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Presseschau: Erwachsenenliteratur, Ezra Pound und Martin Mosebach 11.11.2007
Warum der schönste erste Satz von Günter Grass stammt und warum Kinder ein ganz anderes Literatur-Empfinden haben, beschreibt Arno Widmann in der Frankfurter Rundschau. Weitere Themen: Ezra Pound und Martin Mosebach.

"Kindermund" - Arno Widmann schreibt in der Frankfurter Rundschau über die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern, wenn es um Literaturempfinden geht:

"Ilsebill salzte nach" ist Erwachsenenliteratur, also Journalistenschulenprosa. Kinder aber lesen nicht nur die Buchstaben. Sie folgen einem Klang, einer Melodie. Sie wollen sich bewegen lassen. Sie scheinen sich auf das Komma zu freuen, weil sie dahinter das Abenteuer wittern. Die Erwachsenen dagegen wollen abhaken, hinter sich bringen. Sie fürchten das Abenteuer und die Musik.

"Die Dummheit der Avantgarde" - Wieland Freund berichtet über den amerikanischen Dichter Ezra Pound im Irrenhaus:

Es gibt eine Dummheit der Kunst; es kann einen das Grausen anpacken, wenn man ihr begegnet. Zu Ezra Pound etwa, dem Paradiesvogel der klassischen Moderne, kommt man nur mit einer Geisterbahn, die gar nichts jahrmarktmäßiges hat. Nicht einmal tragisch kann man Pounds Scheitern nennen: In den Vierzigerjahren verbreitete der damals im italienischen Rapallo lebende amerikanische Dichter über Radio Roma antiamerikanische und antisemitische Hetzreden. Pound schien, schrieb George Orwell später, "nicht sonderlich stark für die Nazis ... zu sein, ... sein wahrhaft treibendes Motiv war der Hass auf Großbritannien, Amerika und 'die Juden'. Seine Radiosendungen waren ekelhaft. Ich kann mich an mindestens eine erinnern, in der er das Massaker an den osteuropäischen Juden guthieß und die amerikanischen Juden 'warnte', sie seien nun auch bald an der Reihe."

"Weniger Demokratie wagen" - Albrecht von Lucke schreibt in der taz über Martin Mosebachs Ressentiment gegen 1968:

Mit seiner umstrittenen Büchnerpreisrede hat der Schriftsteller Martin Mosebach kein Tabu gebrochen, im Gegenteil. Der Mosebachsche Kurzschluss vom jakobinischen Tugendterror zur nationalsozialistischen Vernichtungspolitik wurde erst möglich, weil der Autor dafür, wie Christian Semler in der taz anmerkte, latenten Rückenwind verspürte. Mosebachs Rede erweist sich als hochgradig anschlussfähig an zwei längst vorfindliche Diskurse - nämlich über "68" und die sogenannte Neue Bürgerlichkeit. "Die Kunst an die Macht' ist eine phantasieanregende Devise, aber bitte nicht die Künstler", heißt es in der Preisrede. Unschwer ist zu erkennen, dass es sich dabei um eine Anspielung auf den 68er-Leitspruch "Die Phantasie an die Macht" handelt. Mosebach trifft sich hier mit Rüdiger Safranski, der in seiner aktuellen und viel gelobten Ode auf die ästhetische Romantik als "deutsche Affäre" vor deren Umschlag ins Politische warnt - zuletzt sei dies, so die These, im Jahre 1968 geschehen. Mosebach geht noch erheblich über diese bereits fragwürdige Analogie hinaus. Indem er seinerseits Büchners radikal-demokratische Kritik an der wohlhabenden Bourgeoisie, der "Geldaristokratie" (Büchner), scharf kritisiert, erkennt er gerade nicht im Romantischen, sondern im Anspruch auf gesellschaftliche Gerechtigkeit den Ursprung für die totalitäre Gefahr. "Freiheitskämpfer", so seine Folgerung, "pflegt man seinesgleichen (nämlich Büchner) gedankenlos zu nennen." Denn, so Mosebach, vom Kampf Saint Justs - oder, nimmt man seine Anspielung ernst, auch der 68er - für gesellschaftliche Gleichheit ist es bis zum Massenmord à la Himmler nur noch ein Katzensprung. Unter der Hand wird so aus einer Kritik der "Phantasie an der Macht" eine Radikalabrechnung mit der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit. Mit dieser Invektive steht Mosebach nicht allein. Ganz in demselben Geiste argumentiert Hans-Olaf Henkel in seiner jüngsten Streitschrift "Der Kampf um die Mitte".

Quelle: Börsenblatt online, www.boersenblatt.net

Links zu dieser Meldung:
www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1239727&sid=a01d7aa8eb560365eec777c0ea77694b
www.welt.de/welt_print/article1341696/Die_Dummheit_der_Avantgarde.html
www.taz.de/nc/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2007%2F11%2F08%2Fa0075&src=GI&cHash=711b2df2bb

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