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Das Salz in der Suppe | April 2016
Der Besuch
von Bernd Kleber

Ein Hund bellt. Ich werfe mich auf die andere Seite meiner schmerzenden Schultern und überlege, ob ich einmal auf den Wecker blinzele oder versuchen soll, erneut in die Traumwelt zu gleiten….
Mich erwartet nichts. Klar… da kann man liegen bleiben, aber irgendetwas stupst mich von innen an und meint, ich solle einen Blick auf das Zifferblatt werfen. Nur einen klitzekleinen Blick.
Zu spät… im doppelten Sinne… ich liege nach 11 noch im Bett und aus dem Blinzeln ist ein komplettes Erwachen geworden. Zeit mit dämmrigem Schlaf zu ersticken, funktioniert nicht mehr.
Diese Sonntage!
Ich erhebe mich und registriere genau, wie schwer oder erstaunlich leicht es mir fällt…. Schlurfe in die Küche, jeden Blick in den Spiegel, der immer ruft, „Sieh mich an!“, vermeidend.
In der Küche drücke ich den Knopf an der Maschine, der die vorbereitete chemische Reaktion in Gang setzt. Wasser wird erhitzt und fließt mit der Aufgabe, Aroma- und Gerb- und Giftstoffe aus dem gemahlenen Kaffeepulver zu lösen und in einer braunen wässrigen Lösung anzureichern, die in diesem Zeitalter Kaffee genannt wird.
Ab auf die Couch. Wieder in die Waagerechte? Ich bleibe sitzen und schaue auf den Vorplatz, wo sich gerade eine Meise und ein Eichhörnchen begrüßen. Ich sehe lange zu.
Das Blubbern der Kaffeemaschine deutet auf die Beendigung des Brühvorganges. Ich kann also lostraben…
Und auf dem Weg dahin, sinniere ich darüber, was ich nach dem Kaffeetrinken vollbringen werde. So sehr ich überlege, mir fällt nichts ein. Alles ist ordentlich, sauber, aufgeräumt, auch mein Leben. Es gibt keine Reibungen, keine Familie, keine Freunde, keine Feinde. Ich sehe zur Lagertür hinüber… ein merkwürdiges Geräusch hatte ich vernommen. So sehr ich mich nach Geräuschen sehne, macht mir dieses nun doch Sorgen. Mein Herz springt wie ein nervöses Äffchen in meiner Brust.
Meine Schritte lenke ich in Richtung der schweren Metalltür. Ich schiebe sie auf, es knirscht und scheppert, wie ein solches Metalltor eben scheppert. Ich greife in den Ring des industriellen Kippschalters und ziehe ihn nach unten. Reihe für Reihe der Lagerregale wird mit flackerndem surrendem Neonlicht erhellt.
Ich halte den Atem an…. Und blicke in zwei Augen… Augen klein und schwarz. Sie sitzen hinter einer langen Nase, an deren Ende Barthaare zittern… eine Maus! Puhhhh….
Menschen brauchen Gesellschaft. Gedanklicher Austausch ist das Salz in der Suppe des Lebens, denke ich.
Ich lächele, lasse die tapfere Maus davon huschen.
Wenn ich nur wüsste, was vor genau 24 Jahren passiert ist, als ich Sonntagmittag erwacht war und nach und nach festgestellt hatte, dass ich der einzige Mensch auf Erden bin….

Letzte Aktualisierung: 17.04.2016 - 15.20 Uhr
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