Der himmelblaue Schmengeling
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Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Spiekeroogyssee

Kapitel 17 – Der Schlüssel

Mi, 03.06.2009, 9.45 Uhr

„Wir müssen zuerst das Ritual durchführen!“ Frau Neune schob Lara energisch in die Mitte des Raumes.
„SIE haben schon zu oft versucht, uns zu manipulieren.“
„Frau Neune, wir haben das Ritual bereits durchgeführt. Deshalb ist Bernd jetzt hier.“ Sanft aber bestimmt sorgte Sven dafür, dass sich Frau Neune setzte.
„Lassen Sie mich erzählen und wenn Sie mir nicht glauben, können wir das Ritual immer noch durchführen.“
Und so begann Sven zu erzählen von der Geburt und dem schnellen Heranwachsen der Kinder, vom Schiff und dem Kapitän, der Kugel der Zeit und dem Schlüssel der Sperren und nicht zuletzt natürlich auch von dem Buch. Nur den Teil mit dem Kuss zwischen Bernd und Laras Tochter ließ er aus. Aus dem Augenwinkel konnte er Bernds dankbaren Blick auffangen.

Als Sven seine Geschichte beendet hatte, war es still im Raum. Erst nach einer ganzen Weile vernahm er Laras leise Stimme: „Ist es vorbei?“
Was sollte er darauf antworten? War es vorbei? Er wusste es nicht.
Noch bevor er jedoch zu einer Antwort ansetzen konnte, räusperte sich Frau Neune.
„Anscheinend haben wir die Zeitschleife durchbrochen. Ich glaube aber, dass wir sie nur beendet haben und dass das, was bei dem ersten Ritual passierte, noch real ist. Denn wenn dem nicht so wäre, gäbe es ja Mikael nicht und Sven, du hättest nicht das Buch.“

Lara setzte sich neben Sven und schmiegte sich an ihn. Es tat ihm nach der ganzen Aufregung gut, sie wieder so dicht neben sich zu spüren. Als er seinen Arm um ihre Schultern legte, war die Welt für einen Moment wieder in Ordnung. Lara lehnte ihren Kopf an ihn.
„Es ist gut, dass Mikael noch da ist, oder? Er kann uns leiten und uns sagen, was wir tun müssen.“
„Ich weiß nicht so gut wie ihr, was passiert ist“, unterbrach Bernd sie, „und das meiste verstehe ich auch gar nicht. Aber wenn der Junge noch, na ja, existiert, dann müsste doch auch das Mädchen noch da sein, oder?“

Für einen Moment war Svens Welt in Ordnung gewesen. Doch Bernds Frage holte ihn zurück in die Wirklichkeit. Die vier sahen sich im dämmrigen Licht betreten an.
Sven atmete tief ein. „Also, wir haben die Koordinaten. Und das Buch wird uns helfen, dorthin zu kommen. Davon bin ich überzeugt. Wir müssen nur die richtige Seite finden.“

Er legte das Buch auf den Boden und hob den Deckel an. Das Buch ließ sich tatsächlich aufschlagen. Die vier beugten sich darüber und im schwachen Licht lasen sie:
Britta Blaesius„Zurück zum Anfang – der Weg führt durch ein Labyrinth. Wer sich einmal auf diesen Pfad begibt, wird entweder den Anfang finden, oder auf ewig umherirren.“
Schon wieder so eine Weissagung. Was sollte noch alles kommen? Werden sie je am Ziel ankommen, oder wird es dort nur wieder weitere Wegweiser und Hindernisse geben? Konnten sie sich etwa mit den vorhandenen Koordinaten den Weg durch ein Labyrinth bahnen? Sven dachte laut nach: „Wie war das noch: 53° 42 N, 7° 42` O`. Das sind die Koordinaten des Festlands, der Küstenstreifen südlich der Insel, Neunharlingersiel! Der Ursprung der Flaschenpost. – ABER NATÜRLICH!!“
Die Gedanken in Svens Kopf überschlugen sich. Frau Neune, Bernd und Lara starrten wie gebannt auf Svens Lippen.
„Das könnte es sein: Zurück zum Anfang bedeutet der Ursprung der Flaschenpost. Das bedeutet auch, dass wir denjenigen finden müssen, der sie auf den Weg geschickt hat. Und vermutlich werden wir bei ihm Antworten auf unsere Fragen finden und vielleicht sogar herausfinden, wer meine Eltern getötet hat.“ Sven hielt inne. Sein Blick war ins Leere gerichtet.

Lara löste sich abrupt aus ihrer Starre und packte ihn bei den Schultern, als wolle sie ihn wach rütteln. „Wieso sagst Du ER, es kann doch genauso gut eine SIE sein. Bernd hat Recht: wenn Mikael noch da ist, könnte unsere Tochter auch noch da sein. Es könnte doch auch sein, dass sie die Urheberin der Flaschenpost ist und uns alle in die Irre führen will.“
Sie blickte abwechselnd in die fragenden Gesichter der anderen, hoffte auf Zustimmung. Aber niemand sagte etwas. Beinahe resigniert ließ sie Svens Schultern los und senkte den Blick. Schweigen. Man konnte förmlich hören, wie jeder seine Hirnwindungen durchforstete, einen klaren Gedanken zu fassen, um Licht ins Dunkel dieser verfahrenen Situation zu bringen.

Frau Neune durchbrach die Stille. „Ich denke nicht, dass es uns weiter bringt, Vermutungen anzustellen. Vielmehr sollten wir jetzt die Dinge in die Hand nehmen. Wir haben sowieso keine Wahl. Ich glaube auch nicht, dass wir die richtige Seite finden müssen, sondern wie sagt man so schön: der Weg ist das Ziel.“
Sie wandte sich an Sven, umfasste seine Wangen sanft mit ihren Händen und suchte seinen Blick. „Sven, ich bin jetzt davon überzeugt, dass wir das Ritual nicht wiederholen müssen. Du bist derjenige, der uns hier herausführen wird. Wir haben es doch gelesen: der Weg führt durch ein Labyrinth. Also werden wir diesen Weg nehmen. Vorausgesetzt, wir finden dieses Labyrinth.“
Sie ließ von Sven ab und blickte in die Runde.
„Das ist wohl wahr“, unkte Bernd, der sich jetzt vor Frau Neune aufbäumte. „Wie ist denn Ihre Theorie, wenn wir das Labyrinth nicht finden?“
„Es ist doch ganz einfach.“ Sven schob sich zwischen Bernd und Frau Neune. „Wir haben den Schlüssel der Sperren. Er funktioniert nur, wenn man etwas wirklich öffnen will. Richtig?“
Lara wusste sofort, worauf er hinaus wollte und nickte ihm freudestrahlend zu.
„Dann tretet bitte alle mal zur Seite.“ Mit einer großen Geste bedeutete er den anderen, sich um das Pentagramm zu stellen und wies sie an, sich an den Händen festzuhalten. Er selbst kniete sich auf den Dielenboden und legte das Buch in die Mitte des Pentagramms. Dann zog er den Schlüssel hervor.
„Ich werde jetzt gleich den Schlüssel in das Schloss dieses Buches stecken und umdrehen. Wenn meine Theorie stimmt, müsste sich uns das Tor zum Labyrinth öffnen …“
„… und wenn nicht?“ stieß Bernd laut hervor. Ihm war sichtlich unwohl bei diesem Gedanken. „Was ist, wenn sich das Tor …“ Doch Sven hatte den Schlüssel schon in das Schloss gesteckt und umgedreht.
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