Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Allein | Dezember 2015
Fort
von Sarina Stützer

Ziellos läuft sie durch die Wohnung. Von einem Raum zum anderen. Küche, Diele Wohnzimmer, Schlafzimmer. Und wieder zurück. Zum Glück sind alle Zimmertüren offen, doch, was für sie entscheidend ist, die Wege hinaus sind es nicht. Fenster und Wohnungstür sind fest verschlossen, sie hat keine Möglichkeit sie zu öffnen. Alle Versuche in dieser Richtung sind gescheitert.
Verzweifelt wirft sie sich aufs Sofa. Er hat sie allein gelassen. Eingesperrt, ohne eine Möglichkeit zu entkommen. Und jedes Mal, wenn er weggeht, weiß sie nicht, ob er wiederkommen wird. Oder ob sie hier verhungern wird, allein und vergessen. Immerhin hat sie Zugang zu genügend Wasser, doch das ist kein Trost. Sie weiß nicht, wo er hingeht. Warum er sie allein lässt.
Leise weint sie ihre Verlassenheit in das Sofakissen. Ganz klein rollt sie sich zusammen, will verschwinden, nicht mehr da sein, wo sie jetzt ist. Und vor allem nicht mehr allein sein. Schlaf will nicht kommen, diese Art der Erlösung bleibt ihr versagt. Sie nimmt ihre Wanderung durch die Wohnung wieder auf. Ein erneuter Versuch an der Wohnungstür. Sie scheitert wieder.
Wenn er wiederkommt, wird sie ihn freudig begrüßen, trotz allem. Wenn. Wird sich darauf freuen, dass er ihren Hunger stillt, sie wird sogar seine Zärtlichkeiten genießen. Vom Stockholmsyndrom hat sie noch nie gehört.
Sie legt sich im Schlafzimmer aufs Bett. Oft schon hat sie dieses Bett mit ihm geteilt. Manchmal zwingt er sie, auf dem Sofa zu schlafen. Sie hat keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Und sie versteht nicht, warum er es tut. Sie versteht so vieles nicht von dem, was er tut.
Sie ist so unendlich traurig. Langsam stirbt ihre Hoffnung. Dieses Mal wird er nicht zurückkommen. Dieses Mal wird das letzte Mal gewesen sein, dass er fortgegangen ist.

Da! Sie hebt den Kopf. Sind das seine Schritte? Sie geht zur Tür, gespannt, wagt kaum zu hoffen. Ein Schlüssel wird ins Schloss geschoben, gedreht. Die Tür öffnet sich! Er ist zurück! Sie wird nicht verhungern, allein und unbeachtet sterben! Ihre Freude will schier überschäumen, sie ist außer sich, weiß nicht wohin mit sich vor Glück.

Er lächelt sie an und tätschelt ihr den Kopf. „Na, warst du auch brav, Luna?“ Ihr ganzer Körper ist in Schwingung, so heftig wedelt sie mit dem Schwanz. Sie hüpft um ihn herum, will ihn von allen Seiten gleichzeitig begrüßen, bellt ihre Begeisterung hinaus. Er geht zum Schrank, nimmt einen Karton und füllt ihren Napf mit Trockenfutter. Luna stürzt sich darauf, geht ganz auf in diesem Moment des Glücks. Die Welt ist wieder in Ordnung. Das Leben ist schön.

Letzte Aktualisierung: 14.12.2015 - 19.48 Uhr
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