Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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Die hohe Kunst der Konversation mit Autoren 07.03.2010
Wer es nicht gewohnt ist, tagtäglich mit Schriftstellern ins Gespräch zu kommen, macht sich oft falsche Vorstellungen. Unerfahrene Veranstalter und Buchhändler geraten nicht selten in spontane Sorge, sobald ein Lesungstermin naht und man sorgsam damit beginnt, den Ablauf eines solchen Ereignisses zu planen. Haben sich glücklicherweise bei Anreise, Unterbringung und der Lesung selbst keine Komplikationen ergeben, gilt es, den Rest des Abends anständig über die Bühne zu bringen – bis zu jenem Moment, da der ermattete Autor kurz vor Mitternacht ein Schlaf­bedürfnis äußert.
Ehe es freilich zu diesem harmonischen Ausklang kommt, geht es darum, Gespräche zu führen, den melancholischen Autor, die aufgekratzte Autorin bei Laune zu halten. Aber womit? Sich allein den angebotenen Speisen und alkoholhaltigen Getränken zu widmen genügt selten – es bedarf nicht minder gepflegter Konversationsthemen.
Und gerade da tut sich die Falle auf, in die Literaturveranstalter gern treten. Denn nicht wenige unter ihnen unterliegen dem Irrtum, Autoren, die ja in der Regel den Ruf des Intellektuellen genießen, mit besonders anspruchsvollen Sujets zu fordern. So überschlägt man sich darin, bei Tisch sofort gehobene ästhetische Diskurse zu eröffnen, sich über das metaphorische Spektrum im Frühwerk der Nobelpreisträgerin Herta Müller auszulassen, die unsägliche Verflachung des Fernsehprogramms zu beklagen, vor der Selbstauf­lösung der Literatur durch das Internet zu warnen oder die weltkulturellen Folgen des Schweizer Minarett-Votums aufzumalen.
Gewiss, man wird Autoren finden, die nach einer Lesung freudig über solche Themen debattieren und sich nie unter ihr eigenes Niveau begeben. Doch meine Erfahrung sagt mir, dass sich bei Gästen, die froh sind, ihre Lesung heil überstanden zu haben, Erleichterung einstellt, wenn das Tischgespräch in leichtes Fahrwasser gerät und man stillschweigend übereinkommt, das Ausleuchten literaturtheoretischer Finessen all denen zu überlassen, die unbedingt ihre intellektuelle Kompetenz ausstellen wollen.
Wie glücklich sind Schriftsteller oft, wenn ein Veranstalter mutig die Niederungen der Alltagskultur betritt, dazu einlädt, über die Aufstiegschancen des FC St. Pauli nachzusinnen, einen Witz zu erzählen, Mietpreise in deutschen Großstädten zu vergleichen, sich an Kindheitserlebnisse mit Almdudler und Maoam zu erinnern oder die Leistungsfähigkeit von Internetversendern zu erörtern. Dann fliegen die Gesprächsbälle hin und her, dann fällt alles Schwere vom Autor ab.
So wie neulich, als in geselliger Nachlesungsrunde ein hoch angesehener philosophischer Autor seinen Zuhörern sehr anschaulich die Unterschiede zwischen gepökelter und geräucherter Rinderzunge erläuterte und mit zitternd erregter Stimme davon berichtete, wie die Nicht-Kenntnis dieser kategoriellen Differenz erhebliche Komplika­tionen bei der Rinderzungenzubereitung nach sich ziehe. So wie er es beim Zusammensein mit einem niederländischen Kollegen erlebt habe, der übrigens ein ausgesprochen strenges Küchenregiment führe ...
Was war das für ein schöner Abend – und das, obwohl ich dem Verzehr von Rinderzunge eigentlich sehr reserviert gegenüber­stehe.

Quelle: Börsenblatt online

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www.boersenblatt.net

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