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Plädoyer für den Zufall 09.06.2011
Der mit großer Aufmerksamkeit erwartete Eröffnungsvortrag von Miriam Meckel – "Total Recall – wie das Internet unser Denken und Leben verändert" – hielt nicht nur der netzaffinen Branche den Spiegel vor, sondern war zugleich ein philosophischer Diskurs über Freiheit und Notwendigkeit, über Zufall und Determinismus im Zeitalter der Digitalisierung.

Meckels These: Wenn der Mensch sein Denken durch Datenauswertung ersetzt, verspielt er seine Möglichkeiten. Er wird unfähig, neue Handlungsspielräume zu eröffnen und reproduziert nur noch den Status Quo.

Dabei fängt alles sehr harmlos an: Online-Buchhändler empfehlen uns Bücher, die uns interessieren könnten, weil wir Titel zu ähnlichen Themen bereits gekauft haben. Der Zufall, unerwartet auf ein Buch zu stoßen, das einen fesselt, wird dabei ausgeschaltet. Miriam Meckel besucht deshalb vor jedem längeren Urlaub ihren Buchhändler in Köln, um sich persönliche Empfehlungen geben zu lassen. Ihr Fazit: "90 Prozent der Bücher, die ich kaufe, hätte ich mir nie gezielt ausgesucht."

Der Algorithmus schließt den Zufall aus
Algorithmische Berechnungen liegen aber nicht nur den Buchkaufempfehlungen im Netz zugrunde: Sie beziehen sich auf eine zunehmende Zahl an Lebenslagen – ob in Social Networks wie Facebook, ob bei Restaurantempfehlungen oder Gestaltungstipps für Partys. Allen Vorschlägen liegen subtile Rechenmodelle zugrunde, die eines gemeinsam haben: Sie schließen den Zufall aus. Das gilt in gewisser Weise auch für so schicke Technologien wie das iPad, die den Zufallsfaktor ebenfalls minimieren, und wie Torwächter vor den Inhalten im Netz fungieren, so Meckel.

Die algorithmisierten Auswertungen im Netz, die sogar als scheinbar journalistische, in Wahrheit aber softwaregesteuerte Content-Angebote daherkommen, verändern Meckel zufolge unsere Kommunikation, unser Kaufverhalten, und sogar unser Leben: Sie modifizieren die Selbstwahrnehmung, die Vorstellung von dem, was wir sind.

An einer Stelle ihres Vortrags zitierte Meckel die Definition eines Algorithmus: "eine exakt definierte Handlungs- oder Rechenvorschrift zur Lösung eines Problems oder einer Gruppe von Problemen in endlich vielen Schritten". Man hat es also mit einem rechnerischen, deterministischen Prozess zu tun, der keine Zufallskomponente zulässt. Selbst der sogenannte Zufallsgenerator, so Meckel, beruhe auf exakten Rechenoperationen.

Für das offene Wesen Mensch und die menschliche Gesellschaft ist die Algorithmisierung im Netz eine Gefahr. Sie beschneidet menschliches Ermessen, lässt Toleranz- und Interpretationsspielräume, die für die Existenz und das Zusammenleben konstitutiv sind, nicht zu. "Wir bewegen uns auf ein endliches Set an Möglichkeiten zu, es kommen keine neuen Impulse hinzu. Damit wird alle Zukunft zur Replikation des Vergangenen, wir bleiben unser perpetuierter Status Quo", warnt Meckel. Es sei der Zufall, durch den das Neue in die Welt komme.

Der Mensch hat eine Wahl
Auf die Frage, ob der Mensch angesichts dieser Tendenz eine Wahl hat, antwortet Miriam Meckel mit einem entschiedenen "Ja!". Man müsse sich diese Mechanismen nur bewusst machen, und dürfe sich ihnen nicht unkritisch überlassen.

Im September erscheint bei Rowohlt Miriam Meckels neues Buch "Next", das die von ihr beschriebene Problematik aufgreift und in Form eines Gedankenexperiments durchspielt: In dem Buch stehen sich ein algorithmisches, determiniertes Geschöpf und ein "natürlicher" Mensch, der seinen Freiheitsimpulsen folgt, gegenüber. Man darf auf den Ausgang gespannt sein.

roe

Quelle: Börsenblatt online

Links zu dieser Meldung:
www.boersenblatt.net

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