'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Spiekeroogyssee

Kapitel 10 - Sohn zeugen

Mo, 01.06.2009, 14.10 Uhr

Die Tr├Ąume der Beiden w├Ąhrten nicht lange. Ihr Schlaf wurde leichter, und schon bald erahnten sie ein Rufen, das schnell lauter wurde: ┬╗HolÔÇś mich!┬ź
Sven und Lara schreckten auf und starrten sich an.
┬╗Was ist das, wer ruft da?┬ź, fl├╝sterte Lara. Sven legte seinen Kopf schief und lauschte.
Da war es wieder: ┬╗HOLÔÇś MICH, ENGELSGESICHT!┬ź
Sven legte seine Stirn in Falten.
┬╗Das ist das Buch!┬ź, sagte er verwundert. Er zog sich an einem Ast hoch und begann den Baum hinabzuklettern. Lara griff in seine Haare.
┬╗BleibÔÇś bitte!┬ź, sagte sie, ┬╗Ich habe Angst hier oben. Und ich habe Angst um dich!┬ź
┬╗ENGELSGESICHT! HOLÔÇś MICH!┬ź
Es war jetzt kein Rufen mehr, eher ein Schreien, schon fast ein Kreischen; ein wom├Âglich ├Ąngstliches Kreischen.
┬╗Es ist doch nur ein Buch┬ź, sagte Sven. Ein Buch, das mich vor meiner Freundin ┬╗Engelsgesicht┬ź nennt, dachte er.

Vorsichtig l├Âste er Laras verkrampfte Finger aus seinen Haaren und stieg hinab. Lara sagte nichts mehr, aber Sven konnte ihr Schluchzen h├Âren. Dann war er unten. Er blickte in die Richtung, aus der das Rufen kam. Eine pl├Âtzliche B├Âe wehte ihm Sand in die Augen. Sven drehte sein Gesicht weg und schloss die Lider. Die B├Âe erstarb. Vorsichtig ├Âffnete er die Augen wieder und lief, zuerst z├Âgerlich, dann immer schneller, zur├╝ck in die Richtung des seltsamen Rufers. Weitere B├Âen wollten ihn stoppen, aber schlie├člich war er an der Stelle, an der er das Buch hatte fallen lassen. Sven suchte den Boden ab, dann sah er es: Das Buch war fast vollst├Ąndig mit Sand bedeckt. Er b├╝ckte sich, da sprang es schon in seine H├Ąnde. Geschickt fing er es auf und klemmte es sich unter den Arm. Sofort lief er zur├╝ck zu dem Baum; und zur├╝ck zu Lara.

┬╗Lara!┬ź, rief er und kletterte flink zu ihr hinauf. Sie hatte sein Rufen geh├Ârt und reichte ihm den Arm.
┬╗Seite 2012!┬ź, sagte das Buch mit leiser, h├Âlzerner Stimme. Sven und Lara sahen sich an. Dann mussten sie lachen.
┬╗Oh, das ist aber ein redseliges Buch!┬ź, sagte Lara. Sven schlug die angegebene Seite auf und lie├č Lara ├╝ber seine Schulter blicken. Nur ein Wort prangte in gro├čen, goldenen Lettern quer ├╝ber der ganzen Seite: ┬╗ZUKUNFT┬ź
┬╗Was hat das f├╝r einen Sinn?┬ź, fragte Lara. Dann entdeckte Sven, dass das ┬╗Z┬ź sich gel├Âst hatte. Er zog den goldenen Buchstaben von der Seite ab. Darunter stand in kleiner, roter Schrift: ┬╗Mikaelus zeugen!┬ź

┬╗Was, zum Teufel, soll das?┬ź, fragte Lara.
Wie zur Antwort flatterte das Gold der Lettern ┬╗U┬ź und ┬╗T┬ź mit einer Windb├Âe davon.
┬╗Sohn zeugen! Jetzt!┬ź stand dort, und ┬╗Er ist die Rettung!┬ź
Pl├Âtzlich sprang das Buch Sven aus der Hand, die Seiten schwangen auf und ab wie Fl├╝gel, und einem Raben gleich flog das Buch in einem gro├čen Halbkreis in Richtung Dorf.
┬╗Sven! TUE ES! JETZT!┬ź, h├Ârten sie es zum Abschied kr├Ąchzen. Dann verschwand das Buch der Sieben Schl├╝ssel aus ihrem Blickfeld.
Sven sah Lara an, Lara erwiderte unsicher seinen Blick.
┬╗Sieht aus, als h├Ątte ich jetzt etwas zu erledigen┬ź, grinste Sven.

Dann legte er seine rechte Hand unter Laras Kinn und zog sie sanft aber fordernd zu sich. Lara schloss die Augen und ├Âffnete ihren Mund. Sie k├╝ssten sich, indem sie ihre Lippen aufeinander pressten. Als Kind hatte Lara das in einem Film gesehen. Sie verharrten, aber es passierte nichts weiter. Entt├Ąuscht trennten sich ihre M├╝nder wieder.
┬╗So funktioniert das nicht┬ź, meinte Lara n├╝chtern.
┬╗Stimmt┬ź, fiel Sven ein, ┬╗wir m├╝ssen auch die Zunge benutzen.┬ź
Der Gedanke erschreckte Lara. ┬╗Nein, es funktioniert vor allem nicht, wenn wir auf einem Baum sitzen und jederzeit herunterfallen k├Ânnten.┬ź
Mit wenigen S├Ątzen war sie auf dem sandigen Boden.
┬╗Gib mir deine Jacke┬ź, forderte sie Sven auf.

Lara breitete die Jacke wie eine Decke aus, vergr├Â├čerte die Fl├Ąche noch mit ihrer eigenen. Gott sei Dank war es angenehm warm. Sand war sicherlich viel besser als kalte Erde. Sie probierte das provisorische Bett aus, beulte hier und den Sand ein wenig zurecht. Als sie damit fertig war, legte sie sich auf die eine Seite der Decke und lie├č die andere frei. Mit einer einladenden Geste fl├╝sterte sie ihm ein ┬╗Komm┬ź hinauf.

Sven z├Âgerte ein wenig, lie├č seinen Blick ├╝ber die D├╝nen und die See schweifen, als f├╝rchtete er, dass sie ├╝berrascht werden k├Ânnten. Vielleicht wollte er aber auch nur ein wenig Zeit gewinnen. Laras Haar leuchtete ihm entgegen, ihre Augen waren wie verhangen. Ihm wurde die Kehle trocken. Mit einem Ruck schwang er sich endlich von seinem sicheren Ast und landete direkt neben der Decke.
┬╗Komm!┬ź, rief sie erneut. Dabei streckte sie ihm eine Hand entgegen. Mit der anderen st├╝tzte sie ihren Kopf vom Boden ab.

Gern h├Ątte er jetzt etwas zu trinken gehabt. Aber weit und breit gab es nur Sand, untrinkbares Meerwasser, zwei Jacken als Decke und sie und ihn. Sven lie├č sich neben Lara nieder und st├╝tzte wie sie den Kopf auf einen Arm.
Auf die kurze Distanz konnte er ihr Gesicht genau betrachten. Tiefgr├╝ne Augen lenkten von ihrer Stupsnase ab, umgeben von Sommersprossen. Am Mund blieb sein Blick h├Ąngen. Sanfte, rosige Lippen ├Âffneten sich ganz leicht und k├╝ndeten von Verhei├čung. Automatisch neigten sie sich einander zu. Automatisch schlossen sie ihre Augen, und ganz automatisch umspielten sich ihre Lippen, bevor sie noch n├Ąher r├╝ckten.

├ťberrascht sp├╝rte er ihre Zunge, doch er verweigerte sich nicht, lie├č es zu, dass sie sich mit seiner traf. Seine Kehle war nicht mehr trocken. Alles befeuchtete sich wieder. Er wollte mehr.
Auf den linken Arm gest├╝tzt beugte Sven sich noch mehr zu Lara hin├╝ber, die ihre Position ebenfalls aufgab und sich auf den R├╝cken sinken lie├č. Seine freie Hand legte er auf ihre H├╝fte, und sogleich schoss Hitze in seinen K├Ârper. Das Gef├╝hl berauschte ihn so sehr, dass er seinen Mund von ihr l├Âste und nach Luft rang.

Lara ├Âffnete ihre Augen und sah ihn beschw├Ârend an. ┬╗Nicht aufh├Âren!┬ź
Das hatte Sven ganz und gar nicht vor, und so vertieften sie sich in ihren zweiten Kuss, der sich richtig anf├╝hlte, der nicht nur das Aufeinanderpressen von Lippen war, sondern ihren ganzen K├Ârper mitschwingen lie├č und Instinkte wachrief, die tief in ihren K├Ârpern geschlafen hatten.
Svens Hand folgte langsam der Rundung von Laras H├╝ften zu ihrer Taille und schob sich unter ihren Pullover. Lara hielt im Kuss inne.
┬╗Huh, die ist kalt┬ź, protestierte sie lachend.
┬╗Und du bist sch├Ân warm┬ź, fl├╝sterte Sven zur├╝ck und dr├Ąngte seinen Mund wieder auf ihren. ┬╗Und weich.┬ź
W├Ąhrend er Lara weiter k├╝sste, wanderten seine tastenden Finger h├Âher, bis sie den Ansatz ihrer Brust erreichten.
┬╗Und aufregend.┬ź
Er umfing ihren Busen z├Âgernd ganz mit der Hand. Seine Erektion dr├╝ckte gegen Laras Oberschenkel und er fragte sich, ob Lara sie ebenfalls f├╝hlen k├Ânnte.

Sohn zeugen. Jetzt., h├Ârte er die Stimme des Buches wieder in seinem Innern. War das nicht alles absurd? War das real, was er gerade erlebte? Aber sein ganzes Leben seit der Sturmflut war absonderlich. Irre. Verr├╝ckt. Aberwitzig.
Laras Atem ging schneller, w├Ąhrend er durch den Stoff des BHs mit dem Daumen die Spitze ihrer Brust streichelte. Doch pl├Âtzlich hielt sie seine Hand fest und sah ihn verwirrt an: ┬╗H├Ârst du die M├Âwen?┬ź
Wie konnte sie jetzt auf die M├Âwen achten?
┬╗Ja, nat├╝rlich.┬ź Er hob den Kopf und betrachtete den Schwarm, der an der K├╝ste entlang seine Bahnen zog und dabei immer wieder auch ├╝ber Lara und ihn hinweg glitt. Ab und zu stie├č einer der V├Âgel nach unten, um einen Fisch zu fangen oder etwas Meerwasser zu trinken. Nichts Ungew├Âhnliches oder gar Bedrohliches ging von den kr├Ąchzenden V├Âgeln aus.
┬╗Wir sind am Meer, Lara.┬ź Er strich ├╝ber ihr Haar. ┬╗Hier kreisen immer M├Âwen. Ich finde es sehr romantisch: der Baum, die Brandung und ├╝ber uns die V├Âgel.┬ź

Laras dunkelgr├╝ne Augen sahen im Schatten noch dunkler, fast schwarz aus.
┬╗Ich bin aufgeregt, Sven. Das ist alles so ... viel auf einmal heute. Und wenn das Buch Unrecht hatte mit seiner Aufforderung?! Meine Eltern werden nicht gerade begeistert sein, wenn ich jetzt schon ...┬ź Sie sprach den Satz nicht zu Ende.
┬╗Hier gibt es nur dich und mich┬ź, redete Sven auf sie ein. ┬╗Vergiss das Buch, vergiss die Rettung der Insel, vergiss deine Eltern! Schlie├č einfach die Augen und k├╝ss mich. Wir haben viel Zeit.┬ź

W├Ąhrend ihre Lippen und Zungen miteinander spielten, sp├╝rte Sven, dass Lara allm├Ąhlich wieder entspannte. Sie schob sogar seine Hand zur├╝ck unter ihren Pullover und l├Âste nach einer Weile den Verschluss ihres BHs. Der Pullover rutschte dabei hoch, sodass Sven Bauchnabel und Taille sehen konnte. Laras Haut war dort viel heller als im Gesicht und an den Armen. Gierig rieb er sein Gesicht an ihrem Bauch und musste sich zur├╝ckhalten, nicht sofort ihre Jeans zu ├Âffnen. Laras Geruch und ihre fast unmerklichen Bewegungen erregten ihn. Er hatte sich mit K├╝ssen fast bis zu ihrem Busen hochgearbeitet, als ein spitzer Schrei ihn unterbrach.

┬╗Was ist los?┬ź Erschrocken sah er Lara an. Und wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte.
┬╗Iiihh┬ź, kreischte Lara noch immer, w├Ąhrend sie hektisch versuchte, sich den M├Âwenschiss mit einem Jacken├Ąrmel aus dem Gesicht zu wischen.
┬╗Romantisch, ja?┬ź, schimpfte sie. ┬╗Mein erstes Mal hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Und Hunger und Durst habe ich auch.┬ź
Sie sprang auf und rannte ans Meer, um sich zu waschen.

Sven lie├č sich auf den R├╝cken sinken, schloss die Augen. Dieser an Absurdit├Ąten ohnehin nicht arme Tag war noch lange nicht zu Ende. Wie konnte er seine Entscheidungen auch von einem ┬╗Drehbuch┬ź bestimmen lassen. W├╝rde als N├Ąchstes ein Studioscheinwerfer vom Himmel st├╝rzen und ihn erschlagen? Oder ein manngro├čes Kaninchen ihm seine Bestimmung zuraunen? Wut kam in ihm auf, Wut ├╝ber ein Eingeklemmtsein zwischen einer undurchsichtigen Vergangenheit, die weitgehend von Katastrophen gepr├Ągt zu sein schien, und einer Zukunft, die sich als bereits geschrieben behauptete. Er sp├╝rte K├Ąlte in seinem Bauch, die alle Kraft aus seinem K├Ârper ziehen wollte, ihn machtlos in einem Strom vorhergesagter Ereignisse zur├╝cklie├č wie einen Tischtennisball auf dem Nordmeer. Angestrengt atmete er tief ein.
Das wollen wir doch erst mal sehen ...

Er konzentrierte sich auf seine Beine, seine F├╝├če, okay, alles noch da.
Das wollen wir doch erst mal sehen!
Schei├č auf den B├╝rgermeister, auf IHN, auf DIE, schei├č auf die Alten in der Verona, alle ersoffen, haha, auf Mike, den Idioten, fick dich doch selber, schei├č auf Traumaufzeichner und Drehb├╝cher und die Zukunft mit goldenem ┬╗Z┬ź!
┬╗DAS WOLLEN WIR DOCH ERST MAL SEHEN!┬ź
Er ├Âffnete die Augen und sah in einen wolkenlosen Himmel. Eine M├Âwe kreiste weit ├╝ber ihm. Er streckte den Arm nach ihr aus, ballte die Hand zur Faust. Als er den Arm wieder senkte, war die M├Âwe verschwunden.
Schon besser.

Er richtete sich auf und zog sich aus. Sein K├Ârper war jetzt von einer fiebrigen Hitze erf├╝llt. Er sp├╝rte weder Sonne noch Wind auf seiner Haut. Mit nackten F├╝├čen ging er zum Meer, die Erde schien unter seinen Schritten zu erzittern. Wach auf, Engelsgesicht.
Lara stand am Strand. Als er n├Ąherkam, drehte sie sich zu ihm um. ┬╗Sven! Was machst Du?┬ź
┬╗Gib mir deine Hand, Lara┬ź
┬╗Sven, ich wei├č nicht ... Dieses Buch - meinst du nicht ...┬ź
┬╗Gib mir deine Hand.┬ź Er stand jetzt direkt vor ihr.
┬╗Oh mein Gott ...┬ź
Als sich ihre Fingerspitzen ber├╝hrten, sp├╝rte sie seine ├╝berw├Ąltigende Hitze, sp├╝rte den Blick seiner Augen, traute sich nicht, ihn zu erwidern. Es zog ihren K├Ârper zu ihm, aber sie blieb stehen, lie├č ihn ihre Hose ├Âffnen, w├Ąhrend sie sich an seinen Schultern festhielt. Ihre H├Ąnde glitten ├╝ber seine Arme, seine warme Haut, ├╝ber seinen Bauch, nach unten ...
┬╗Lara, warte ...┬ź
Sven fuhr zusammen, seine Knie wurden weich. ├ťber seine flache Brust blickt er herab, auf einen blassen Kinderpimmel, der mit hochroter Spitze zuckend seinen Samen in den Sand spritzte. Wortlos beugte Lara sich herab und hielt die Hand auf, rieb sie dann ├╝ber ihre Scheide. Unsicher schaute sie zu ihm hoch. ┬╗Ob das reicht?┬ź

Sven erwiderte nichts. Der Wind zerzauste sein Haar. Lara zog ihre Hose an.
┬╗Lass uns nach Hause gehen.┬ź Ohne sich nach ihm umzusehen, machte sie sich auf den Weg.
Und sie ging forschen Schrittes, um ihre Unsicherheit und auch ihre Wut zu verbergen. Sie warf den Kopf in den Nacken und lachte kurz auf, w├Ąhrend sie gleichzeitig eigentlich eher h├Ątte heulen wollen.
Denn es war grotesk. Lara taumelte in ihrer Gef├╝hlswelt durch ein Insel-Hopping zwischen einer mehr oder weniger k├╝nstlichen Befruchtung, einem versehentlichen Coitus interruptus und einer unbefleckten Empf├Ąngnis. Das Hauptproblem, ihre ausweglose Situation, war dabei in den Hintergrund getreten. Und dar├╝ber war sie sogar froh - obwohl die Angelegenheit etwas von der Wahl zwischen Pest und Cholera hatte.
Was hatte sie vorhin zu Sven gesagt? ┬╗Lass uns nach Hause gehen.┬ź
Wo, bitte, war denn ihr Zuhause? Etwa auf dieser von der Au├čenwelt abgeschnittenen Insel? Und falls nicht, gab es ihr echtes Zuhause auf dem Festland ├╝berhaupt noch?
Sven war indes unschl├╝ssig am Strand zur├╝ckgeblieben und hatte seinen Blick dem Meer zugewandt. Auch in seinem Kopf herrschte Chaos, nur spielte es sich auf einer geringf├╝gig anderen Ebene ab.
┬╗Ob das reicht?┬ź, hatte Lara ihn mit zweifelnder Miene gefragt, nachdem sie sich seinen Samen in ihre Schamspalte gerieben hatte.

Wie der Prototyp eines Bl├Âdmannes, wie ein Bilderbuch-Versager hatte er vor ihr gestanden. Und gut daran getan, am besten gar nichts auf diese Frage zu erwidern. Und hatte er Lara vorhin nicht lachen h├Âren ...? Warum wohl, denn momentan gab es ja nun wirklich nichts, aber auch rein gar nichts, wor├╝ber man h├Ątte lachen k├Ânnen. Sven f├╝hlte sich so elend wie nie zuvor in seinem Leben.
F├╝r einen Augenblick hasste er Lara, nur um im n├Ąchsten Moment den Hass auf sich selbst zu projizieren. Er hoffte inst├Ąndig, es m├Âge nicht gereicht haben, denn das Zeugen seines Sohnes stellte er sich schon ein bisschen anders vor. Wenn schon versagen, dann aber auch auf ganzer Linie! Pl├Âtzlich kam ihm die Funktion des Jungfernh├Ąutchens in den Sinn. Wenn Lara vor ihm noch nie mit einem Jungen Sex gehabt haben sollte - wovon er ausging -, kann es unm├Âglich gereicht haben!

Als Sven sich jedoch vergegenw├Ąrtigte, welche folgenschwere Bedeutung in diesem verungl├╝ckten Zeugungsakt lag, kehrte sich seine Hoffnung ins Gegenteil. Er musste grinsen. Wer sagte denn ├╝berhaupt, dass es bei diesem einen Versuch bleiben m├╝sse? F├╝rs n├Ąchste Mal sollte man sich halt ein Ambiente aussuchen, in dem alle St├Ârfaktoren weitestgehend ausgeschlossen waren.

Sven drehte sich um, sammelte wie sie seine Kleidung und folgte Laras noch gut sichtbaren Spuren. Dass es so einfach w├Ąre, ein M├Ądchen rumzukriegen, h├Ątte er sich vor gar nicht so langer Zeit auch nicht tr├Ąumen lassen. Jetzt lachte er kurz auf. Aber, Moment, schoss es ihm in den Kopf. Wie war das noch mit der Raum-Zeit- ... Dialektik? Nein, ... Raum-Zeit-Kontinuum? Konnte er das, was er mal in einem Perry-Rhodan-Roman aufgeschnappt hatte, bedenkenlos hier und jetzt anwenden?!
War er gestern wirklich von Gott angesprochen worden oder lediglich einem religi├Âsen Wahn verfallen?
┬╗Ich als Joseph, Lara als Maria und dieser Mike als Jesus?┬ź, fragte er sich und sch├╝ttelte den Kopf. Sollte Gott nicht langsam die Schnauze voll haben? War Gott nicht eine Nummer zu gro├č f├╝r Lara und ihn - oder lag der tiefere Sinngerade darin, Svens Glauben zu pr├╝fen? War Spiekeroog gar der Neubeginn der menschlichen Spezies?!
┬╗Okay┬ź, fasste er den Entschluss, ┬╗dann soll es halt so sein!┬ź

Er f├╝gte sich gewisserma├čen dem Schicksal und dieser Mission und schloss zu Lara auf, die ihren Schritt inzwischen verlangsamt hatte, als sp├╝rte sie, dass es zu einer Entscheidung kommen musste.
Die beiden setzten sich in eine D├╝ne, hielten einander in den Armen und sprachen eine ganze Weile kein Wort.

Eine leichte Vertiefung, in der sie sa├čen, sch├╝tzte sie von allen Seiten. K├Ąme jemand von weit her, k├Ânnte er sie erst im letzten Moment sehen. Nur zum Meer hin flachte der Rand ihrer D├╝ne ab, sodass sie die kommende Flut beobachten konnten. Der vor Kurzem noch heftige Wind hatte sich gelegt, trotz des sacht anbrandenden Wassers war es sehr still. Verd├Ąchtig kam es den beiden nicht vor, es entsprach ihrer gegenw├Ąrtigen Stimmung. Sie lehnten sich, ohne die Umarmung zu l├Âsen, zur├╝ck. Sand schmiegte sich um die F├╝├če. Der am Strand schnell als l├Ąstig und eng empfundenen Schuhe und Str├╝mpfe hatten sie sich l├Ąngst wieder entledigt. Warmer Sand schmiegte sich um ihre Ges├Ą├če, schien an den Fersen zu steigen, kitzelte kurz im Hosenbein. Lara hatte die Augen geschlossen, nicht zusammengepresst, locker lagen die Lider den Aug├Ąpfeln auf. Der helle Tag schimmerte rosafarben in sie hinein. Als der Sand Lara an der linken Lende ber├╝hrte, lief ihr ein angenehmer Schauder ├╝ber den R├╝cken. Sie dachte, Sven f├╝hre mit der Kuppe des Zeigefingers ├╝ber ihre Haut, erreichte jetzt den Rand des Slips, l├Âste den Saum, schl├╝pfte zwischen Gummi und Haut. Sie seufzte.

┬╗Was ist!┬ź fl├╝sterte Sven ihr ins Ohr. Sein Atemhauch traf auf die winzigen H├Ąrchen, die sich hin und wider wandten. Bis ins Innerste ihrer Organe pflanzten sich diese Bewegungen fort, Wellen gleich, die lauwarm schwappend ├╝ber das Ufer liefen, sich tiefer in den Morast gruben, die Grenze zwischen Festem und Fl├╝ssigem beharrlich erhitzend l├Âsten. Ihr Bauch w├Âlbte sich nach vorn, ihr Unterleib dr├Ąngte gegen die einengende Bekleidung. H├Ârbar atmete sie aus, hielt jetzt den Atem an, wagte kaum, sich zu bewegen. Die in ihr hin und her laufenden Wellen, die sie mehr und mehr erregten, erschreckten auch. Sie hatte Angst sich aufzul├Âsen, w├╝nschte sich nichts mehr, als hier, in dieser sanften Talsohle, ineinanderzuflie├čen mit ihm, wollte, dass jetzt ihre K├Ârper, ihre Gliedma├čen einen Leib bilden, gleichm├Ą├čig bewegt. F├╝r einen Moment des Z├Âgerns, als wolle sie noch einmal die Zeit anhalten, bevor sie sich v├Âllig einem gemeinsamen Fluss hingab, ├Âffnet Lara die Augen, sah, h├Ârte, fast ├╝berempfindlich, was um sie herum geschah. Die am Morgen st├╝rmisch gegen das Ufer peitschenden Wellen hatten Schaum aufgebauscht, der im Wind waberte und quoll; wilden, urw├╝chsigen Tieren ├Ąhnlich, die im Schutz der Nacht das Wasser verlie├čen, an Land krochen und nun in sich zusammensackten. Sie h├Ârte Sand rieseln, vom Rand der D├╝ne auf sie beide herunter. H├Ârte, wie ein fast zu Boden gebogener Halm des Strandhafers von einer pl├Âtzlich heftigeren B├ bewegt wurde, im Sand seichte Striche hinterlie├č, nicht leicht zu lesen. Sie sah, dass Sven sie anschaute, nicht mehr fragend, sondern ruhig ihren Blick erwidert. Der Schlagrhythmus ihrer Herzen erh├Âhte sich. Nicht, dass sie im Sand zu versinken drohten. Von selbst w├╝hlten sie sich weiter hinein, dr├Ąngten n├Ąher aneinander, dr├╝ckten sich, sich gleichzeitig an allen Stellen streichelnd, sp├╝rten die Spitzen der Brustwarzen wachsen. Kuss und Gegenkuss erg├Ąnzten sich in der weichen, feuchten H├Âhle beider M├╝nder. Mal lagen die Zungen ruhig, dann z├╝ngelten sie, drehten, umspielten sich, zuckten vor und zur├╝ck, suchten den Speichel des andern zu schmecken, zu sp├╝ren, als ├╝bertr├╝gen sie eine Krankheit, ein Fieber.
┬╗Sag mir bitte nicht, dass du mich liebst.┬ź
┬╗Lieb mich.┬ź
Sie rutschen weiter ineinander, l├Ąnger werdender Schatten im Sand, heftiger wegrieselnd.


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