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Spiekeroogyssee

Kapitel 21 - Der Tod des Bürgermeisters

Außer Atem rief Lara Sven zu: "Wirf die Kugel ins Meer! Sie werden uns sonst finden!"
"Lara, nein, Frau Neune befindet sich noch in der Kugel, du kannst sie nicht einfach ins Meer werfen!"
"Es ist zu gefährlich, Sven, wir müssen uns in Sicherheit bringen!"
Aber was sollten sie mit der Kugel machen?
"Gebt sie mir", tönte da eine brummige Stimme hinter ihnen.
Vor ihnen stand ein bäriger Mann, muskulös und kraftvoll. Die vielen Jahre auf der See hatten seine Haut gegerbt. Er roch nach Pfeifentabak und Meereswind. Er streckte Sven die Hand entgegen. Der Junge legte ihm sofort die Kugel in die Hand. Eine innere Stimme sagte ihm, dass sie dort gut aufgehoben sein würde.

"Ich bin Käptn Lukas.", stellte sich der Bärtige vor.
"Oh, der mit den vielen alten Seekarten!" Sven und Lara sahen sich an.
Was, wenn dieser alte Käptn doch einen Weg kennen würde, um von der Insel zu verschwinden?
"Ihr habt meine Karten gesehen? Wie kommen zwei Grünschnäbel wie ihr in mein altes Hotelzimmer, sakrakruz!"

Sven und Lara erzählten von Frau Neune, vom Ältestenrat und von dem, was in dem Zimmer des Ältestenrates passiert war. Sie schlossen ihre Geschichte mit ihrem Weglaufen und damit, dass der Bürgermeister Frau Neune in die Tiefe geschickt hatte.
„Kommt mit“, sagte der alte Kapitän und machte sich auf den Weg. Sie folgten ihm über zugewachsene Wege und verträumte Wiesen. Die Sonne lachte ihnen als wolle sie ihnen Mut machen. Der knorrige Seemann antwortete auf keine ihrer Fragen. Mürrisch entschlossen stapfte er durch das Gelände. Nach einer halben Stunde erreichten sie eine abgelegene, heruntergekommene Hütte. Sie betraten eine spartanisch eingerichtete, aber saubere Stube.

„Legt ab. Hier halte ich mich vor dem Wahnsinn auf der Insel versteckt“, brach der Kapitän sein Schweigen. Dann zog er die Kugel aus der Jackentasche. „Jetzt hole ich erst mal Frau Neune. Dann muss ich die Kugel verstauen, bevor die uns hier aufspüren können.“
Er strich mit der Hand über die Kugel. Der Raum wurde in blaues Licht getaucht und kurz darauf stand Frau Neune mitten im Zimmer.
„Was denkt sich dieser verrückt gewordene Irre. Ich bringe ihn um.“ Ihre Wut stand fast greifbar in dem kleinen Raum.
„Lassen sie mal, das übernehme besser ich“, ergriff der alte Mann wieder das Wort. „Sie und die Kinder werden ganz ausgehungert sein. Essen sie erst mal etwas und dann ruhen sie sich besser etwas aus. Der Aufenthalt in dieser blöden Kugel soll ja ganz schön anstrengend sein. Ich bringe die Kugel jetzt in ihr Versteck und dann gehe ich zum Bürgermeister. Sie haben ganz recht. Den muss jemand stoppen.“

Mit diesen Worten verließ er den Raum und stieg in den ersten Stock, allerdings nur, um 5 Minuten später mit einer Schrotflinte in der Hand das Haus zu verlassen. Der Kapitän hatte das Geschehen auf der Insel anfangs nur beobachtend verfolgt. Aber als er miterleben musste, dass der Bürgermeister versuchte, die Macht über die ganze Insel zu erlangen, konnte er sich nicht mehr zurückhalten. Gemeinsam mit Frau Neune und ein paar Mitstreitern gründeten sie ein Art Widerstandsbewegung. Ihnen wurde schnell klar, dass der Bürgermeister nur ein fremdbestimmtes Werkzeug war. Es war ihnen gelungen, Frau Neune in den Rat wählen zu lassen. Dadurch waren sie immer über die Pläne des Rates informiert gewesen. Lukas hatte dann versucht, hinter die Geheimnisse des großen Unbekannten zu kommen. Und das war ihm auch gelungen.

Der geheimnisvolle Unbekannte war in Wirklichkeit Kai Brunner. Ein Börsenspekulant, der das Geld seine Kunden an der Börse verzockt hatte. Seine Kunden waren ihm auf den Fersen, als er auf die Idee kam, sich auf Spiekeroog zu verstecken und erst mal Gras über die Sache wachsen zu lassen. Aber das Gefühlschaos in seinem Kopf und der Druck seiner Gläubiger hatten bei ihm eine, wohl immer schon latent vorhandene, Schizophrenie ausbrechen lassen. Und nach der Katastrophe haben ihm seine Stimmen eingeflüstert, dass jetzt eine gute Gelegenheit wäre, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Die Welt war plötzlich überschaubar geworden. Es war ein Leichtes für ihn, den Bürgermeister für seine Zwecke einzuspannen. Und so begannen sie, nach der Insel-, und damit der Weltherrschaft zu greifen. Mittlerweile hatte der Kapitän das Hotel erreicht. Er ging hinein, sah den Bürgermeister an einem Schreibtisch sitzen. Er war in irgendwelche Unterlagen vertieft. Langsam nahm er die Flinte unter der Jacke hervor, schließlich wollte er keinen Laut von sich geben.
.„Kapitän Lukas, was wollen sie denn mit dem Gewehr? Machen sie ja keinen Unsinn Mann. Wir können doch über alles reden. Sie werden doch nicht einen unbewaffneten Mann erschießen?“ Mist, der Bürgermeister war doch auf ihn aufmerksam geworden.

„Ich habe schon Schlimmeres gemacht. Aber bevor ich sie erledige: Haben sie die Eltern von Sven umgebracht?“
„Nein, das müssen sie mir glauben, ich war das nicht. Das war der Brunner. Der hat gemeint, dass wir die erledigen müssen. Das die sich immer gegen uns stellen würden. Und der war es auch, der die Neune einsperren ließ. Bitte glauben sie mir.“
„Ich glaube Ihnen“, antwortete Lukas, als er dem Bürgermeister plötzlich den Schaft des Gewehres über den Kopf haute.

„So, der wäre erst mal außer Gefecht gesetzt“, grinste Kapitän Lukas Sven an und wandte sich Frau Neune zu. „Entschuldigung, Madam, ich bin normalerweise nicht so brutal. Aber dieser saubere Herr musste jetzt erst einmal gestoppt werden. Los, Sven, Lara fesselt ihn, solange er noch ohnmächtig ist.“
Bei seinen Worten warf Kapitän Lukas Sven einen Strick zu. Der sprang auf, fing das Seil und machte sich sofort daran, den Bürgermeister wie ein hübsches Weihnachtspaket zu verschnüren.

Lara blieb dabei unbeweglich auf ihrem Stuhl sitzen, sie schien irgendwie in Trance zu sein. „Ich kann das alles nicht mehr fassen, nicht glauben, das kann doch alles nicht wahr sein, was hier passiert.“
Frau Neune, die von Laras monotoner Stimme alarmiert war, setzte sich zu dem Mädchen und streichelte ihr sacht über das Haar. „Das ist alles zu viel für Dich, Lara. Du fühlst Dich wie in einem Albtraum. Glaube mir, vorhin in der blauen Kugel ging es mir ebenso.“
Lara schaute Frau Neune an, doch ihr Blick schien durch die Apothekerin hindurch zu gehen. „Albtraum? Ja, genau das ist es. Ich glaube, wir sind alle in einem Albtraum.“
Sven war jetzt auch zu Lara getreten, nahm sie vorsichtig in den Arm. „Wir kommen hier schon bald weg. Lara. Dann ist der Albtraum zu Ende!“
Lara schüttelte den Kopf. „Nein, Sven, ich glaube, wir kommen hier niemals raus. Weil all das wirklich ein Traum ist, ein schrecklicher Traum, in dem wir gefangen sind.“
Sven blickte erstaunt auf seine Freundin. „Du glaubst, das hier ist gar nicht real, sondern nur ein Traum?“
„Ja, Sven. Bitte überlege doch einmal. Was wir hier erleben, ist so aberwitzig, so irr, so unrealistisch. So etwas gibt es doch nur in einem Traum. Das Wrack, die blaue Kugel, das fliegende Buch, der Kokon und ...“. Sie stockte. „Und was, Lara? Was ist noch für dich so unfassbar?“
Laras Stimme klang tränenerstickt. „Die Geburt“, flüsterte sie jetzt. „Die Kinder, meine Kinder ...“
Frau Neune streichelte Lara wieder. „Ja, Kind, das alles muss für Dich fürchterlich sein.“
Sven hielt immer noch den Arm um Lara geschlungen.
Aus den Augenwinkeln sah er, dass der Bürgermeister erwacht war. Doch er gab keinen Ton von sich. Genau wie Kapitän Lukas starrte er unverwandt auf Lara.

„Aber wenn Du recht hast, wenn das alles hier nur ein Traum ist, dann müssen wir bald aufwachen.“ Svens Stimme klang fast flehend. Lara schaute ihn lange an. „Ja, Sven, wir müssen aufwachen. Aber wir müssen erst herausfinden, wer von uns träumt. Träumen wir alle den gleichen schrecklichen Traum oder träumt nur einer von uns und die anderen sind nur Protagonisten in seinem Traum? Kannst du mir das sagen?“
„Also, ich träume jedenfalls nicht!“ Frau Neunes resolute Stimme erfüllte den Raum. „Ich habe gerade in meinen Arm gekniffen, und es hat höllisch wehgetan. Also bin ich wohl nicht die Schlafwandlerin. Es muss ein anderer sein, der diesen ganzen Irrsinn hier träumt.“

Misstrauisch musterte jeder den anderen. „Ich könnte mir vorstellen ...“, begann Kapitän Lukas jetzt, doch der Bürgermeister unterbrach ihn barsch. „So ein Blödsinn. Wäre ja schön, wenn ich das alles nur träumen würde, aber leider schneiden die Stricke so heftig in meine Arme und Beine, dass schon das Blut heraus läuft. Von wegen Traum, das tut höllisch weh.“
Kapitän Lukas schlenderte langsam zu dem gefesselten Bürgermeister. „Also gut, wenn sie versprechen, keine Dummheiten zu machen, werde ich die Stricke etwas lockern.“
„Nein, tun sie das nicht“, schrie Lara jetzt auf. „Er wird fliehen und dann geht der Albtraum weiter.“
Sven versuchte, Lara zu beruhigen. Aber in ihren Augen flackerte der Wahnsinn. „Sven, ich halte es nicht mehr aus. Ich werde verrückt. Ich kann schon nichts mehr fühlen, auch nicht, wenn ich mich kneife ...“

Sven bemerkte erst jetzt die Gestalt am Boden, mit dem Rücken an den Türrahmen gelehnt, scheinbar wehrlos und zusammengesunken, aber doch irgendwie stark und wie ein Wächter für bessere Zeiten. Zu seinen Füßen lagen ein Bündel um einen Wanderstock geschnürt und neben ihm, gerade noch in seiner Reichweite, eine Gitarre, mechanisch und oft begriffen. Auf dem Boden, wahllos verteilt, Blätter in Plastikhüllen mit Texten und Akkorden. Irgendwie erinnerte Sven das an eine Geschichte, die er nur von seiner Großmutter kannte. Sie hatte etwas mit Tante Gisi zu tun, bevor sie sich irgendwann nur noch Geez nennen lassen würde, angeblich wegen ihrer Prüfleserei als Lektorin und weil ihr neuer Freund sie damals gerne so nannte. So viel hatte er gerade herausbekommen damals. Viel mehr hatte sie ihm aber nicht erzählt, auch die Großmutter nicht. Damals hatte Tante Gisi auf ihrem Weg zur Arbeit in einer kleinen Passage zum ersten Mal diesen Straßensänger getroffen, mit dem sie später einen Teil ihres Lebens teilen würde. Sie konnte damals gar nicht fassen, wie tief angerührt sie von diesem Menschen war, der ganz im Einklang mit sich selbst schien und sich auf der Gitarre begleitete und in ihr Bilder von Begegnungen mit Menschen und Musik aufsteigen ließ, die lange verschüttet und zugedeckt waren, und das nicht nur bei ihr sondern auch bei anderen Passanten. So war es ihr jedenfalls deutlich klar geworden. Sie hatte gespürt, wie sich die Härchen auf ihren Armen aufrichteten in wehmütigem Schauer und süßem Schmerz, "goose bumps" hatte sie gehört. Seine magische Stimme hatte ihre Tränen durchgewinkt, die sie auch gar nicht vor ihm verbergen wollte. Beide hatten sich nur kurze Zeit angeblickt. Der Sänger kannte seine magische Kraft. Sie sollte ihm vertrauen, neben ihm auf Augenhöhe folgen. Er hatte ihr später dabei geholfen, den plötzlichen Tod von Onkel Paul zu verarbeiten, bei ihren nächsten Treffen und in den folgenden Jahren. Von Familie hatte er nicht viel gehalten, und so war es gekommen, dass Sven ihn nie kennen gelernt hatte. Leider, denn eigentlich mochte er seine Tante und hätte gerne auch mehr von ihrem neuen Freund erfahren.

Seine weißen Haare hielt er mit einem schwarzen Piratentuch bedeckt, über den Augenbrauen kreuzten sich die kreideweißen Knochen auf dem dunklen Grund. Er begann zu singen wie ein junger Mann, der noch etwas zu sagen hatte, jemandem, der es auch immer noch hören wollte. Sven versuchte, sich vorzustellen, dass der Sänger den Eingang zu einem Luftschloss bewachen könnte, das ihn einlud in seine Kin-dertage mit Peter Pan und Wendy, unbeschwert und nach Bedarf mit Wärme und Schutz der Eltern umgeben. Er formte seinen rechten Zeigefinger zu einem Rund, hob die Hand vor sein Auge und lugte durch den Kreis, wie um den den Sänger aus einer gewissen Ferne genauer betrachten zu können. Zu viel Nähe wollte er doch lieber nicht.

Für Sven schien er wie aus einer anderen Zeit dahergekommen. Seine Füße waren umwickelt mit Streifen aus Wolle, schwarz-gelb, selbstgestrickt und geschenkt von einem Fan. Seine schwarze Poison-Gitarre mit dem dunklen Gurt mit Totenköpfen zog er nun in seinen Arm wie eine Freundin aus alten Tagen, als hätte es diese Zeit danach nie gegeben. Und er begann zu singen, mit geschlossenen Augen und ohne auf die Noten zu schauen, sang, unbeschwert, wie einer am ersten Tag. Sven hörte von weitweg Annies Song, sah in das Blau hinter dem Sänger und wusste, dass an diesem Ort und hinter dieser Tür jederzeit etwas Besonderes geschehen könnte.

Der Sänger legte die seine Gitarre beiseite und blickte Sven an.
„Naa?!“, sagte er, „Deine Freundin ist aber ziemlich weggetreten, was? Soll ich sie mal aufwecken?“
„Lara geht es nicht gut, wie willst Du ihr denn helfen, wer bist Du denn überhaupt?“
„Ich bin Virtuellix, ein externes Hologramm des Traumaufzeichners, wollt ihr mich benutzen?“
„Benutzen?“
„Benutzen!“

Virtuellix schnappte sich sein Instrument und sprang auf und lief zu Lara.
„Laralein, ich sing für Dich...“ Und dann legte er los und sang von Laras Traum. Er sang von Spiekeroog von früher und von Spiekeroog von heute, vom fehlenden Festland und von der Ursache!
„Die Wahrheit liegt in Dir, Laralein! Die Ursache liegt in der falschen Wahrnehmung, der Rest der Welt ist noch da, man kann sie nur nicht sehen. Weil Spiekeroog eine Lichtsekunde vorgestellt wurde. Die Welt ist noch da! Die Welt ist noch da! Nur eben eine Lichtsekunde später. Der Brunner hat Spiekeroog vorgestellt, damit die Welt ihn nicht verfolgen und verurteilen kann.«
„Wie kann das sein?“ Laras Augen wurden klarer, sie sah Virtuellix nun direkt an.
„Das ist Dein Traum, Lara“, antwortete er und lächelte. Dann wurde seine Gestalt verschwommen, unwirklicher, durchsichtiger, wie eine Blase und aus der undeutlichen Blase entwickelte sich wieder etwas körperliches, wohlbekanntes, es entsprang der Blase dann das BUCH, das flatternde Buch, und auf dem Einband stand nun in blauen, blinkenden Lettern DEIN TRAUM.

„Schluss jetzt!“, entfuhr es Lara und sie sprang auf das Buch zu und schnappte es sich. Das Buch wehrte sich, es zappelte und rief tatsächlich um Hilfe.
„Hilf mir, Sven!“, schrie Lara, und Sven sprang auch hinzu und beide hielten das Buch fest. Kapitän Lukas trat herbei und las.
„Der Brunner war‘s, der Bürgermeister hat geholfen und beide sind sie SIE. Die blaue Murmel hat die Kraft die Lichtsekunden zu verschieben und sie auch wieder zurückzuschieben, und Spiekeroog wird wieder Spiekeroog im Hier und Jetzt sein!“

Endlich konnte sich das Buch befreien, es schlug wie wild mit seinen Flügeln und flog laut schimpfend zum Kamin und war hinfort.
„Was war das denn?“, sagte Sven und sah fragend in die Runde.
„Das ist Wurst“, sagte Lara, „wichtig ist, dass ich mich an mein Urwissen erinnern kann, woher ich das auch immer haben mag ... Wir brauchen die Murmel, sie hat die Kraft, uns wieder zurückzubringen, in unsere Lichtsekundenzeit.“
„Wer hat sie denn gerade?“, fragte Sven.
„Ich!“, antwortete Kapitän Lukas, der bei diesen Worten in seine Tasche griff und die blaue Murmel mit zwei Fingern hervorholte.
„Uii, die ist aber glitschig!“, und schon flutschte sie dem alten Seebären aus der Hand, nein, eher flog sie von selbst und zwar in Richtung auf den gefesselten Bürgermeister zu. Auf dessen erstauntem Gesicht formte sich ein großes „O“ aus seinem Mund. Und genau da flog die blaue Murmel nun hinein. Die Augen des Bürgermeisters quollen aus ihren Höhlen, als er die Murmel verschluckte. Dann atmete er tief ein und aus und blickte an seiner beachtlichen Wampe hinunter.
„Da!“, rief Kapitän Lukas und zeigte auf dem Bürgermeister, „sein Kopf wird ganz blau!“

Und tatsächlich die Kopfhaut des Bürgermeisters bekam eine blaue Färbung und sie pulsierte, wie eine Hauptschlagader, dann wurde das Pulsieren stärker und stärker, und der Kopf wurde immer runder, nahm selbst die Form einer Murmel an und diese Murmel wurden größer, so groß wie ein Korbball, der Bürgermeister schrie, dann wurde der Murmelkopf noch größer, so groß wie ein Medizinball und er schien sich auf der Schulterachse zu drehen, der Bürgermeister schrie nun nicht mehr, und dann platzte der Kopf mit einem dumpfen »Blong«, wie eine Melone, in der der ein Silvesterkracher explodiert. Alle blickten entsetzt und ratlos in die Runde.

„Und wo ist die blaue Murmel nun?“, fragte Sven.
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