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Heimat | Februar 2016
Katja und Miezi
von Marcel Porta

„Schau nur Mutti, wie süß die Kleinen sind.“
„Ja, Katja, sie sind wie kleine Wollknäuel.“
„Warum leckt Miezi sie denn immer ab? Geht da nicht das Fell kaputt?“
„Nein, mein Schatz, so zeigt sie ihren Kindern, dass sie bei ihnen ist und sie lieb hat.“
„Ach so, weil sie die Augen zu haben und Miezi nicht sehen können, deshalb.“
„Ja, so ungefähr.“
„Hab ich damals auch die Augen zugehabt, als ich geboren bin?“
„Nein, mein Liebes, bei Menschenkindern ist das anders. Das weißt du doch von Sebastian. Der hat die Augen auf, wenn er nicht gerade schläft.“
„Ach ja, stimmt. Aber er schläft ganz, ganz viel. Dabei würde ich manchmal so gerne mit ihm spielen.“
„Er ist ja erst drei Wochen alt, Katinka, da muss er so viel schlafen. Weil ihm das Atmen noch so schwerfällt und ihn anstrengt. Und er muss wachsen, das kostet Kraft.“
„Wächst er schneller, wenn er schläft?“
„Er wächst Tag und Nacht, und weil er ab und zu auch was trinken muss, wird er wach.“
„Hab ich damals, als ich so klein war wie er, auch bei dir getrunken? An deinem Busen?“
„Natürlich, du kleines Fragemonster, deshalb bist du ja so gesund und kugelrund.“

Doch Katja bombardiert ihre Mutter nicht nur von morgens bis abends mit Fragen - manchmal findet sie auch selber Antworten. So hat sie von ganz alleine herausgefunden, dass in ihrem Kopf eine Menge Haare sein müssen, sonst könnten sie ja oben nicht herauswachsen. Ein schlaues Persönchen!
Die Mutter kitzelt ihre kleine Tochter mit spitzen Fingern am Bauch und Katja kugelt sich vor Lachen auf dem Teppich. Die Katzenmutter wirft ihnen einen missbilligenden Blick zu und knurrt bedrohlich.

„Oh je, ich glaube, wir haben Miezi gestört.“
„Darf ich eine von den kleinen Kätzchen streicheln, Mutti? Die weiße gefällt mir sooo gut.“
„Jetzt noch nicht. Am besten lassen wir die Katzenfamilie in Ruhe. Weißt du, die Katzenmama beschützt ihre Kinder, das machen alle Mütter so.“
„Hast du mich auch beschützt, als ich noch klein war?“
„Ich hab auf dich aufgepasst wie auf meinen Augapfel.“
„Was ist ein Aufapfel?“

Das helle Lachen der Mutter perlt durch den Raum und Katja freut sich. Es ist so schön, wenn sie die Mutter zum Lachen bringen kann.
„Das ist etwas ganz besonders Wertvolles, das man um keinen Preis der Welt verlieren will.“
„So wie der Osterhase, den ich von Omi bekommen hab?“
„Ja, oder wie dein Brüderchen. Das wollen wir doch auch unbedingt behalten.“
„Mami, du, ich hab den Sebastian so lieb wie ...“ Katja überlegt angestrengt. Man sieht, wie es hinter ihrer Stirn arbeitet. „... so lieb wie unseren Molli.“
Das ist ein ungeheures Kompliment, denn der kleine Rauhaardackel Molli war bisher unangefochten an der Spitze ihrer Beliebtheitsskala. Da konnten selbst Papi und Mami nicht mithalten.

„Da, schau mal, die Miezi lässt die Kleinen trinken.“
Sofort ist Katjas Aufmerksamkeit wieder gefangen von der Katzenfamilie.
„Oh, sind die goldig. Hast du das gesehen? Die Schwarz-weiße hat gerade nach ihrem Geschwisterchen getreten. Aber das war bestimmt keine Absicht, die sehen ja noch nichts.“
„Hm, so wird es sein. Sie haben ja auch ganz zarte, feine Pfoten, da können sie sich nicht wehtun.“
„Darf ich noch ein Stück näher rangehen, Mutti?“
„Probieren wir es mal. Wir schleichen uns an wie die Indianer.“
„Au ja, gaaaanz leise.“

Die beiden kriechen über den Boden, geräuschlos ... na ja, ziemlich geräuschlos. Als Miezi die Ohren aufrichtet, halten sie inne und schauen den Kleinen beim Trinken zu.
Plötzlich gibt es ein unerwartetes Geräusch und Miezi zuckt zusammen.
„Das ist Papi, der kommt von der Arbeit. Komm, wir gehen ihn begrüßen.“
„Papi, Papi, rat mal, was wir gesehen haben!“ Katja springt ihrem Vater entgegen und lässt sich von ihm hochnehmen.
„Was hast du denn Schönes gesehen, mein Prinzesschen?“
„Erst hat die Miezi die Kätzchen aus der Küche getragen, zwischen ihren spitzen Zähnen, ganz ohne sie zu beißen, und dann …“
Alle Erlebnisse des Tages sprudeln aus ihrem Mündchen. Es bleibt kaum Zeit, um Luft zu holen. Mit den Fingern der linken Hand reibt sie an Vaters Ohr, eine Angewohnheit, die sie sich in frühester Kindheit zugelegt hat.
Endlich versiegt der Strom und sie beginnt, auf Vaters Arm zu zappeln.

„Lass mich runter und komm mit, ich zeig dir, wie wir uns als Indianer anschleichen. Dann können wir bis ganz nah an die Miezi ran. Du kannst dir abgucken, wie ich es mache.“
Obwohl der Vater müde ist und hungrig, schleicht er hinter seinem Töchterlein her. Katjas Begeisterung ist ansteckend, was bedeuten da solche belanglosen Dinge wie Ruhe und Essen! Die laufen nicht davon, doch Katja muss bald ins Bett, für sie ist es schon spät. Egal wie lebendig der kleine Racker gerade noch durch die Gegend hopst, wenn sie im Bett liegt, dauert es nur Minuten bis sie fest schläft. Ein Segen, denkt ihr Vater, und nimmt den Beobachtungsposten neben seiner Tochter ein. Während sie zusammen der Katzenfamilie zuschauen, setzt sich ein Gedanke in ihm fest: Ohne meine Familie wäre ich ein heimatloser Vagabund.

„Nicht so fest, Papi!“, beschwert sich Katja, als ihr Vater sie an sich drückt.

© Marcel Porta, 2016
Version 1

Letzte Aktualisierung: 04.02.2016 - 07.15 Uhr
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