Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Der verzauberte Wald | Mai 2016
Der Lehrpfad des Königs
von Klaus Freise

König Edard ohne W hatte es nicht leicht. Sein Königreich war ihm durch den Fluch einer Wahrsagerin abhanden gekommen, und der Versuch es durch das Fällen einer Blutbuche zurückzuerlangen, war kläglich gescheitert.
Nun ritt er durch den Wald, nur begleitet von seinen Hofnarren, „nennt mich Kaspar“ , der fröhlich vor sich hin sang wobei seine Mütze mit den drei Glöckchen munter schellte.
„Im Wald da sind die Räu-ber-her und das wird für den König immer teu-re-her.“
„Kann er diesen Singsang mal unterbinden, er beginnt mich zu enervieren.“
Der Narr trippelte mit seinem Pony, dessen Größe auf ihn vorzüglich abgestimmt war, zum König.
„Oh, mein Herrscher ohne Reich, ich wollte Euch nur ein wenig aufheitern. Aber ich sehe schon an eurer ach so finsteren Miene, wie ihr einen wahrhaft königlichen Plan ersinnt. Ja, ich kann förmlich hören, wie euer mechanisches Gehirn …“
Da hielt der König ruckartig sein Pferd am Zaume und sein edles, verschwitztes und hochrotes Antlitz wandte sich dem Kaspar zu.
„Jetzt ist es aber genug. Durch seine bodenlose Dummheit ist sein König erst in diese vermaledeiten Situation geraten. Sage er lieber, was uns hier erwartet und zwar zügig, bevor ich die Geduld mit ihm verliere.“
Der Narr sah mitleidig zu seinem Herrscher auf und sprach demutsvoll:
„Oh, wie liebe ich eure leeren Drohungen, am Anfang, in der Mitte und am Ende eurer Phrasen. Nun, wenn ich den genialen Plan seiner Majestät mal kurz komplettieren dürfte. Wir reiten durch den finsteren Dunkelwald und umgehen so das berühmte „Matsch- und Saugmoor“, dabei vermeiden wir jeglichen Kontakt mit Ogern, Waldelfen, Feen, Orks und Morks und andere Waldbewohner. Mit etwas Glück und geringen Verlusten erreichen wir die Lichtung, auf der die Wahrsagerin ihre Hütte hat. Ihr leistet ganz reuevoll Abbitte, bekommt das Herrschereich zurück und eure paar Untertanen klatschen huldvoll in die Hände. Vorhang.“
Der König auf seinem Ross legte die Hand ans Kinn und sinnierte:
„Herrscherreich zurück? … huldvoller Beifall? Ja, ich denke das nehmen wir, allerdings würde ich nochmal den Teil mit der reuevollen Abbitte hören.“
Kaspar seufzte und sein Pony schnaubte. Der Narr wedelte mit der Hand.
„Na, an dem Teil arbeite ich noch, nur Geduld mein Fürst.“
Inzwischen waren sie am Waldrand angelangt und nur ein schmaler Pfad führte durch den dichten, düsteren, fürchterlich finsteren Dunkelwald. Legenden und Sagen verwoben sich hier zu einem Gespinst aus Dichtung, Wahrheit, Lüge, Übertreibung und Hörensagen.
Der König ließ huldvoll dem Narren den Vortritt. „Nur zu, er findet sicher den rechten Weg, eile er sich, auf das sein König das Reich zurückerlange.“
„Ja, ja“, murmelte der Narr. „Zwerge und Kinder zuerst.“
Der Pfad war schmal und das Dickicht dicht. Dornen reckten ihre Spitzen den beiden entgegen, doch nach einer Weile wurde der Weg breiter und das Unterholz lichtete sich ein wenig.
Kaspar hob die Hand und blieb stehen.
„Hier mein König, erinnert ihr euch? Die erste Saujagd. Mein König mit der Lanze bewaffnet jagte das wilde Schwein, ach das waren noch Zeiten.“
Der König sah sich um und sein Antlitz erhellte sich
„Aber ja, ich spießte den größten Eber des Waldes auf und ähem…“
„Genau“, ergänzte der Narr. „Eure Leibwache mit den goldenen Rüstungen schepperte gegen jeden Baum und nur der taube, halbblinde Eber blieb stehen. Er steht jetzt in der Scheune eures Palastes und die Holzwolle guckt raus.“
Etwas betreten ritt der König weiter und plötzlich wurde der Blick frei auf eine Bergflanke, auf der nur noch verkohlte und abgeknickte Baumstümpfe standen.
„Nanu, was ist denn hier passiert“, sprach seine Majestät erstaunt.
„Nun, my Lord. Hier hat Igor Snatzbotzki, erster königlicher Drachreiter, auf seinem Nordischen Dornenkopf mit 1,8 Promille die Kurve nicht gekriegt.“
Der König hob die Hand. „Genau, ich erinnere mich. Es ging damals durch sämtliche Schriftrollen. Ich wusste gar nicht, dass Igor der Trunksucht anheimgefallen war.“
„Ähem … nicht Igor, my Lord. Nein, der Drache war hackevoll. Ihr hattet beim letzten Gelage ungefähr zweihundert Fässer Wein in den Burggraben kippen lassen. Nun, der Drache soff aus dem Graben und den Rest kennt ihr ja.“
Der König nestelte am herrschaftlichen Kragen.
„Äh, und was wurde aus Igor?“
„ Er emmigrierte in den Osten des Landes, promovierte dort und brachte einige Schriften heraus, zum Beispiel: „Schuppenplage- Drachpflege-Mittel für den Hausgebrauch“ oder „Kurventechniken in Rückenlage für Fortgeschrittene“ und „Drachen selber machen“.
Seine Majestät winkte ab.
„Ja, ja, wollte sich nur produzieren, der Kerl. Aber jetzt gibt es keine Drachen mehr?“
Das Pony schnaubte und der Narr seufzte:
„Ihr habt ein neues Einwanderungsgesetz für Drachen und deren ungeborene Eier erlassen. Außerdem eine Flugverbotszone über der königlichen Tannenschonung verhängt. Tja, damit hatten die Drachen die Nase voll vom Königreich.“
Schweigend setzten sie ihren Weg fort.
Alsbald gelangten sie an einige Schilder und Holzgeräte.
Bevor der König fragen konnte, war der kleine Kerl vom Pony gehüpft und lief zum ersten Holzgestell, dabei klatschte er mit kindlichen Vergnügen in die Hände.
„Ah, ein Pfad für die körperliche Ertüchtigung, los, lasst es uns versuchen, mein Landesvater.“ Dann hatte er auch schon ein Holzstück vom Stapel genommen, hielt es über den Kopf und begann Kniebeugen zu machen.
Entgeistert starrte der König seinen Untertanen an.
„Ja, ist er denn von Sinnen? Hier rumzuturnen, wo es doch gilt, den königlichen Anspruch durchzusetzen. Auf jetzt.“
Beleidigt hopste den Narr wieder auf sein treues Reitgetier.
Gerade als durch die Bäume die Lichtung zu erspähen war, gab der König seinem Pferd die Sporen und überholte den Narren. Dabei bog er einen Ast zur Seite, der dem Kaspar mitten ins närrische Antlitz klatschte. Daraufhin verließ dieser rücklings sein Pony und äußerte:
„Au feiffe, ihr habt mir einen Fneidefahn aufgeflagen. Daf f war gemein.“
Doch der König, schon fast auf der Lichtung, rief nur:
„Soll er doch aufpassen und nicht wehklagen. Überhaupt, kann er nicht deutlich reden?
Jetzt her mit ihm, dort ist die Hütte der Wahrsagerin. Eile er, den König und sein Begehr bei der Dame anzukündigen.“
Mühsam trottete Kaspar auf dem Pony am König vorbei, wobei er vernehmen ließ:
„Ganf gemein war daff, jawohl.“
Dann verschwand der Narr in der Hütte und der König wartete auf seine Rückkehr. Und wartete …
Gerade als der Faden der Geduld beim Herrscher zu reißen drohte, öffnete sich die Tür, und der Narr bestieg sein Tier, trappte mit einem Papier in der Hand zu seinem König.
Kaum angelangt rief Kaspar:
„Die Frau fickt mich, ich foll euch dief geben …“
Aber der Herrscher errötete ob dieser Worte und unterbrach seinen Untertan:
„Was er mit dem Weibe getrieben hat tut hier nicht zur Sache. Gebe er her den Zettel.“
So nahm Edard ohne W, Herrscher ohne Reich, den Zettel, entfaltete ihn und las:

HEUTE RUHETAG








Klaus Freise Version 2

Letzte Aktualisierung: 22.05.2016 - 23.05 Uhr
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