Madrigal für einen Mörder
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Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Literaturnobelpreis an Orhan Pamuk 13.10.2006
Die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm hat den Nobelpreis für Literatur 2006 an den türkischen Schriftsteller und Friedenspreisträger Orhan Pamuk vergeben. Bei uns finden Sie auch ein umfangreiches Porträt und ein ausführliches Interview des Schriftstellers.

"Ich freue mich sehr für Orhan Pamuk über diese Auszeichnung der schwedischen Akademie“, sagt Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins. "Der Börsenverein fühlt sich durch diese Entscheidung auf das Schönste bestätigt: Nach dem Friedenspreis erhält Orhan Pamuk nun mit dem Literaturnobelpreis die zweite große Auszeichnungen innerhalb eines Jahres. Das ist ein Glücksfall für den Autor, den deutschen Buchhandel und für den Leser, der auf diese Weise zweifach auf Orhan Pamuk und seine welthaltigen Romane verwiesen wird.“

Orhan Pamuk erhielt im Oktober letzten Jahres in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In der Begründung hieß es damals unter anderem: "So eigenwillig das einzigartige Gedächtnis des Autors in die große osmanische Vergangenheit zurückreicht, so unerschrocken greift er die brennende Gegenwart auf, tritt für Menschen- und Minderheitenrechte ein und bezieht immer wieder Stellung zu den politischen Problemen seines Landes.“

Die Wahl sei auf Pamuk gefallen, weil er "auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden hat", begründet der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie die Würdigung.

Orhan Pamuk wurde am 7. Juni 1952 in Istanbul in einer wohlhabenden, säkularisierten Familie der Mittelklasse geboren. Sein Vater war wie Onkel und Großvater väterlicherseits Diplom-Ingenieur. Der Großvater hatte den Grund für das Familienvermögen gelegt. Während seiner Jugend wollte Pamuk Maler werden. Er machte sein Abitur am Robert College und studierte danach an Istanbuls Technischer Universität Architektur und Journalistik an der Universität in Istanbul. 1985-1988 hielt er sich in den USA auf, war Gastforscher an der Columbia University in New York und hielt sich für kürzere Zeit an der University of Iowa auf. Er wohnt in Istanbul. Pamuk hat berichtet, daß er in seiner Jugend den Wechsel von einem traditionellen ottomanischen Familienleben zu einem eher westlich orientierten Lebensstil erlebt hat. Darüber schrieb er seinen ersten veröffentlichten Roman, eine Familienchronik mit dem Titel Cevdet Bey Ve Ogullar? (1982), die im Geiste Thomas Manns die Entwicklung einer Familie durch drei Generationen hindurch schildert.

Sein zweiter Roman Sessiz Ev (1983) schildert aus fünf verschiedenen Erzählperspektiven eine Situation, in der einige Familienmitglieder ihre gealterte Großmutter in einem populären Kurort besuchen, während sich die Türkei gleichzeitig am Rande eines Bürgerkriegs befindet. Es ist 1980. Die politischen Diskussionen der Enkel und der Umgang mit ihren Freunden spiegeln ein gesellschaftliches Chaos wider, in dem verschiedene extremistische Organisationen um die Macht kämpfen.

Mit seinem dritten Buch Beyaz Kale (1985; Die weisse Festung, 1990) setzte sich Pamuk international durch. Formal gesehen ist es ein historischer Roman, der im Istanbul des 17. Jahrhundert spielt, aber sinngemäß vor allem eine Erzählung darüber, wie unser Ich aus Erzählungen und Fiktionen verschiedener Art aufgebaut ist. Die Persönlichkeit erscheint als eine veränderliche Konstruktion. Der Protagonist der Erzählung, ein Venezianer, der dem jungen Gelehrten Hodja als Sklave verkauft wurde, trifft in Hodja auf sein Spiegelbild. Als die beiden Männer einander die Geschichte ihres Lebens erzählen, tauschen sie ihre Identität. Vielleicht ist es auf einer symbolischen Ebene der europäische Roman, der gefangengenommen wurde und eine Vereinigung mit der fremden Kultur eingegangen ist.

Pamuk ist in seiner Romankunst für sein Spiel mit Identitäten und dem Doppelgängermotiv bekannt. Eine vergleichbare Problematik findet sich auch in seinem Roman Kara Kitap (1990; Das schwarze Buch, 1995) wieder, in dem der Protagonist im Gewimmel Istanbuls nach seiner verschwundenen Frau und ihrem Halbbruder sucht, mit dem er so allmählich seine Identität tauscht. Die zahlreichen Hinweise auf die mystische Tradition des Morgenlandes läßt es als natürlich erscheinen, das Geschehen aus einer sufistischen Perspektive aufzufassen. Kara Kitap bedeutete einen endgültigen Bruch mit dem Sozialrealismus, der in der türkischen Literatur vorherrschend gewesen war. In der Türkei verursachte er nicht zuletzt durch seine Anküpfung an den Sufismus eine Debatte. Mit Ausgangspunkt in dem Roman schrieb Pamuk das Drehbuch zu einem Film, Gizli Yüz (1992). Seine Werke wurden bislang in 34 Sprachen übersetzt und in über 100 Ländern veröffentlicht.

Werke auf deutsch:

Die weisse Festung / Aus dem Türk. übertr. von Ingrid Iren. – Frankfurt am Main : Insel, 1990. – Originaltitel: Beyaz Kale

Das schwarze Buch / Aus dem Türk. von Ingrid Iren. – München : Hanser, 1995. – Originaltitel: Kara Kitap

Das neue Leben / Aus dem Türk. von Ingrid Iren. – München : Hanser, 1998. – Originaltitel: Yeni Hayat

Rot ist mein Name / Aus dem Türk. von Ingrid Iren. – München : Hanser, 2001. – Originaltitel: Benim Adim Kirmizi

Schnee / Aus dem Türk. von Christoph K. Neumann. – München : Hanser, 2005. – Originaltitel: Kar

Der Blick aus meinem Fenster : Betrachtungen. – München : Hanser, 2006

Als Fischer Taschenbuch sind lieferbar "Das neue Leben", "Das schwarze Buch" und "Rot ist mein Name".

Das BÖRSENBLATT hatte in einer Online-Umfrage, an der sich 490 Leser beteiligt haben, nach ihrem persönlichen Favoriten gefragt. Orhan Pamuk kam dabei auf acht Prozent, 36 Teilnehmer haben sich für den türkischen Schriftsteller entschieden. Favorit unter den Online-Lesern war Philip Roth (32 Prozent).

Hier das Ergebnis unserer Online-Umfrage:

Philip Roth (32 Prozent)
Amos Oz (26 Prozent)
Joyce Carol Oates (21 Prozent)
John Updike (11 Prozent)
Orhan Pamuk (8 Prozent)

Quelle: Börsenblatt online

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