Der Tod aus der Teekiste
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"Meine Cartoons sind Stummfilme" 27.07.2012
Am 4. August wird der in Argentinien geborene Mordillo 80 Jahre alt. Mit Originalen und Filmbeispielen zeigt die Galerie Jörg Heitsch in München einen Überblick über sein Schaffen: "Mordillo – 4 mal 20 Jahre jung". Gestern eröffnete Jürgen Horbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des KV&H Verlages die ebenso amüsante wie zum Nachdenken anregende Schau. Vor der Vernissage hatte boersenblatt.net Gelegenheit, mit dem Zeichner zu sprechen.

Ihre Figuren sprechen nie – warum?
Ich habe erst mit 34 Jahren meine Laufbahn als Cartoonist begonnen. 1966 war ich in Paris, habe dort meinen Job verloren, hatte kaum Geld und keine Familie. In dieser einsamen Krisensituation habe ich angefangen, Cartoons ohne Worte für Tageszeitungen zu zeichnen. Ich vertraue in die universale Sprache des Bildes, in die einzige Sprache also, die keinen Akzent hat. Das hat wohl zum internationalen Erfolg beigetragen. Ich bin dankbar, dass mir dieses Unglück widerfahren ist, dass ich arbeitslos geworden bin – nur so habe ich meine Leidenschaft wiederentdeckt und konnte mein Talent entfalten und meine Themen variieren. Und die Texte entstehen bis heute nur in den Köpfen der Betrachter. Ich betrachte meine Cartoons als Stummfilme. Und ich verehre Buster Keaton. Er und Walt Disney sind in meinem Glücks- und Krisenjahr 1966 gestorben. Zufall? Jemand sagte mir später, ich hätte ihr Erbe angetreten. Glück und Unglück liegen manchmal nahe beieinander.

Auf dem i-Pad gibt es das Spiel "Mordillo – Find Them". Zudem ist ein Kinofilm in Vorbereitung. Welchen Stellenwert hat Mordillos Werk gedruckt im Verhältnis zum multimedialen Mordillo?
Trickfilme sind mir sehr wichtig. Ich liebe Filme. Sie können die Dynamik meiner Zeichnunge fabelhaft zum Ausdruck bringen. Und selbstverständlich habe ich das i-Pad-Spiel getestet. Aber ich bewege mich nicht im Internet und besitze keinen E-Reader. Ich arbeite langsam und sorgfältig und liebe es, mein Werk gedruckt zu sehen.

Ganz oben das HerzGanz oben das Herz© Jörg Heitsch Galerie

Das Herz ist ein Leitmotiv in Ihrem Werk. Ein Cartoon zeigt ein eng umschlungenes Pärchen im Winter auf einer Parkbank, das allmählich ganz zugeschneit wird, nur die beiden über ihren Köpfen schwebenden Herzen bleiben sichtbar. Sollten wir öfter "Ich liebe Dich" sagen?
Liebe ist so wichtig. Die Menschen sollten an die Menschen glauben. Die Menschheit sollte über Werte nachdenken, über Humanismus, über den Frieden auf der Welt – ich versuche das in meinem Werk mit Witz deutlich zu machen. Da fliegt aber auch schon mal ein zornig geschleudertes Herz durch die Luft. Ich finde, es ist wichtiger und stärker, wenn man sagt: "Ich glaube an Dich" statt "Ich liebe Dich". Liebe ist wichtig, aber nichts Gewisses. (Mordillo schmunzelt.) Nicht vergessen: Ich bin Humorist. Und ein sehr optimistischer Pessimist.

Ihr letzter Cartoon im Ausstellungskatlog zeigt eine kleine Maus auf einem großen Türklopfer, die an eine riesige Pforte klopft. Sind Sie gläubig?
Ich bin nicht religiös. Ich bin Agnostiker, nicht Atheist. Seit meiner Kindheit denke ich über Gott nach ... Mit 18 Jahren habe ich die Kommunion verweigert. Ich weiß nicht, wer oder was Gott ist. Ich warte. Vielleicht erfahre ich es später. Aber so lange ich lebe, sehe ich so viele Dinge, die mich traurig machen und die ich nicht verstehe. Wenn ein Kind behindert auf die Welt kommt, frage ich mich: Gibt es einen Gott? Könnte er so etwas zulassen? Trotzdem bin ich Humorist und sehe vielleicht Dinge, die nicht alle sehen. Ich bin jedenfalls nicht sonderlich glücklich; es herrscht so viel Elend auf der Welt. Wir sind doch keine Ratten. Ich wäre so gerne Gott für 24 Stunden: Ich hätte so viel zu tun. Ich würde alle Kriege beenden. Ich würde verhindern, dass Kinder behindert auf die Welt kommen. Und es gibt noch so viel Leid abzuschaffen. Ich würde das nicht alleine tun. Ich würde meine besten Freunde anrufen, Menschen, denen ich vertraue, die viel wissen und viel Erfahrung haben. Wir würden die Welt verändern. Und heute hätten wir schon viel mehr Möglichkeiten durch die neuen Kommunikationsformen, die Welt zu verbessern.

Warum kommen Ihre Bücher, Kalender und Puzzles bei jungen Betrachtern ebenso gut an wie Erwachsenen – was vermuten Sie?
Ich schaue mit kindlichem Enthusiasmus auf die Welt. Vielleicht hat es damit zu tun? Aber es gab auch eine Zeit, da habe ich speziell für Kinder gezeichnet. 1970 erschien im Insel Verlag "Das Piratenschiff", das auch verfilmt wurde und wenig später noch die Bücher "Crazy Cowboy" und "Crazy Crazy". Es gab zahlreiche Auflagen und die Bücher sind in vielen Ländern erschienen. Aber ich habe die Figuren für Kinder nicht anders gestaltet als die anderen. Ich war fünf Jahre alt, als ich im Kino Walt Disneys "Schneewittchen" sah. Die Knollennasen der Zwerge haben mich sehr beeindruckt. Ich beschloss damals, Zeichner zu werden. Mein späteres Markenzeichen hatte ich also schon als Kind entdeckt. Später stellte sich dann noch heraus, dass die Knollennasen den manchmal wünschenswerten Vorteil haben, dass die Figuren geschlechtsneutral wirken. Männer und Frauen können sich dadurch mit bestimmten Characters gleichermaßen identifizieren.

Interview: Nicola Bardola

Quelle: Börsenblatt online

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