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Das Salz in der Suppe | April 2016
Kochen wie bei Oma
von Nils Dürr

Sie war etwas nervös, als sie an seine Tür klopfte. Würde es wie bei all den anderen klappen? Wie würde es diesmal sein? Würde es sich noch immer so gut anfühlen? Als die Tür aufging und er sie anlächelte wusste sie, es würde klappen.

"Hi, ich bin Marie, hättest du etwas Salz für mich?" Verspielt wickelte sie eine ihrer Locken um den Finger und schenkte ihm einen Augenaufschlag. "Klar, war gerade einkaufen. Komm doch kurz rein. Sorry das es hier etwas unordentlich aussieht, aber mein Mitbewohner... Ich heiße übrigens Fabian." Natürlich hatte er Salz, schließlich hatte sie bei Penny gewartet und sich den 6. Studenten ausgesucht der Salz kaufte. Marie sorgte dafür das sie ihn wie zufällig berührte, als sie seine Wohnung betrat. Es war die typische Studentenwohnung. Als Fabian aus der Küche zurückkam begann Marie zu weinen. So stark, dass es sie schüttelte. Ihr war klar das er der Typ Kerl war, der sofort einen Beschützerinstinkt für sie entwickeln würde. Und tatsächlich, vorsichtig kam er näher, zögerte kurz, dann legte er ihr eine Hand auf die Schulter und fragte: "Hey, was'n los. Ist was nicht ok?" Sollte es tatsächlich so gut funktionieren?

Maries Herz klopfte und sie spürte wie das Adrenalin ihre Sinne schärfte. Unter Schluchzen sagte sie: "Es ist einfach zu viel. Ich wollte immer SoWi studieren. Im Abi war ich da auch richtig gut, aber jetzt merke ich das es mir nicht liegt. Einfach zu viel Stoff. Mein Vater sagt wenn ich das jetzt abbreche, dann bekomme ich keine Unterstützung mehr und fliege zuhause raus." Zunächst unschlüssig, aber als sie sich nicht dagegen wehrte sondern sich an ihn schmiegte entschlossener, nahm Fabian sie in die Arme. Vorsichtig streichelte er über ihre Haare. Marie vergrub ihr Gesicht an seiner Brust und mit tränenerstickter Stimme sagte sie: "Es ist so einsam hier. Alles ist so groß und fremd. Bei uns auf dem Dorf war alles viel einfacher."

Fabian hatte sie unterdessen zu einem alten Sofa im Wohnzimmer geführt. Bevor er sie neben sich auf die Couch zog, schob er noch verstohlen die Controller von seiner PS4 zur Seite. Es lief wie sie es erhoffte. Vorsichtig schob sie ihre Hand seinen Oberschenkel rauf. Als sie merkte wie er daraufhin anfing schneller zu atmen, sah sie ihn an und hauchte: "Du bist so süß. Danke das du mich einfach so tröstest. Ich möchte mich dafür bei dir revanchieren." Marie begann Fabian zu küssen. Sofort erwiderte er ihre Küsse. Sie war ihrem Ziel jetzt schon sehr nahe. Während sie die Arme um seinen Hals schlang, küsste sie ihn weiter. Gleich würde der entscheidende Moment sein.

Der Moment war JETZT. Blitzschnell ließ Marie die versteckte Spritze aus ihrem Ärmel rutschen. Fabian schrie kurz auf als die Nadel sich in seinen Nacken bohrte. Unbarmherzig drückte Marie den Stempel der Spritze schnell nach unten. Sie merkte wie Fabian in sich zusammensackte. Wenig zärtlich schob sie ihn zur Seite. Bewegungslos aber mit aufgerissen Augen starrte er sie an. "Ach du Dummerchen" flüsterte sie ihm zu. "Ich habe nie SoWi studiert. Meine Doktorarbeit wollte ich in der Anästhesie machen. Ich war gut. Sehr gut sogar. Zunächst experimentierte ich an Ratten mit verschiedenen Sedativa und Muskelrelaxantien, bis ich eine Mischung hatte die sofort handlungsunfähig macht und den Patient wach lässt. Und wenn mein Professor mich hätte machen lassen, dann wären auch die Versuche mit einigen Kommilitonen gut verlaufen... Aber er hat es abgebrochen und mich aus dem Studium geworfen." Marie ballte ihre Faust. "Später hat er die Mischung selbst veröffentlicht." Sie hielt kurz inne und holte tief Luft. "Aber ich werde mich nie wieder ausnutzen lassen, weil jemand meint ich wäre schwach und hilflos" stieß sie hervor. "Hörst du. Von niemandem!"

An Fabians Augen konnte sie erkennen, wie er verzweifelt versuchte herauszufinden, wie er aus dieser Situation entkommen könnte. Wie ein gehetztes Tier schaute er sich um. Nun, er würde bald eher vor Entsetzen starren, dachte Marie. Sie ging ins Bad und drehte das Wasser in der Badewanne an. Während sie darauf wartete das sich die Wanne füllte, zerrte sie Fabian wie einen nassen Sack ins Bad. Langsam zog sie ihn aus. Danach schlüpfte sie aus der Wohnung um ihre Tasche aus dem Treppenhaus zu holen, die sie unter Treppe versteckt hatte.

Wieder zurück im Badezimmer packte sie eine Mehrfachsteckdose aus und mehrere Tauchsieder. Diese tauchte sie alle vorsichtig ins Badewasser. Als sie fertig war gab sie Fabian eine erneute Injektion. "Nicht das du mir plötzlich wieder zu Kräften kommst" sagte sie. Anschließend zog sie sich bis auf die Unterwäsche aus. "Ich muss dich leider enttäuschen Schätzchen" sagte sie zu Fabian gewandt, "aber das ist nicht für dich. Reine Vorsichtsmaßnahme. Falls dein vorhin erwähnter Mitbewohner nachhause kommt, sage ich ihm einfach, ich sei deine neue Freundin und wir würden uns gerade ein romantisches Bad vorbereiten".

Es dauerte über eine Stunde bis das Wasser in der Wanne anfing zu sprudeln. Marie hatte Fabian zwischendurch noch mehrere Injektionen verabreicht. Jetzt ging sie in die Küche. Irgendwo musste er seine Einkäufe ja verstaut haben. Wo war nur das Salz? Sie öffnete mehrere Küchenschränke. Ach, da war es. Mit dem Paket Salz kam sie ins Bad zurück. Mittlerweile sprudelte das Wasser in der Wanne sehr stark. Marie entfernte die Tauchsieder. Sie wandte sich Fabian zu und sagte: "So, jetzt bin ich gleich fertig. Es wird unvergesslich werden. Naja, zumindest für mich." Sie lächelte. "Hier, eine letzte Gabe von meinem Wundermedikament. Nicht das du zuguter Letzt noch das Rezept störst."

Mit einiger Anstrengung hievte sie Fabian auf den Rand der Badewanne. "Du warst tatsächlich echt nett" seufzte sie, dann ließ sie ihn in die Badewanne gleiten. Rasch färbte sich seine Haut rot. Seine Augen weiteten sich. Hektisch bewegten sie sich hin und her. Es begannen sich schon erste Blasen auf der Haut zu bilden. Seelenruhig griff Marie nach dem Paket Salz und schüttete die ganze Packung in die Wanne. Fabians Augen zuckten schreckgeweitet hin und her. Sie konnte am pulsieren seiner Halsschlagader sehen wie sein Herz raste. Fabians Haut begann sich mittlerweile schon weiß zu verfärben. Marie spürte eine Euphorie in sich, die sie schon kannte. So hatte es sich bei den anderen 5 auch angefühlt.
Es war die Entschädigung für all die Demütigungen durch all die Männer in ihrem Leben. Keiner hatte sie ernst genommen. Alle hatten sie nur für schwach gehalten. Zuletzt ihr Professor an der Uni. Sie hatte sehr fleißig gearbeitet, um eine erfolgreiche Doktorarbeit mit ihren Forschungen schreiben zu können. Als Professor Liebig sie rauswarf aus seiner Arbeitsgruppe, hatte er ihr noch gesagt: „Tja Marie, so ist das Leben. Ich lasse mir doch nicht von einer kleinen, unbedeutenden Doktorandin die Lorbeeren stehlen.“ Oh, wie sie den Kerl hasste. Vor allem weil er sie noch zwei Wochen vorher verführt hatte. Ihm konnte sie nichts tun, noch nicht, aber sie konnte an nTypen, die ihm ähnlich waren üben, bis sie so weit war es IHM heimzuzahlen.

Als kleines Mädchen hatte sie immer nach Streit mit ihrem Vater oder ihrem großen Bruder bei ihrer Oma gesessen. Diese hatte sie immer getröstet. Einmal hatte sie ihr eine Suppe gekocht. Marie lief immer noch das Wasser im Mund zusammen wenn sie an dieses Erlebnis dachte. Es war ein so wohliges Gefühl gewesen. Bei Oma hatte sich Marie immer sicher und verstanden gefühlt. Und Oma hatte immer gesagt, dass in eine gute Suppe eine entsprechende Prise Salz gehört. Dieses Gefühl hatte sie lange gesucht. Aber all ihre Versuche Anerkennung oder Geborgenheit zu finden waren gescheitert, bis sie das erste Mal selber eine Suppe wie heute gemacht hatte.


Aus der „Rheinische Post“:
Düsseldorf - Wie die Polizei bekanntgegeben hat wurde in einem Wohnheim der Heinrich Heine Universität der 24 jährige Maschinenbaustudent Fabian H. tot in der Badewanne seiner Wohnung aufgefunden. Die Leiche des jungen Mannes war Montag den 18.04.2016 von seinem Mitbewohner Daniel E. entdeckt worden. Nach Angaben von Daniel E. habe er Fabian H. zuletzt am 15.04.2016 gesehen. Daniel E. sei über das Wochenende nachhause gefahren. Nach Angaben der Polizei wird von Mord ausgegangen. Zu möglichen Spuren, Verdächtigen oder Motiven gibt es laut Angaben der Polizei bisher noch keine ausreichenden Erkenntnisse.

Letzte Aktualisierung: 27.04.2016 - 23.07 Uhr
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