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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Buchtage Berlin: "Ein Roman ist eine Flaschenpost" 14.06.2010
Es wurde genetzwerkt, gefeiert, getanzt - zwischen all dem gab es gestern Abend auf der 2. Berliner B├╝chernacht gro├čartige Veranstaltungen, bei denen die Autoren im Mittelpunkt standen. Etwa die von B├Ârsenvereins-Justitiar moderierte Doppellesung der Schriftsteller Martin Mosebach und Sten Nadolny mit dem Titel "Auftragsarbeiten".

"Als Autor kann man sich nicht immer auf das Herauspressen von Herzblut verlegen", sagte Martin Mosebach schmunzelnd auf die Frage von Christian Sprang, ob sich Auftragsarbeiten f├╝r ihn denn lohnten und was ein Schriftsteller au├čer einem ganz ordentlichen Honorar denn noch davon habe, im Auftrag anderer zu schreiben. Auftragsarbeiten seien f├╝r ihn eine Art Lockerungs├╝bung, "wie Patience legen", sagte Mosebach. Auftr├Ąge seien ein ganz wichtiges Element im Leben eines Schriftstellers. "Als Schriftsteller schreibt man ins Leere. Ein Roman ist eine Flaschenpost. Die wirft man ins Meer und hofft, dass sie zu den Lesern finden." F├╝r den Schriftsteller Sten Nadolny sind Auftragsarbeiten vor allem mit Lernen verbunden. Man k├Ânne grunds├Ątzlich ├╝ber alles schreiben und durch Auftragsarbeiten die Erfahrung machen, "dass es grunds├Ątzlich auf Erden nichts Uninteressantes gibt". Aus einem vortrefflichen Zeugnis dieser Erfahrung - ein Editorial zu den Themen Getriebe und Bremskl├Âtze (aus dem Buch "Von Bewegung und Dynamik") - las Nadolny schlie├člich vor. Nicht ohne vorher in Richtung seines Kollegen zu rufen: "Mosebach hat auch mal f├╝r die Firma gearbeitet und ich hab' gedacht, wenn der Mosebach das gemacht hat, dann kann ich das auch machen." Mosebach ging kurz auf den nett gemeinten Seitenhieb ein. Gegen die Auftragsarbeit sei nichts einzuwenden gewesen, nur vom Titel sei sein Auftraggeber nicht abzubringen gewesen. "Von der Rolle des Papieres" h├Ârt sich f├╝r den Schriftsteller einfach zu sehr nach Klopapier an. In Nadolnys Editorial ging es dann vor allem um die Lust an der Katastrophe, denn "nichts bleibt l├Ąnger in Erinnerung als ein bildhafter Totalschaden", so Nadolny, der von seinem Schriftstellerkollegen daf├╝r gelobt wurde: "Nadolny hat ein Meisterst├╝ck der subversiven Bedienung des Kunden geschrieben", so Mosebach. Worauf Nadolny gerne zugab, dass Schmuggeln nun mal am meisten Spa├č mache.

Beste Abendunterhaltung bot dann auch die Lesung Mosebachs aus seiner Arbeit ├╝ber den ehemaligen Eintracht Frankfurt Fu├čballer Anthony Yeboah aus Ghana. Dazu muss man Mosebachs erste Reaktionen auf die Auftragsarbeit beachten: "Fu├čball war die absolute Tabularasa. Da war gar nichts. Ich m├Âchte mal sagen, noch nicht mal Desinteresse", so Mosebach. Doch der Schriftsteller wusste sich zu helfen. Schlie├člich war sein Roman "Westend" zu der Zeit gerade bei den Lesern durchgefallen und Mosebach auf der Such nach Arbeit. Kurzerhand nahm er seinen Stiefsohn, "den einzigen Fu├čballexperten, den ich kannte", an die Hand und ging mit ihm ins Waldstadion, um sich die Hauptfigur seiner n├Ąchsten Geschichte aus der N├Ąhe anzusehen.

Auch wenn Nadolny die Veranstaltung mit einer Lesung aus seinem Familienportr├Ąt der Ullstein-Dynastie schloss und damit inhaltlich wieder n├Ąher an die Buchwelt r├╝ckte, am Ende dieser kurzweiligen Lesung bleibt der Wunsch, Schriftsteller sollten unbedingt mehr ├╝ber Dinge schreiben, von denen sie eigentlich keine Ahnung haben.

Sabrina Gab

Quelle: B├Ârsenblatt online

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