Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Spiekeroogyssee

Kapitel 20 - Die falsche Tafelrunde

Gespannt sahen sie auf Svens Hand, die den SchlĂĽssel hielt und leicht zitterte. Er steckte den SchlĂĽssel in das SchlĂĽsselloch und versuchte ihn zu drehen.
„Er lässt sich nicht komplett drehen. So ein Mist!“ Sven war der Frust deutlich anzusehen.
„Und wenn Du beim Drehen mal vorsichtig an der Türe ziehst? Bei der Haustür meiner Oma hat das immer geklappt.“ Lara wollte die Hoffnung so schnell nicht aufgeben.
Auch Frau Neune nickte zustimmend: „Los, versuch es noch mal. Das könnte klappen.“
„Also gut. Auf ein Neues.“
Sven schob den SchlĂĽssel erneut in das SchlĂĽsselloch und zog im Drehen die TĂĽr leicht zu sich heran. Mit einem lauten Knirschen drehte sich der SchlĂĽssel. Die Drei hielten erschrocken den Atem an.
„Hoffentlich hat das außer uns keiner gehört.“

Als auch nach einigen Minuten nichts zu hören war, drückte Sven leicht gegen die Tür und mit einem leisen Knarzen öffnete sie sich. Sie blickten in einen großen Raum, der ebenfalls Wände aus Glas hatte, die den Blick auf das Meer freigaben. Der Raum war angefüllt mit Karten und Navigationsgeräten. In seiner Mitte stand ein großer runder Tisch mit zwölf Stühlen. In die Tischplatte aus Stein waren verschiedene Zeichen eingemeißelt.
„Das sieht ja fast wie die legendäre Tafelrunde von König Artus aus.“ Lara staunte.
„Ja, und Du bist wahrscheinlich die Reinkarnation von Königin Guinevere.“ Sven konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Kinder, jetzt bleibt mal ernst. Wir müssen nach Hinweisen suchen, die uns zeigen, wer uns helfen kann und wie es weitergeht.“ Frau Neune brachte die beiden schnell wieder auf den Boden der Tatsachen. „Wer weiß, ob wir hier überhaupt alleine sind. Auf jeden Fall dürfen wir jetzt keine Zeit mehr verschwenden. Lara, Du siehst Dir alle Karten auf dem großen Tisch da drüben an. Sven, schau nach, was in dem Schrank und der Truhe da drüben ist und ich werde mich mal mit den Zeichen auf dem runden Tisch befassen.“
Sofort machten sie sich ans Werk.

„Die Karten sind zum Teil sehr alt, zeigen aber alle das Gleiche: die nordfriesischen Inseln. Das ist doch seltsam.“ Lara kramte weiter in den Karten. „Seht mal, was ich in dem Schrank gefunden habe:“
Sven lachte: „Das Buch! Wahrscheinlich sollten wir diesen Raum finden. Ich spüre es: Hier kommen wir einer Lösung des Rätsels näher.“
„Aber wie ist es hier rein gekommen? Die Tür war doch abgeschlossen und sie ist der einzige Zugang zu diesem Raum.“ Lara sah alarmiert von Ihren Karten auf. „Was meinen Sie Frau Neune? Das Ganze ist doch ein seltsamer Zufall, oder?“
„Da gebe ich Dir recht Lara. Die Zeichen auf dem Tisch habe ich schon irgendwann einmal gesehen, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wo das war. Ich habe auf einmal ein ganz ungutes Gefühl. Wir sollten das Buch nehmen und erst mal hier verschwinden.“
„Nein, nicht bevor wir das hier eingepackt haben!“ Sven hockte vor der offenen Truhe. Sie war angefüllt mit Lebensmitteln. Es gab abgepackten Schinken, Dosenobst, Fleischkonserven, Fertigsuppen und sogar Schokolade.

„Oh, das ist ja wie im Schlaraffenland!“ Lara lief das Wasser im Mund zusammen.
„Also gut, jeder nimmt sich, mit was er tragen kann und dann nichts wie weg hier. Und gib mir das Buch Sven, sonst lässt Du es vor lauter Essen noch hier liegen!“ Frau Neune war ihr Unbehagen deutlich anzusehen. „Los, schnell jetzt!“
Die Drei nahmen sich von den Vorräten und wandten sich zur Tür. Da ertönte spöttisches Gelächter.
„Na sieh mal an, wen wir da haben ...“
Der BĂĽrgermeister fĂĽllte den gesamten TĂĽrrahmen aus und streckte ihnen drohend eine geballte Faust entgegen.
„Frau Neune und ihre unreifen Kumpane! Tun sich gütlich an den Notvorräten der Bürger.“
„Wir hungern! Und hier lagern die besten Sachen!“, Lara musste sich verteidigen.
„Und deshalb futtert ihr allen anderen das Essen weg. Ihr seid ja hübsche Früchtchen!“, höhnte der Bürgermeister, trat einen Schritt näher und schloss gleichzeitig hinter sich die Tür.

„Sie sehen das alles ganz falsch“, mischte sich Frau Neune ein, während sie mit Lara und Sven zurückwich.
„Nun. Ich sehe eine Frau, zwei Kinder, die Hände voller Konserven und — ah ein ledernes Buch. Ich finde, es sieht verdammt nach Diebstahl aus. Und ihr wisst, dass wir auf der Insel strenge Gesetze eingeführt haben, damit die Gemeinschaft bestehen kann.“
„Hört auf!“, rief Sven, der es einfach nicht mehr aushielt. „Als wenn es jetzt um die paar Lebensmittel ginge!“
Er war wirklich gereift in den letzten Tagen. „Bürgermeister, Sie wissen, dass wir die Flaschenpost erhalten haben. Sie wissen, dass die Insel in Gefahr ist, dass wir alle in Gefahr sind. Was tun Sie, um uns zu unterstützen?“
„Jungchen, dir muss ich gar nichts erklären.“ Er grinste, kreuzte die Arme übereinander. „Aber: Ich habe gerade meine gutmütigen fünf Minuten, bevor ich euch dem Tribunal des Rates überstelle — oder sollte ich euch IHNEN zum Fraß vorwerfen?“

An ihm war kein Vorbeikommen, dazu war die TĂĽr einfach zu klein. Wenn sie vielleicht alle drei gemeinsam Doch diesen Gedanken verwarf Sven fĂĽr den Moment. Hier ergab sich vielleicht eine Chance. Wusste der BĂĽrgermeister etwas, das Ihnen weiterhelfen konnte?
„Was wissen Sie?“ Sven richtete sich auf.

„Jungchen, du musst schon die richtigen Fragen stellen.“
Aber welche waren die richtigen Fragen? Es gab so viele.
„Wessen Zimmer ist das?“, versuchte Sven, Zeit zu gewinnen.
„Hm. Gut. Wenn du das wissen willst. Das ist das Zimmer eines alten Kapitäns. Lukas. Ein manischer Sammler, besessen von alten Karten, wie ihr sehen könnt.“
In Sven arbeitete es, doch auch bei Lara und Frau Neune waren die Gedanken fast hörbar. Jeder versuchte das Puzzle zusammenzusetzen, eine Lösung zu finden, die Insel und die Menschen zu retten.

„Setzt euch doch,“ wies der Bürgermeister auf die Tafelrunde. Die ungewohnte Freundlichkeit ließ die Drei stutzen.
„Setzt euch“, drängte er weiter. Als aber alle nur einen kleinen Schritt rückwärtsgingen, öffnete er seine Faust. Ein Lichtstrahl zischte durch den Raum, Frau Neune taumelte einen weiteren Schritt nach hinten, stieß gegen einen Stuhl der Tafelrunde und plumpste auf ihn. Kaum dass sie die Sitzfläche berührte, schrie sie gellend auf und versank mit dem Stuhl in einer dunklen Tiefe, aus der nur noch ihr Schrei nachhallte.

Das Entsetzen stand Lara und Sven ins Gesicht geschrieben, während der Bürgermeister wieder die kleine, harmlos wirkende Murmel mit seinen Fingern umschloss und ungerührt meinte: „Schade. Sie ist nicht auserwählt, an diesem Tisch zu sitzen. Dabei dachten wir: neun aus dem Ältestenrat plus drei, die wir suchen müssen. Alle, die auserwählt sind, haben einen Platz in dieser Runde. Wenn sie zusammentreffen, wird es sich entscheiden.“

Der Bürgermeister lachte hämisch.
"Frau Neune hat sowieso nie in die Gruppe des Ältestenrates gepasst. Dieses moderne Gefasel von Gleichberechtigung! Frauen gehören an den Herd und nicht in die Politik. Die Lage der Insel erfordert MÄNNLICHES Eingreifen."
Lara und Sven trauten ihren Ohren nicht. Was erzählte der Bürgermeister da? Frau Neune war doch mit großer Mehrheit in den Rat gewählt worden.
"Ja, ja, wundert ihr euch ruhig. Das war rein taktisches Verhalten, damit die anderen Frauen keine Angriffsfläche mehr hatten! Aber nun zu euch. Damit ich ausschließen kann, dass der Rat der Neun+3 zusammentreffen kann, müsst ihr jetzt auf den Stuhl!"

Der BĂĽrgermeister drehte voller Vorfreude die kleine blaue Kugel zwischen den Fingern, als Lara plötzlich weit ausholte, um ihm mit aller Wucht zwischen die Beine zu treten. Der BĂĽrgermeister machte ein Geräusch, dass sich anhörte wie die Mischung aus einem quiekenden Schwein und dem lauten BrĂĽllen eines Löwen. Dabei öffnete sich seine Hand und die Kugel fiel zu Boden. Während der BĂĽrgermeister langsam majestätisch in die Knie sank, schnappte sich Sven die Kugel und folgte Lara, die bereits nach drauĂźflen entkommen war. Die Beiden rannten einfach los, ziellos, erst als sie sich in Sicherheit wähnten, wurde ihnen bewusst, dass sie automatisch zum Strand gerannt waren.

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