein. Schmerzen drangen zu ihren Bewusstsein vor, wie wenn jemand mit einem Vorschlaghammer ihren Kopf bearbeitet hätte. Übelkeit und Schwindel stiegen in ihr hoch und vermischten sich mit einem Anflug von Panik. „Bitte atmen sie ruhig weiter“, sagte dieselbe Stimme, „ich habe bereits einen Krankenwagen gerufen.“ Sie stöhnte vor Schmerzen.

Es ruckelte, als sie sie auf eine Krankentrage hoben. Kalte, nasse Regentropfen trafen sie im Gesicht und auf ihrem ganzen Körper. Eine weiße Decke, viel Licht, das ihr in den Augen weh tat. Ein Krankenwagen, registrierte sie irgendwo in ihren Kopf. Eine Hand tastete nach ihren Augen, eine Taschenlampe leuchtete ihr kurz in die Augen, dann wieder weg. „Können Sie mich hören?“ eine andere Stimme jetzt, sehr routiniert. Der Wagen setzte sich schon in Bewegung. „Ja“, krächzte sie.

Alles war weiß und kalt, sie zitterte. Sie hatten sie durch viele Flure geschoben, Untersuchungen mit ihr gemacht. Ein Autofahrer hatte sie gefunden und den Krankenwagen gerufen, so viel hatte sie verstanden. „Sie haben Glück gehabt“, hatte man ihr gesagt. „Eine Gehirnerschütterung, sonst nichts gebrochen. In ein paar Wochen sind sie wieder wie neu.“ Ärztehumor. Die Schmerzen und die Übelkeit hatten etwas nachgelassen, die Medikamente wirkten bereits. Sie wollte nur noch schlafen.

„Mama, was ist das?“ „Ein Ahornbaum.“ „Wieso ist der denn so klein?“ „Weil wir ihn vor drei Jahren erst gepflanzt haben.“ „Warum?“ „Weil wir uns daran erinnern wollten, wie wir..autsch, Sch...“ Sie unterdrückte gerade noch diverse Verwünschungen über spitze Gartendrähte und steckte sich den Finger in den Mund. „War klar, da probiere ich einmal was selber zu befestigen und dann ...“ „Bitte atmen sie ruhig weiter!“ hörte sie eine vertraute Stimme hinter sich. Ihr Mann kam grinsend auf sie zu. „Ich kann das für dich weitermachen, wenn du willst – oder dir ein Pflaster holen, wahlweise – oder vielleicht eine Mund zu Mund Beatmung?“ Er spitzte erwartungsvoll die Lippen und seine Augen zwinkerten belustigt. Sie lachte und gab ihm einen Kuss. „Durch einen Ahornbaum habe ich damals deine Mutter kennengelernt,“ erklärte er in neugierig dreinblickende Kinderaugen. „Der Baum war in einem Gewittersturm auf die Straße gestürzt und deine Mutter ist mit dem Auto von der Straße abgekommen. Ich habe sie gefunden und ins Krankenhaus begleitet...“

Letzte Aktualisierung: 22.06.2015 - 07.02 Uhr
Dieser Text enthält 4145 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2020 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.