Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Das Salz in der Suppe | April 2016
Kein Salz für Böckelhauer
von Klaus Freise

„Gibst du mir bitte mal das Salz rüber?“
„Nein!“
Herrmann Böckelhauer ließ die Frankfurter Allgemeine langsam sinken und starrte seine Frau Mechthild irritiert an.
„Bitte, wie war das?“, fragte er mit zusammengezogenen Augenbrauen.
Mechthild verdrehte die Augen und seufzte:
„Herrmann, ich meine, sieh dich doch mal an. Du kannst doch nicht jeden Sonntag zwei Eier essen, mit Salz. Denk doch mal an dein Cholesterin. Der Arzt hat dir gesagt, du sollst auf deinen Blutdruck achten. Du hast Übergewicht, bist kurzatmig, schnarchst und verweigerst jede Form von Vitamin.“
„Ich schnarche?“, blaffte er zurück, immer noch verwirrt, über die Vorhaltungen seiner Frau. Herrmann schnappte nach Luft und sein Gesicht lief langsam rot an. So etwas hatte er in zwanzig Ehejahren noch nicht gehört.
Mechthild ließ sich nicht unterbrechen.
„Außerdem könntest du Zucker bekommen.“
„Ich will keinen Zucker, sondern das Salz.“ Jetzt war Herrmanns Stimme mit ersten schrillen Zwischentönen durchsetzt.
„Und ich … ich schnarche nicht“, schrie er über den Küchentisch. Was war den plötzlich in seine Frau gefahren? Doch die fuhr ungerührt fort:
„Du wirst wieder cholerisch, Schatz. Natürlich schnarchst du, mich wundert nur, dass die Nachbarn sich noch nicht beschwert haben.“
Herrmann ignorierte das Rauschen seines Blutes in den Ohren, mit zitternden Händen umklammerte er die Tischplatte.
„Herrgott, Mechthild, hast du sie noch alle. Was soll den der …,“ er bekam keine Luft mehr. Seine Frau lehnte sich im Stuhl zurück und sagte mit leicht schief geneigtem Kopf:
„Ach ja, mit Sex sieht es ja ganz übel aus, seit dem du diese neue Sekretärin hast. Wie hieß Sie doch gleich?“ Ihr Mann stemmte sich mühsam an dem Tisch hoch.
„Mechthild … ich …“ Er zerrte am Kragen seines frisch gestärkten Hemdes.
„Nein, Mechthild heißt Sie bestimmt nicht.“ Seine Frau zog eine Augenbraue hoch und schüttelte den Kopf.
„Mein Gott Herrmann, wie konntest du mir das nur antun, nach all den Jahren.“
Herrmann begann zu schwanken und fasste sich an die Brust. Hustend brachte er hervor:
„Mechthild, ich … ich werde …“ Dann stürzte sein massiger Körper ins Frühstücksbüffet.
„Sterben,“ vollendete sie den Satz. Das kleine Salzfässchen rollte über die Tischkante und zerplatzte auf dem Küchenboden.

Letzte Aktualisierung: 17.04.2016 - 18.55 Uhr
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