Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
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In diesem Buch präsentiert sich die erfahrene Dortmunder Autorinnengruppe Undpunkt mit kleinen gemeinen und bitterbösen Geschichten.
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Buchhandel: Österreich, du hast es besser 30.07.2010
In der Alpenrepublik floriert der Buchhandel. Weil Leser das Leben leichter nehmen. Von Jochen Jung.

Nein, an den Bleistiften kann es nicht liegen. Auch nicht an den Schulheften, die man in so mancher österreichischen Buchhandlung kaufen kann. Dass der Umsatz im österreichischen Buchhandel in den letzten beiden Jahren generell deutlich über dem deutschen lag und immer noch liegt, muss andere Gründe haben. Denn Papeterie-Abteilungen hat es in der österreichischen Provinz lange schon gegeben, und der Grund war natürlich nicht die Früherziehung zum Heimat-Dichter, sondern die simple Tatsache, dass viele Buchhandlungen am Land auch mit Papierabteilung zwar zu wenig zum Leben, aber wenigstens zu viel zum Sterben umgesetzt haben.
Leider, leider ist es auch nicht so, dass in Österreich in letzter Zeit die Lesewut ausgebrochen ist als eine Abart der Tollwut wegen "Bis(s) zum Morgengrauen" etc.
Nein, die Österreicherinnen und Österreicher lesen genauso wenig wie vorher respektive wie die Deutschinnen und Deutschen in Deutschland.
Auch die Vorstellung, dass in schlechten Zeiten der Mensch vermehrt zum Buch greift, weil er dort Erklärungen oder Trost für sein Elend sucht, geschweige denn weil Krisen das Bedürfnis nach Denk-Stoff steigern oder der Ernst der Lage einen eher dazu bringt, sich dem Ernst des Lebens zu stellen. Und weil man in Österreich nun mal grundsätzlich ernster und denksüchtiger und – Blödsinn. Natürlich nicht. Nicht einmal die Tatsache, dass die Österreicher Lesepatrioten sind wie nicht einmal die Schweizer, greift. Es ist zwar wahr, dass die österreichische Literatur in den letzten Jahren ziemlich gut drauf war – all die Köhlmeier und die Kehlmänner, die Geiger und die Haas: Das schiebt natürlich an, bringt aber zahlenmäßig so viel nun auch wieder nicht, zumal manche von denen in Deutschland ja noch viel besser gehen. Eher schon gilt, dass ein Glattauer sicher glatter runtergeht als Schrott, womit jetzt nicht Raoul gemeint ist, sondern Mist.
Anders gesagt: Die Qualität der Unterhaltungsliteratur, wie man sie bei Hanser, Luchterhand, Rowohlt, Suhrkamp-Krimi undsoweiter findet, ist ja generell eindeutig gestiegen. Es entstehen immer mehr Romane, die auf gutem Niveau darauf verzichten, für die Ewigkeit geschrieben zu sein, aber die das Intelligente und das Unterhaltende so zu einem Zeitvertreib verknüpfen, dass man sich dafür nicht genieren muss, am Strand nicht und nicht in der Bahn. Und was man auch verschenken kann.
Richtig, das gilt auch für die Deutschen, aber die tun sich mit dem Unterhaltenden in Krisenzeiten nach wie vor protestantisch schwerer. Man unterhält sich
nicht einfach so, während andere vergeblich versuchen, aus Hartz IV Kaugummi zu machen.
Das mit den schlechten Zeiten aber, und das ist vielleicht der Hauptgrund für die Umsatz-
differenz zwischen dem nicht armen Österreich und dem nicht armen Deutschland, das können die Deutschen nicht vergessen: Milliardenschwere Sparpakete, mit Merkel’scher Stirnfalte verkündet, das schlägt aufs Gemüt, das
schlägt auf die Lust am Lustigen, das macht nicht konsumfroh.
Österreich braucht diese Spardosen natürlich auch, hat sie aber noch nicht. Und da das letzte Hemd bekanntlich keine Taschen hat, auch keine übrigens, in die man sich noch etwas hineinlügen könnte, sagt man lieber, eh’s zu spät ist: Herr Ober, noch a Achterl. Frau Buchhändlerin, noch a Buach.



Einen Artikel zum Buchmarkt in Österreich lesen Sie in Börsenblatt Heft 30, Seite 18.

Quelle: Börsenblatt online

Links zu dieser Meldung:
www.boersenblatt.net

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