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Walsers "fliehendes Pferd" im Film, Michael Ondaatje 16.09.2007
"'Ein fliehendes Pferd': Das ist, im Buch wie Film, ein Kammerspiel vor Seelandschaft" - Jochen Hieber hat sich für die "FAZ" die aktuelle Walser-Verfilmung angesehen. Ebenfalls Thema: der Schriftsteller Michael Ondaatje.

"Wie er das fliehende Pferd fing" - Jochen Hieber in der "FAZ" über die aktuelle Walser-Verfilmung:

Kathrin Richter und Ralf Hertwig haben das Drehbuch zur neuen Verfilmung verfasst. Sie haben dabei auf eine naheliegende, weil beim herrschenden Fitnesswahn höchst aktuell gebliebene Marotte des Paares Helene und Klaus verzichtet. In Walsers Novelle trinken die beiden ausschließlich Mineralwasser, essen stets nur einen Salat und dann ein blutiges Steak. Selbstverständlich rauchen sie nicht und verabscheuen jedweden Alkohol. Und selbstverständlich sind Helmut und Sabine Halm in allem das Gegenteil, mithin eher übergewichtig, zu lethargisch und zu rotweinliebend. Die Entscheidung der Drehbuchautoren, beide Paare von vornherein gleichrangig zu behandeln, also Laster und Liebenswürdigkeiten in etwa gerecht zu verteilen, nützt der Filmhandlung bis zum Ende und beschert ihr zudem einige Szenen von trefflicher Komik.
Unter Walsers Büchern ist „Ein fliehendes Pferd“ das wohl zeitloseste: Zwei Paare in wahlverwandter Anziehung und Abstoßung. Das macht den Stoff auch heute reizvoll, wobei, wie der Produzent der neuen Verfilmung, Rikolt von Gagern, auch gerne einräumt, die Konzentration der Handlung auf vier Figuren zudem erhebliche Kosten spart - Komparsen werden nur in höchst bescheidener Anzahl benötigt, aufwendige Kulissen oder Nachbauten für Massenszenen entfallen. „Ein fliehendes Pferd“: Das ist, im Buch wie Film, ein Kammerspiel vor Seelandschaft. Ulrich Noethen ist Helmut, Katja Riemann spielt Sabine, Ulrich Tukur gibt Klaus - und Petra Schmidt-Schaller hat als Helene ihre erste größere Rolle.

"Die englischen Patienten des Michael Ondaatje" - Wieland Freud hat für "DIE WELT" mit dem Schriftsteller gesprochen:

WELT ONLINE: Sind Sie schon mal gescheitert? Ondaatje: Ja, durchaus. Oft setzt man sich in dem Buch, das man gerade schreibt, mit Problemen auseinander, die man im Buch zuvor nicht wirklich hat lösen können. Oder man hat im vorherigen Buch eine Tür aufgestoßen, durch die man dann doch nicht gegangen ist. In meinem Roman „In der Haut eines Löwen“ gibt es eine Szene, in der der Millionär Ambrose Small vor seinem Verschwinden redet und redet und redet. Ich wusste damals nicht recht, wie ich das schreiben sollte. Im „Englischen Patienten“ kehrt diese Situation dann wieder und wird ein ganzer Roman. Jedes neue Buch ist der Versuch, etwas noch Schwierigeres zu tun. Und jedes Buch ist schwieriger zu schreiben als das zuvor.
WELT ONLINE: „Der englische Patient“ hat Sie reich und berühmt gemacht. Würden Sie auch ohne diesen Erfolg so riskante Bücher wie „Divisadero“ schreiben?
Ondaatje: Spannende Frage. Ich bin mit Kleinverlagen groß geworden. Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Wenn man dann Erfolg hat, macht einen das einerseits frei, das zu tun, was man tun zu müssen glaubt. Andererseits fühlt man sich dem großen Publikum verpflichtet. Die Gefühle sind also gemischt. Der Erfolg hat mich in die Lage versetzt zu tun, was ich will. Letzten Endes aber hätte ich „Divisadero“ wohl so oder so geschrieben – berühmt oder nicht.
WELT ONLINE: „Menschen, deren Sprache es historisch gesehen nicht war, haben das Englische übernommen oder es sich zu Herzen genommen.“ Das hat der Englisch schreibende indische Autor Vikram Seth gesagt. Haben Autoren wie Sie, Seth oder Rushdie die englische (oder kanadische oder amerikanische) Nationalliteratur in eine englischsprachige, tatsächlich aber transnationale Literatur verwandelt?
Ondaatje: Man behauptet das, aber letztlich weiß ich nicht, ob zu Recht. Rushdies Roman „Mitternachtskinder“ (1981 erschienen, d. Red.) hat die englische Literatur verändert. Vor ihm jedoch gab es bereits einen Autor namens G.V. Desani, der einen Roman mit dem Titel „All about H. Hatter“ geschrieben hat (1948, d. Red.). Das war der erste indische Roman, der auf die englische Literatur wie ein Paukenschlag gewirkt hat. Und vielleicht ist das ja das Großartige an der englischen Literatur: dass sie für alle Klangfarben offen ist. Es gab eine Zeit, da waren die besten englischen Autoren Iren: Synge, Yeats, Oscar Wilde, Joyce, Beckett. Oder denken Sie an Joseph Conrad, den Polen.
WELT ONLINE: Ist das der englischen Sprache vorbehalten? Oder werden im Prozess der Globalisierung auch andere europäische Literatursprachen transnational?
Ondaatje: Ich habe nicht das Recht, etwa über die deutsche Sprache zu spekulieren. Ich würde aber hoffen, dass beispielsweise türkische Migranten einen Einfluss auf sie haben. Vermischung ist gesund. In einem Gedicht von William Carlos Williams findet sich die Zeile: „The pure products of America go crazy.“

Quelle: Börsenblatt online

Links zu dieser Meldung:
www.boersenblatt.net
www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~EFB51E1142EF144CA954DF4F5FAEF0486~ATpl~Ecommon~Scontent.html
www.welt.de/kultur/article1181612/Die_englischen_Patienten_des_Michael_Ondaatje.html

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