Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Kapitel 22 - Traum oder Trauma?

„Und jetzt? Und jetzt? Wir werden nie wieder aufwachen! Wir werden nie wieder ein normales Leben führen! Wir werden immer hier gefangen bleiben. Wir können nichts mehr verschieben.“
Frau Neune und Sven sahen gleichzeitig zu der völlig hysterischen Lara. Dann ging Frau Neune auf sie zu, murmelte ein kaum hörbares „Sorry“ und scheuerte Lara eine ordentliche Backpfeife. Das lies Lara verstummen.
„Ich bin gegen Gewalt,“ sagte Frau Neune, „aber das ging jetzt leider nicht anders.“
Lara setzte sich leise schluchzend in eine Ecke.

„Und was jetzt?“ fragte Käptn Lukas. „Denn leider hat sie recht. Ohne die Kugel, können wir hier nicht mehr weg.“
„Ich meine, er hat sie doch verschluckt. Vielleicht, also, auch wenn der Kopf blau war und geplatzt ist ...“, meinte Sven.
Frau Neune blickte zu den Überresten des Bürgermeisters, würgte und rannte, so schnell, wie ihr es keiner zugetraut hätte zur Toilette, und übergab sich.

„Ich mach´s. Ihr geht alles raus. So´n alten Seebär haut doch nix um.“
Mit hängenden Köpfen verließen alle drei das Zimmer und standen im Gang des Hotels. Überall hatten sich Türen geöffnet und Menschen lugten neugierig hinaus.
„Was ist passiert?“ traute einer sich zu fragen.
Frau Neune hatte sich wieder gefangen und wurde wieder zu der Autoritätsperson, die wusste, was zu tun war.
„Meine lieben Bürger, bitte beruhigen Sie sich und gehen Sie in ihre Zimmer. Schalten Sie das Radio an. Wenn es Neuigkeiten gibt, dann erfahren Sie es dort zu erst.“
Mit leisem Gemurmel schlossen sich die Zimmertüren.

„Radio?“ fragte Lara. „Seit wann haben wir wieder Radio?
„Wer weiß, in einem Traum ist doch alles möglich. Vielleicht machen wir uns unsere eigene Realität. Vielleicht haben wir Einfluss auf unser Leben bzw. unseren Traum. Wünsch dir was und es passiert.“
„Ich wünsche mir frische Luft,“ rief Sven.

Beide nicken Sven stumm zu und gingen schnurstracks hinaus. Als sie an der Küche vorbei kamen, hörten sie ein Radio. Der Sprecher kündigte gerade schönes Sommerwetter an. Am Strand nahmen sie auf einem alten abgestorbenen Baum Platz, genossen die warme Sommerluft und warteten auf den alten Seebären und gute Nachrichten.

Der Kapitän kam aber nicht so bald zurück, wie die Drei erwartet hatten. Also setzten sie sich auf die Steinquader, die die Zufahrt zum Hotel zierten, und ließen ihre Gedanken kreisen. Sven sah zum Horizont, er dachte an die letzten Ereignisse. Er schüttelte den Kopf, als könnte er somit die düsteren Gedanken los werden. Ihn beschäftigte eine andere Sache.

Wenn das alles ein Traum war, der Traum von Lara, wieso fühlte es sich dann so echt an. Warum empfand er dann eine ganz reale Angst um Lara? Es war doch allseits bekannt, dass ein Traum niemandem wirklichen Schaden zufügen konnte. Im Traum konnte keiner sterben, man wachte doch auf, wenn man im Traum zu Tode kam ... wenn das zutraf, dann war der Bürgermeister noch am Leben und weiterhin unter der Kontrolle von IHM. Außerdem, wenn es nicht sein eigener Traum war, wie konnte er dann hier sein ... War es wirklich möglich in einem Traum gefangen zu sein?

Aber nicht nur Sven war in Gedanken versunken, auch Lara grübelte über ihre Situation. Sie war nun sicher, dass es wirklich ein Albtraum war, in dem sie mit Sven und Frau Neune gefangen war. Ihr eigener Albtraum, aber was hatte ihn hervorgerufen? Sie hatte einmal gelesen, dass Albträume oft dazu dienten, verborgene und verdrängte Ängste auszuleben. Aber welche gottverdammte Angst, sei sie auch noch so tief in ihr verborgen, konnte dafür verantwortlich sein, so ein skurriles Szenario zu erschaffen? Und was geschah in der Realität, während sie diesen Drogenrausch träumte? Und überhaupt, war die Realität überhaupt so lebenswert?

Wie war es denn in der wahren Welt, sie alle saßen auf einer Insel fest, als Überlebende einer grausamen Katastrophe. Vielleicht war diese Traumwelt gar nicht so schlecht, man konnte sie schließlich beeinflussen. Wie man anschaulich am Erscheinen des Radios gesehen hatte. Sicher konnte man diese Welt noch mehr verändern, wenn man sich nur ausreichend darauf konzentrierte. Bestimmt konnte sie all das Schreckliche einfach wegträumen, konnte sich ein Paradies erträumen.

Ein wunderschönes Haus hinter dem Deich, einen Hund als Haustier, an ihrer Seite Sven als ihr treuer Ehemann und ganz normale Kinder, die nicht schneller wuchsen als von der Natur vorgesehen. In dieser Welt wären auch Svens Eltern nicht tot, sie würden noch Leben und wunderbare Großeltern abgeben. Sie schloss die Augen, um sich an dieser Vorstellung eine Zeit lang zu weiden, als plötzlich ein Bellen ertönte.

Lara riss die Augen auf, sie war nicht mehr vor dem Hotel, indem der Bürgermeister mit geplatztem Kopf lag, sie saß auf einer Veranda. Vor ihr auf dem Tisch ein geschmackvolles Teeservice. An ihrer Hand spürte sie plötzlich etwas Feuchtes. Sie sah zum Boden und da saß ein Hund, der ihre Hand leckte.

Sven fixierte mit verengten Augen einen Punkt am Horizont, der blauer leuchtete als der Himmel selber. Er raste direkt auf seine zugekniffenen Augen zu. Sven wollte rufen, aber seine Stimme versagte ihm den Dienst. Er blinzelte geblendet, Hände packten ihn an den Schultern, drückten ihn hart zurück und eine Stimme rief: „Er ist wach, Kommandant!“

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