Burgturm im Nebel
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Das E-Book-Rennen im Buchhandel ist eröffnet 19.10.2008
Mit der Ankündigung, den Sony Reader PRS 505 ab Frühjahr 2009 zusammen mit mehreren Tausend E-Book-Titeln im deutschen Buchhandel anzubieten, haben Libri, Thalia und Sony das Rennen um das E-Book-Geschäft in Deutschland eröffnet. Der Reader soll jedoch nicht nur in den 240 Thalia-Filialen angeboten werden, wie Libri-Geschäftsführer Pascal Zimmer Börsenblatt online sagte, sondern prinzipiell in jeder Buchhandlung, die mit Libri zusammenarbeitet. Was dieses Geschäftsmodell für die Branchenlösung libreka! bedeutet, die ebenfalls im ersten Halbjahr 2009 in den E-Book-Vertrieb einsteigen will, ist noch offen und wird seit gestern lebhaft diskutiert.

Ziemlich sicher ist, dass ab Frühjahr 2009 mehrere Anbieter um die Gunst der E-Book-Käufer buhlen werden: Libri im Verbund mit Thalia und Sony, libreka! als unabhängige Branchenplattform und möglicherweise auch schon Amazon mit dem Kindle. Der US-Online-Händler schweigt zwar noch zum Zeitpunkt der Markteinführung. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass der Kindle mit einem veränderten Vertriebskonzept auf den deutschen Markt kommt, hieß es auf Nachfrage.

In der Kooperation mit Libri und Sony spielt Thalia die Rolle eines Premium-Partners, wie Michael Wetzel (Thalia / Gondrom) im Gespräch mit dem Börsenblatt bestätigte. In 170 Thalia-Filialen soll der Sony Reader an Verkaufsdisplays präsentiert werden. Dazu werde das Personal intensiv geschult, sagte Wetzel, entsprechende Trainer stünden in ausreichender Zahl zur Verfügung.

Da Libri auf seiner Großhandelsplattform Libri.Digital sowohl den Reader als auch den gesamten E-Content bereit hält, kann theoretisch jeder Buchhandelspartner von Libri Gerät und Titel beziehen, in seiner Buchhandlung verkaufen und – wenn er es möchte – auch präsentieren. Die 170 (oder 240) Thalia-Filialen dienen Sony und Libri dabei als Motor, der eine möglichst schnelle Marktdurchdringung bewirken soll.

Während die Sony Reader in den Geschäften verkauft werden, wird die kombinierte Lösung aus Lesegerät und Content über die Website der jeweiligen Buchhandlung angeboten. Um E-Books auf dem Sony Reader zu lesen, müssen sie zuvor aus dem Internet auf den PC geladen werden.

Für Sony ist der Buchhandel eindeutig der exklusive Partner für den Vertrieb des PRS 505, sagte Sony-Marketingdirektor Martin Winkler im Börsenblatt-Gespräch. Das Gerät wird also nicht in Mediamärkten zum Verkauf angeboten. Der Verkaufspreis sei noch nicht festgelegt, so Winkler, er orientiere sich aber am Preis des Sony Reader in Frankreich (wo er über Fnac.com vertrieben wird), also 299 Euro. (Zum Vergleich: in den USA kostet das Gerät "nur" 299,99 Dollar – das entspricht gut 200 Euro –, in Großbritannien wird das Gerät zu 199 Pfund über Waterstones angeboten.)

Sony und Libri setzen zunächst auf den PRS 505, ob das Nachfolgemodell PRS 700 ebenfalls in Deutschland angeboten werden soll, ließen die Gesprächspartner noch offen. Noch ist auch nicht entschieden, ob der iLiad von iRex, den die Libri-Online-Tochter Libri.de auf ihrer Website anbietet, aus dem Sortiment genommen wird. Dies sei eine Entscheidung des Libri.de-Management, so Pascal Zimmer.

Libri will die angekündigten Titel – darunter zahlreiche Bestseller – bis Frühjahr im EPUB-Format bereit stellen. Einige Experten versehen diese Ankündigung noch mit Fragezeichen, weil bis jetzt nur wenige Titel mit diesem offenen Standard formatiert worden seien. Es bleibe abzuwarten, ob bis zum Frühjahr tatsächlich eine ausreichende Titelzahl vorliege. In Branchenkreisen werden zudem Zweifel laut, ob der Gerätepreis mit 300 Euro nicht wesentlich zu hoch angesetzt sei. AKEP-Sprecher Hans Huck-Blänsdorf vertritt die Meinung, erst ein Gerätepreis um 100 Euro wäre für die meisten Kunden akzeptabel.

libreka! wird mit der Ankündigung der Vertriebskooperation nun unter zusätzlichen Zeitdruck gesetzt: Bis Frühjahr müssen nicht nur ausreichend viele E-Books im EPUB-Format vorliegen, sondern es muss auch die Frage geklärt sein, mit welchem Lesegerät das E-Book-Geschäft über libreka! vorangetrieben werden soll. Dafür böten sich weitere attraktive Reader wie etwa das Cybook von Bookeen an. Darüber hinaus wird sich libreka! nun dem Wettbewerb mit einem Anbieter-Trio stellen müssen, das bereits heute über ein konsistentes Geschäftsmodell verfügt.

Quelle: Börsenblatt online

Links zu dieser Meldung:
www.boersenblatt.net
www.sony.com
www.libri.de

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