Das alte Buch Mamsell
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Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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Die belletristischen Herbst-Novitäten 26.06.2011
Literarische Reisen in die Innenräume der Seele: Die belletristischen Herbst-Novitäten lassen sich nicht auf einen Nenner bringen. Ulrich Rüdenauer hat beim Blättern in den Programmen aber ein paar rote Fäden gefunden – und zu sechs Romanmotiven verwoben.

Geschichten aus 1001 Welt

Schlösser und Hütten, abgelegene Südseeinseln und pulsierende Metropolen – für die Literatur ist kein Ort zu nahe liegend und keiner zu fern. Der Schriftsteller ist immer im Weltzentrum, ob er nun im Bermudadreieck von Bochum sitzt oder in einem New Yorker Wolkenkratzer. Romanleser gelangen im Herbst selbst an die entferntesten Orte. In eine Wohnanlage mitten in Mumbai führt uns beispielsweise Autor Aravind Adiga, für »Der weiße Tiger« mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Das Gebäude soll – gegen den Willen der Bewohner – abgerissen und durch Luxusapartments ersetzt werden. In »Letzter Mann im Turm« (C. H. Beck) geht es um Geld, Macht und Widerstand, um die unterschiedlichsten Menschen, die in diesem Kampf zusammenfinden, und nicht zuletzt um die Stadt und ihre Metamorphosen.
Mumbai hat mehr als 20 Millionen Einwohner, ein paar Hundert dürften in einem Dorf im Odenwald leben, das Katharina Hacker in ihrem neuen Buch zum Mittelpunkt der Welt macht. »Eine Dorfgeschichte« (S. Fischer) wirft im Kleinen die großen Fragen des Lebens auf. Existenzielle Themen berührt auch Ilija Trojanow in seinem Werk »EisTau« (Hanser): Einem Glaziologen, der Führungen durch die Antarktis anbietet, setzt das Schmelzen des Eises ebenso sehr zu wie die Ignoranz seiner Zeitgenossen.
Wenn die reale Welt immer stärkeren Bedrohungen ausgesetzt ist, flüchtet sich der Geist zuweilen ins Unbewusste: In »Lazyboy« (Mairisch) schickt der Autor und Psychologe Michael Weins seinen Romanhelden durch allerlei Türen. Zuweilen findet sich der Berufsjugendliche Heiner Boie dabei nicht im Nachbarraum wieder, sondern an Orten, die er nie zuvor gesehen hat. Und das sind genau jene Orte, die wir auch als Leser suchen.

? Aravind Adiga: Letzter Mann im Turm. C. H. Beck, 480 S., 19,95 Euro
? Volker H. Altwasser: Letzte Fischer. Matthes & Seitz, 544 S., 24 Euro
? Ascanio Celestini: Schwarzes Schaf. Wagenbach, 128 S., 15,90 Euro
? Katharina Hacker: Eine Dorfgeschichte. Fischer, 176 S., 17,95 Euro
? Annegret Held: Apollonia. Der Zimmerplatz. Eichborn, 320 S., 19,95 Euro
? Franz Hessel: Heimliches Berlin. Lilienfeld, 150 S., 18,90 Euro
? Jo Lendle: Alles Eis. DVA, 384 S., 19,99 Euro
? Siegfried Lenz: Die Maske. Hoffmann und Campe, 128 S., 18 Euro
? Alain Mabanckou: Stachelschweins Memoiren. Liebeskind, 224 S., 18,90 Euro
? Ilija Trojanow: EisTau. Hanser, 176 S., 18,90 Euro
? Michael Weins: Lazyboy. Mairisch, 320 S., 18,90 Euro
( Auswahl)

Alltägliche Zumutungen

Die »Gesamtmerkwürdigkeit des Lebens« – so nannte Wilhelm Genazino einmal das, womit seine meist männlichen Figuren zu kämpfen haben. Der Alltag in unserer Gegenwart jedenfalls ist kaum zu bewältigen; der Absurdität der permanenten Zumutungen kann nur mit Gleichmut oder Fatalismus begegnet werden. In Genazinos neuem Roman »Wenn wir Tiere wären« (Hanser) ist es wieder so ein überforderter Held, unter dem der Boden zu schwanken beginnt – zu ertragen ist alles nur mit Ironie und Genazinos lakonischer, die Melancholie erträglich machenden Sprache. Nicht weniger unwägbar und schwankend sind die Geschehnisse in Jan Böttchers »Das Lied vom Tun und Lassen« (Rowohlt): Ein Mädchen springt vom Dach eines Hauses, ihre beste Freundin Clarissa zieht sich daraufhin ins Internet zurück, der alternde Lehrer Mauss setzt mehr denn je »auf Bindung als auf Bildung«, und der Schulgutachter verliert seine Aufgabe aus dem Blick und verguckt sich in Clarissa. Böttcher strickt aus einer Generationengeschichte eine dichte Textur der Gegenwart, in der man sich fast aussichtslos verheddern kann.
Ebenfalls in der Schule spielt Judith Schalanskys Roman »Der Hals der Giraffe« (Suhrkamp), in dem ein Weltbild aus seinem Rahmen zu fallen droht. Inge Lohmark, Biologielehrerin im Osten, versucht mit allen Mitteln an ihren Grundsätzen festzuhalten, die vom natürlichen Lauf der Dinge geprägt sind. Doch alles scheint sich gegen die Naturgesetze zu stellen, die das Leben so schön ordnen könnten. Ein Trost für alle, die lesen: Literatur lässt einen das Durcheinander besser verstehen und die alltäglichen Zumutungen ertragen.

? Jan Böttcher: Das Lied vom Tun und Lassen. Rowohlt, 320 S., 19,95 Euro
? Jan Peter Bremer: Der amerikanische Investor. Berlin Verlag, 120 S., 16,90 Euro
? Bill Callahan: Briefe an Emma Bowlcut. Milena Verlag, 160 S., 18,80 Euro
? Stuart Evers: Zehn Geschichten übers Rauchen. FVA, 220 S., 19,90 Euro
? Wilhelm Genazino: Wenn wir Tiere wären. Hanser, 160 S., 17,90 Euro
? Peter Henisch: Großes Finale für Novak. Residenz, 240 S., 21,90 Euro
? Wolfgang Hermann: Die Augenblicke des Herrn Faustini. Haymon, 120 S., 17,90 Euro
? Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe. Suhrkamp, 230 S., 21,90 Euro
? Daniel Wisser: Standby. Klever, 200 S., 19,90 Euro
( Auswahl)

Lauter Berühmtheiten

Nach einem unschönen Hickhack ist Mario Vargas Llosa zu seinem Stammhaus Suhrkamp zurückgekehrt, wo nun sein Buch über den Diplomaten und irischen Nationalisten Roger Casement erscheint. Der des Hochverrats Angeklagte hat ein bewegtes Leben, an das er sich in seiner Zelle erinnert: Als Reisender in Afrika veröffentlicht er einen Bericht über Menschenrechtsverletzungen, er ist unterwegs in Brasilien, während des Ersten Weltkriegs versucht er heimlich von der deutschen Regierung Unterstützung für die Unabhängigkeit Irlands zu bekommen. Das führt zu seiner Verurteilung – und kann doch den »Traum des Kelten« von einer freien Welt nicht besiegen. Erstaunlich viele Bücher in diesem Herbst nehmen sich historische Persönlichkeiten zum Vorbild für literarische Erkundungsreisen – vor allem in die Innenräume der Seele.
Gewagt ist das Unterfangen Michael Kumpfmüllers, die letzten Lebensjahre Franz Kafkas und dessen Liebe zu Dora Diamant ins Zentrum seines Romans »Die Herrlichkeit des Lebens« (KiWi) zu stellen. Gerade wenn man bedenkt, dass Reiner Stachs romanhafte Biografie »Die Jahre der Erkenntnis« diese Geschichte bereits meisterhaft erzählt hat. Auf Kumpfmüllers Innenschau des von der Krankheit gezeichneten Kafka darf man umso mehr gespannt sein. Nicht minder wird Sibylle Lewitscharoffs neuer Roman erwartet: »Blumenberg« (Suhrkamp) ist das Porträt eines großen Philosophen, dem eines Tages an seiner Universität ein aus­gewachsener Löwe begegnet – den nur er sehen kann und nur er zu würdigen versteht. Vor allem ist das Buch ein aberwitziges sprachliches Spiel, eine libidinöse Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Sprache.
Mit den Möglichkeiten der eigenen Biografie spielt Regisseur Oskar Roehler, Sohn der Schriftsteller Gisela Elsner und Klaus Roehler – »Herkunft« (Ullstein) ist eine Familiengeschichte über drei Generationen, die sicher nicht nur als literarisches Zeugnis gelesen wird.

? Robert Bober: Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen. Kunstmann, 284 S., 19,90 Euro
? Barbara Bongartz: Die Schönen und die Reichen. Weissbooks, 320 S., 19,90 Euro
? Mathias Énard: Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten. Berlin, 150 S., 17,90 Euro
? Josef Haslinger: Jáchymov. S. Fischer, 224 S., 19,95 Euro
? Michael Kumpfmüller: Die Herrlichkeit des Lebens. Kiepenheuer & Witsch, 240 S., 18,99 Euro
? Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg. Suhrkamp, 220 S., 21,90 Euro
? Karl-Heinz Ott: Wintzenried.Hoffmann und Campe, 240 S., 20 Euro
? Oskar Roehler: Herkunft. Ullstein, 592 S., 19,99 Euro
? Mario Vargas Llosa: Der Traum des Kelten. Suhrkamp, 480 S., 24,90 Euro
( Auswahl)

Romantische Scharmützel

Kann Liebe im Leben glücken? Oder gar in der Literatur? Hanns Josef Ortheil musste sich den Vorwurf gefallen lassen, in seinen Romanen »Die große Liebe« und »Das Verlangen nach Liebe« mit opulenter Sprache doch nur Kitsch zu produzieren. Den Autor und Romantiker ficht das nicht an: Mit »Liebesnähe« (Luchterhand) veröffent-licht er nun den letzten Teil seiner Trilogie, in dem sich zwei Menschen durch versteckte Botschaften und Hinweise auf Lektüren und Musikstücke raffiniert annähern.
Der Held von Paul Ingendaays neuem Roman ist ebenfalls Romantiker, aber leider eben auch Versicherungsvertreter. Er hat eine Affäre mit einer wohlhabenden, verheirateten Kundin und ist zudem noch in Scharmützel mit seiner Familie verstrickt. Das Leben wird ihm in den »Romantischen Jahren« (Piper) zum »emotionalen Schadensfall«, und das wiederum gerät nicht zum Schaden des Lesers, eben weil es lustig und traurig erzählt ist. Handfester geht es bei Nicholson Baker zur Sache. Sein »Haus der Löcher« (Rowohlt) ist ein abgelegener Ort, an dem die geheimsten sexuellen Abenteuer Wirklichkeit werden – zumindest auf dem Papier ...

? Nicholson Baker: Haus der Löcher. Rowohlt, 320 S., 19,95 Euro
? Steven Bloom: Die menschliche Schwäche. Wallstein, 180 S., 18,90 Euro
? Paul Ingendaay: Die romantischen Jahre. Piper, 480 S., 19,99 Euro
? Erwin Koch: Was das Leben mit der Liebe macht. Corso, 136 S., 19,90 Euro
? Daniela Krien: Irgendwann werden wir uns alles erzählen. Graf, 240 S., 18 Euro
? Stefan Moster: Lieben sich zwei. Mare, 416 S., 22 Euro
? Hanns Josef Ortheil: Liebesnähe. Luchterhand, 400 S., 21,99 Euro
( Auswahl)

Die Mechanismen der Macht

Ein Meister des historischen Romans, der durch den Zeichen-dschungel der Welt begehbare Wege schlägt, sich Epochen anverwandelt, dass man sich als Leser in einer Zeitmaschine wähnt, ist zurück mit einem imposanten Roman: Umberto Ecos »Friedhof von Prag« (Hanser) spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Es geht um die berüchtigten Protokolle der Weisen von Zion, um Verschwörungen und Attentatspläne, und plötzlich rückt dieses Buch wie jeder gute historische Roman ganz nah heran an die Gegenwart, zeigt, wie Geschichte gemacht wird, wie Macht entsteht und missbraucht wird.
Machtmechanismen greifen aber nicht nur in der großen Welt der Politik – sie sind alltäglich und stets präsent. Angelika Klüssendorfs »Mädchen« (KiWi) kann ein Lied davon singen, wenn es versucht, sich aus den Schlingen und Klauen einer unberechenbaren Mutter, strenger Lehrer und einer nicht greifbaren Bürokratie zu befreien. Zur Selbstermächtigung ist es ein langer Weg, wenn die Impulse des Kindes unterdrückt werden und Vertrauen beschädigt ist. Aber Klüssendorf beschreibt kein braves Mädchen, sondern ein aufbegehrendes. Auch Daniel Kuper bleibt nichts anderes übrig: In Jan Brandts »Gegen die Welt« (DuMont) wird dieser Daniel in seinem Dorf zum Außenseiter gemacht, und je mehr er sich zu wehren versucht, desto größerem Druck ist er ausgesetzt. Ein Minikosmos, in dem vieles aufgehoben ist: unsere Zeit, Machtspiele und die verlorenen Kämpfe.
Ganz aktuell ist Hisham Matars »Geschichte eines Verschwindens« (Luchterhand), die als literarische Reflexion der arabischen Revolution gelesen werden kann und von der Verhaftung und Verschleppung eines Dissidenten handelt – und davon, wie dieses Verbrechen und dieser Verlust das Leben seines Sohnes verändert und prägt.

? Roberto Bolano: Das Dritte Reich. Hanser, 320 S., 21,90 Euro
? Jan Brandt: Gegen die Welt. DuMont, 800 S., 22,99 Euro
? Umberto Eco: Der Friedhof von Prag. Hanser, 528 S., 26 Euro
? William H. Gass: Der Tunnel. Rowohlt, 1?088 S., 34,95 Euro
? Angelika Klüssendorf: Das Mädchen. KiWi, 192 S., 18,99 Euro
? Láscló Garaczi: Bekenntnisse eines Lemuren. Droschl, 180 S., 19 Euro
? Hisham Matar: Geschichte eines Verschwindens. Luchterhand, 200 S., 19,99 Euro
? Steve Sem-Sandberg: Die Elenden von Lódz.Klett-Cotta, 720 S., 26,95 Euro
? Marlene Streeruwitz: Die Schmerzmacherin. Fischer, 320 S., 19.95 Euro
? Vladimir Zarev: Feuerköpfe. Deuticke, 704 S., 27,90 Euro
( Auswahl)

Gestern, heute, morgen

Heimat und Familie, Vergangenheit und Gegenwart – das alles hat miteinander zu tun, manchmal mehr als einem lieb ist. Jeder Schriftsteller muss sich notgedrungen an diesen Themen abarbeiten, muss die Erinnerung auf Wahrhaftigkeit, das Jetzt auf seine Geschichtsträchtigkeit prüfen.
Dass die Vergangenheit den Bedarf an Zukunft deckt, wie Rüdiger Safranski einmal schrieb, hat etwas für sich; immer wieder wird aus dem Erfahrungsschatz vergangener Generationen geschöpft. Julia Franck etwa erzählt in »Rücken an Rücken« (S. Fischer) von den Ge­schwis­tern Thomas und Ella, die Ende der 50er Jahre in Ost-Berlin im Haus der strengen Kommunistin und Bildhauerin Käthe aufwachsen – und sich immer mehr fehl an einem Platze fühlen, der dem Individuum kaum Raum gewährt.
Auf ganz andere und hoch aktuelle Weise wirft die Vergangenheit ihre Schatten auf den Helden in Inka Pareis »Kältezentrale« (Schöffling): Ein Mann, der einst die DDR verlassen hat, bekommt einen Anruf von seiner krebskranken Ex-Frau. Er fährt zu ihr und rekonstruiert die Ereignisse jenes berüchtigten Jahres 1986, als seine damalige Frau mit einem Lastwagen aus der Ukraine in Berührung kam – möglicherweise war das Fahrzeug verstrahlt. Das ganze Leben bekommt durch diese Erinnerungen neue Risse. Inka Parei erzählt die Geschichte eines Mannes, der erst aus der heutigen Perspektive die Wendungen seiner Biografie begreifen kann.

? Larissa Boehning: Das Glück der Zikaden. Galiani, 320 S., 19,99 Euro
? Julia Franck: Rücken an Rücken. S. Fischer, 320 S., 19,95 Euro
? Katharina Geiser: Diese Gezeiten. Jung und Jung, 380 S., 24 Euro
? Annett Gröschner: Walpurgistag. DVA, 480 S., 21,99 Euro
? Sabine Gruber: Stillbach oder Die Sehnsucht. Beck, 384 S., 19,95 Euro
? Maja Haderlap: Engel des Vergessens. Wallstein, 250 S., 18,90 Euro
? Gila Lustiger: Woran denkst du jetzt. Berlin Verlag, 160 S., 18,95 Euro
? Inka Parei: Die Kältezentrale. Schöffling, 220 S., 19,95 Euro
? Elizabeth Taylor: Blick auf den Hafen. Dörlemann, 380 S., 23,90 Euro
( Auswahl)

Text: Ulrich Rüdenauer

Quelle: Börsenblatt online

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