Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
In diesem Buch präsentiert sich die erfahrene Dortmunder Autorinnengruppe Undpunkt mit kleinen gemeinen und bitterbösen Geschichten.
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Spiekeroogyssee

Kapitel 06 – Mike und ER am Strand

So, 31.05.2009, 22.00 Uhr (Pfingsten)

Vereinzeltes Wetterleuchten erhellte den trüben, noch wolkenverhangenen Himmel. Kein einziger Windhauch war mehr zu spüren. Die Zeit schien die Luft anzuhalten, stillzustehen.

Das dumpfe Knirschen Ihrer Schritte im Sand holte Lara und Sven ins Hier und Jetzt zurück. Sie befanden sich am Nordstrand unweit vom Dorf. Lara spürte den Schmerz der Umklammerung in Ihrer Hand, der ihr bewusst machte, dass Sven noch bei Ihr war. Die Erleichterung darüber breitete sich warm in Ihrem Körper aus. Sie schloss kurz die Augen, dann blickte sie ihn an.
»Du meine Güte ... was war das denn?«
Sven suchte nach Worten, das eben Erlebte zu erfassen: »ER war auf einmal da ...! Und dann das Messer und ... dieser Bibelspruch ..., was hast du denn da bloß gesagt? ... das mit ... die Wahrheit verteidigen bis in den Tod und so? ... was meintest du überhaupt damit und ... wie hast du uns da rausgebracht ...? Ich wollte doch ...«
Er holte kurz Luft.
»Warte!« Lara küsste ihn auf den Mund. »Ich weiß selbst nicht genau. Jetzt sind wir erst mal hier und Du lebst! Ich weiß nur ...«

Ein grelles, rötliches Leuchten am Himmel unterbrach die beiden. Die Wellen reflektierten es, als wollten sie einmal mehr zeigen, dass die Zeit drängt. Sven zuckte zusammen.
Lara sagte hastig: »Wir müssen die Wahrheit finden, sonst sterben alle. Vieles ist nicht so, wie es bisher schien, einige wissen mehr als andere und frag´ mich nicht, woher ich das weiß. Es ist einfach in mir drin!«
Sven sah sie lange an. Alles gerade Geschehene und Gesagte fand keinen Platz in sein Bewusstsein, so sehr er auch versuchte, es zu ordnen. Er begann an dem zu zweifeln, was er geglaubt hatte, tun zu müssen. Das Einzige, was sicher schien: Ihnen lief die Zeit davon.
»Verdammt, aber wo sollen wir anfangen?«
»Dort!« Lara deutete landeinwärts. Sven folgte ihrem Blick. Dort war ER. Etwa 50 Meter entfernt, zusammen mit einem Kind, dass sie heranwinkte - Mike ...

Mike lächelte ihnen zu. Ihr Mike, ihr Sohn Mike, dessen war sich Lara nun sicher ... aber warum stand er neben IHM? Was konnte das bedeuten? Würden sie nun endlich mehr erfahren? Die Wahrheit, sie mussten sie erfahren. Schon zu viele waren gestorben, Svens Eltern ... die Wahrheit erfahren und sie verteidigen. Sirachs Worte.
Sie warf einen Blick auf Sven, der leichenblass und zitternd neben ihr stand, unfähig etwas zu sagen oder zu tun. Sie seufzte. Wieder einmal lag es in ihren Händen. Der Himmel leuchtete in einem grellen, türkisähnlichem Blau und tauchte alles in ein unwirkliches Licht. ER stand einfach da und Mike neben IHM. Beide in dem blauen Licht. Es war kein vereinzeltes Wetterleuchten mehr, sondern ein ständiges Leuchten. Ein grelles blaues Leuchten. Die Zeit rannte ihnen davon. Sie musste etwas tun. Jetzt.

Mike winkte sie abermals heran. Lara nahm Sven bei der Hand und zog ihn hinter sich her. Dann ging sie auf die beiden zu, so wie Mike es wollte.
»DU! Der Bürgermeister hat gesagt, dass DU uns zum Festland zurückbringen kannst. DU kannst ... DU musst uns helfen: Das blaue Licht wird stärker. Der Asteroid, der Komet, Meteor, was auch immer, es kommt näher. Bring uns zum Festland zurück: Wir wissen, dass es noch existiert!«

ER lächelte - kalt und wissend - wie zuvor in der Dorfschenke, aber er sagte kein Wort. Es war Mike, der das Schweigen brach: »Der Asteroid muss die Insel nicht treffen. Ihr braucht nur die Insel von dem Asteroiden wegsteuern. So ist es vorherbestimmt. Und ihr habt dazu nicht mehr viel Zeit. »
»Wegsteuern?«, Lara starrte ihn fassungslos an. Der Junge war klein und zierlich, seine braunen Augen - wie die von Sven - blickten offen und ehrlich. Sie war ihm nun so nah wie noch nie. Wie hatte sie nur an Sven zweifeln können, als er ihr das erste Mal von dem Kind erzählte. Sven, der Vater ihrer Kinder, falls sie es überlebten. Aber war nicht das Kind ein Zeichen, ein Zeichen aus der Zukunft? Wenn es das Kind gab, dann gab es auch eine Zukunft. Und sie würde alles tun, um diese Zukunft zu ermöglichen ... aber eine Insel steuern? Wovon sprach dieses Kind? Wie sollte dies möglich sein?

»Was kann ich ... was können wir tun?«
ER schwieg unberührt, während Mike ihnen mit kindlichem Ernst erklärte: »Ihr müsst euch beeilen. Sie sind in den Höhlen. Sie sind schuld daran, dass die Insel sich vom Festland löste. Sie sind schuld, dass so viele starben. Einige von ihnen sind unter euch. Ich bin gekommen, euch zu warnen. Nichts ist, wie es scheint. Ich muss euch nun wieder verlassen.«
War da ein Zwinkern in seine Augen?
Ohne ein weiteres Wort rannte Mike über den Strand direkt in die sanften Wellen, die das blaue Licht reflektierten. Lara starrte ihm gebannt hinterher, bis zu der Stelle, an der Mike untertauchte und verschwand.

»Ihr müsst zur Ostspitze der Insel«, sagte eine rauchige Stimme hinter ihnen und sie drehten sich erschrocken um. Für einen Moment hatten sie IHN vergessen. Lara ergriff Svens Hand, bereit, alles zu tun, um ihre Zukunft zu retten.
»Aber beeilt euch, ihr könnt die Höhlen nur bei Ebbe finden«, sagte ER und grinste höhnisch. Dann ließ er die beiden in der Nacht allein und ging zurück zum Dorf.

Lara schaute Sven an. »Ich glaube, ich weiß, wovon Mike gesprochen hat. Wir müssen beim Wrack der Verona suchen. Meine Großmutter hat mir mal von dem englischen Dampfer erzählt, der hier 1883 gekentert ist. Mit Höhlen meinte er wohl die verschiedenen Decks im Bauch des Schiffes, wir müssen nur den Eingang finden ... Komm wir müssen los!«

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