Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Messe-Tagebuch: "Glücklich und erschöpft“ 23.10.2009
Der Dix Verlag aus Düren gehörte zu den Neulingen in Frankfurt. Verlegerin Elke Fettweis hat für den Börsenverein Messe-Tagebuch geführt – am Acht-Quadratmeter-Stand.

Messe-Dienstag

17 Uhr 30: Er steht! Natürlich steht er, würde unser Messegestalter Volker Bülow darauf sagen. Dennoch, für mich ist es etwas Besonderes. Das erste Mal eben! Der erste Messestand des vor zwei Jahren gegründeten und jetzt mit 15 Buchtiteln aufwartenden DIX Verlages. Die erste Vorschau, die erste Messe, die ersten 5 Bilderbücher, die ersten 7 illustrierten Kinderbücher und die ersten drei Titel für Erwachsene. Das erste Mal! So unser Slogan für 2009.

Messe-Mittwoch

8 Uhr 30: Meine Mitarbeiterin Martina Weis und ich rutschen alles vom Vorabend noch ein bisschen hübscher zurecht. Typisch fürs erste Mal, denken sicher die anderen um uns herum.

9 Uhr 30 bis 18 Uhr: im 30-Minuten-Rhythmus Gespräche mit Autoren und Illustratoren, Foto-Shootings und Pressetermine, Treffen mit Buchhändlern und Bibliothekaren. Alles auf acht Quadratmetern Raum.

18 Uhr 30: Unseren ersten Messetag haben wir bestanden. Immerhin. Ein Buchhändler-Ehepaar aus Zürich kommt noch schnell an den Stand, um Grüße auszurichten. Grüße von Leuten aus meiner Heimat, deren Namen sie vergessen haben, die am Tag zuvor aber in Zürich zu Gast waren und sie auf den neuen Verlag aufmerksam gemacht hatten.

Messe-Donnerstag

13 Uhr 15: der 30-Minuten-Rhythmus wird unschön unterbrochen. Unserem chinesischen Autor Liu Zhenyun („Taschendiebe“) und seiner Frau und Tochter wurden am Flughafen auf dem Weg zur Messe alle Wertsachen und Pässe gestohlen. Wann er am DIX-Stand ankommen wird, ist jetzt fraglich.

14 Uhr 50: Er ist da! Herzliches Umarmen, schnell der aktuelle Stand der Situation ohne Dolmetscher, dafür mit Händen und Füßen, denn Englisch spricht er kaum. Dann geht’s schon los mit dem Drehtermin für ihn bei der Deutschen Welle TV und danach mit dem DPA-Fototermin. Erst am nächsten Tag scherzt er über den Vorfall, dass man ihn doch auch mit netteren Mitteln im Land halten könne, als durch einen Taschen-Diebstahl. Er kommt eben aus der Gegend Chinas, der man die humorigsten Bewohner nachsagt!



Messe-Freitag

7 Uhr 20: „Hast aber ’n näggisches Täschchen“, hesselt die blondierte Mittsechzigerin am Zeitungsstand und reicht mir die Tageszeitung für meine tägliche Bahnfahrt zur Messe. Die Vertrautheit freut mich, ich gehöre schon dazu! Ihr dreischnüriges „Perlekätsche“ klimpert im Takt, wenn sie das Wechselgeld rausgibt.

11 Uhr: Autorengespräch bei ARTE mit „unserem“ Liu Zhenyun. Er sieht mich und winkt vom Podium; spontan und herzlich – nach vier Wochen Deutschlandaufenthalt und zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen haben wir nicht nur ein gemeinsames Buchprojekt, auch unsere Familien haben sich angefreundet.

11 Uhr 50: Das Reißverschlusssystem an der Rolltreppe Richtung DIX Stand spült Günter Grass auf die Treppenstufe vor mir. Die Kamera hinter „uns“ – Grass und mir – beweist, dass er es wirklich ist.



Messe-Samstag

8 Uhr 10: In der Bahn zur Messe fragt doch tatsächlich eine Frau, was denn aktuell für eine Messe laufe. Als ob es nicht die ganze Welt wissen muss, dass jetzt Buchmessenzeit ist. Ich frage mich. ob das vielleicht noch mehr Menschen gar nicht wissen?!

19 Uhr 20. Die Garderobieren haben es fast geschafft für heute, sitzen wie auf der Hühnerleiter und reden über Bücher! Wer hätte das gedacht?!



Messe-Sonntag

14 Uhr: Meine zehnjährige Tochter ist schon seit Wochen scharf auf ihren ersten Buchmessebesuch und spart Taschengeld für Bücher. Endlich ihr Einlass in die heiligen Hallen.

17.30 Uhr: der Lautsprecher kündet das Ende der diesjährigen Messe. Alle um uns scheinen glücklich und erschöpft. Mit den Standnachbarn wird angestoßen, bevor es ans Packen geht.

20 Uhr: acht Quadratmeter Leere glotzen mich still und stumm an. Der Vorhang ist gefallen. Für DIX Verlag & PR ist das erste Mal zu Ende. Und auch wenn man es jetzt im Moment noch nicht wirklich wahrhaben will: auch 2010 gibt es wieder eine Frankfurter Buchmesse – nach der Leipziger... Beruhigenderweise haben wir die neuen Messe-Anmeldeunterlagen ja alle schon im Gepäck!



Nach-Messe-Montag

10 Uhr: wir stellen uns die Frage aller Frage: ‚hat es sich gelohnt?’ Ja, es hat sich gelohnt, weil man die Chance hat, international all die Menschen der Buchbranche persönlich zu treffen, die man sprechen möchte oder muss; … weil es eine ideale Gelegenheit ist, sich zu präsentieren und in direkten Kontakt mit Kunden und Multiplikatoren (Fachbesuchertagen) und auch Endkunden (Publikumstagen) zu treten. Niemand von uns aber sollte vergessen, dass die FBM ein Mikrokosmos ist, der nicht das reale Leben widerspiegelt. Hier lieben alle das Buch und sind bereit, dafür Geld auszugeben. Außerhalb der Messe erwartet uns wieder der raue Wettbewerb, in dem unsere Bücher nicht nur mit anderen Büchern, sondern mit anderen Produkten konkurrieren müssen. Da jeder Endkunde bekanntlich sein Geld nur einmal ausgeben kann, muss – und das ist meine feste Überzeugung – mehr in Sachen Kundenservice und Kundenbindung, aber auch in Sachen Marketing getan werden, damit der Käufer beim Stadtbummel die Buchhandlung betritt und sein Portemonnaie zückt und nicht im Laden mit den Dekoartikeln, mit den Musik-CDs, in der Parfümerie sein Geld lässt. Wir aus der Buchbranche müssen bei ihm die Lust auf das Buch im Allgemeinen und auf den tatsächlichen Kauf unserer Bücher im Speziellen wecken. Er soll nicht aus bloßer Notwendigkeit ein Büchlein kaufen und sein Geld ansonsten für andere Artikel ausgeben. Er soll mit dem Buch unterm Arm glücklich nach Hause gehen. Wie auch andere Branchen müssen wir daran arbeiten, und dabei auch bewusst darauf abzielen, uns ein größeres Stück vom Käuferkuchen zu erobern. Das Buch ist eben nicht nur schönes Kulturgut, sondern auch eine Ware, und wir alle leben von deren Verkauf. Wir können die Käuferwelt nicht verbessern, und belehren lässt sie sich auch nicht von uns. Wir müssen folglich auf die Wünsche des Kunden hören! Verlage auf Buchhändler und Buchhändler auf Endkunden.

Kontakt:

Dix Verlag
Am Hinzenbusch 22
52355 Düren
www.dix-verlag.de

Quelle: Börsenblatt online

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