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Saul Friedländer erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 16.06.2007
Zum Auftakt der Buchhändlertage 2007 in Berlin gibt der Vorsteher des Börsenvereins, Dr. Gottfried Honnefelder, bekannt, dass der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels den israelischen Historiker Saul Friedländer zum diesjährigen Träger des Friedenspreises gewählt hat.

Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 14. Oktober, in der Paulskirche statt und wird live im Zweiten Deutschen Fernsehen übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2007 Saul Friedländer und ehrt damit den epischen Erzähler der Geschichte der Shoah, der Verfolgung und der Vernichtung der Juden in der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft in Europa. Saul Friedländer ist einer der letzten miterlebenden und mitlebenden Historiographen des früh angekündigten, offen geplanten und mit maschineller Präzision ins Werk gesetzten Völkermordes. Er entzieht sich der in der Beschreibung von Geschichte angelegten Distanzierung und gibt jener Fassungslosigkeit Raum, welche die einzig mögliche Reaktion auf ein noch immer unfassbares Verbrechen ist. So beschreibt er nicht nur die Entstehung, die Vorbereitung und den Vollzug des Massenmordes von Nachbarn an ihren Nachbarn, sondern dokumentarisch genau, stilsicher und mitleidend die klassische Triade der Gewalt: die Täter und ihre Obsessionen, die Opfer und ihre Verzweiflung, die schweigende Menge der Zuschauer mit ihrer Lust und ihrem Schrecken – und wenige, zu wenige Retter. Saul Friedländer hat den zu Asche verbrannten Menschen Klage und Schrei gestattet, Gedächtnis und Namen geschenkt. Er hat den Ermordeten die ihnen geraubte Würde zurückgegeben, deren Anerkennung die Grundlage des Friedens unter den Menschen ist.“

Saul Friedländer wird am 11. Oktober 1932 als Pavel Friedländer in Prag geboren. Aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln emigriert die Familie 1939 nach der Besetzung Prags durch die Deutschen nach Frankreich. Während ihr Sohn nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich als Internatsschüler und getaufter Katholik unter dem Namen Paul-Henri Ferland überlebt, werden die Eltern wahrscheinlich 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Nach dem Krieg wendet sich Friedländer unter dem Eindruck des Holocaust dem Judentum zu und wandert 1948 in den neu gegründeten Staat Israel aus.

Nach dem Studium an der School of Law and Economics in Tel Aviv erwirbt Friedländer 1955 am Pariser Institut d’Etudes Politique das Diplom der Politikwissenschaften. 1963 promoviert er in Genf und beginnt dort am Institut für Internationale Studien seine akademische Laufbahn. Hier lehrt er von 1967-1987 als ordentlicher Professor und nimmt zudem ab 1976 den Ruf als Ordinarius für moderne europäische Geschichte an der Tel Aviv University und ab 1987 einen Lehrstuhl für Geschichte der University of California in Los Angeles an.

Als das Opus Magnum in Saul Friedländers Werk gilt die Synthese seiner wissenschaftlichen Arbeit, die in dem zweibändigen Werk »Das Dritte Reich und die Juden« veröffentlicht ist. In dem ersten Band »Die Jahre der Verfolgung 1933-1939« (1997, dt. 1998), in dem er zahlreiche Einzelstudien sowie relevante Dokumente in den großen Zusammenhang einordnet, arbeitet er mit Perspektivenwechseln zwischen Opfern und Tätern, zwischen Analyse soziopolitischer Strukturen und persönlichen Schicksalen unter der zugrunde liegenden Fragestellung, wie in einem hoch entwickelten Volk eines der größten Verbrechen der Weltgeschichte geschehen konnte. Mit dem zweiten Band »Die Jahre der Vernichtung 1939-1945« (dt. 2006, engl. 2007) bewahrt Friedländer mithilfe von Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Erinnerungen sowie dem Anspruch, dass eine Gesamtgeschichte des Holocaust alle Ebenen in den Blick nehmen und integrieren muss, seine Darstellung der Vernichtung der Juden vor der Gefahr der »domestizierenden« Erinnerung.

Für seine wissenschaftliche und literarische Tätigkeit hat Saul Friedländer zahlreiche Ehrungen entgegen genommen. Hierzu gehören unter anderem der Preis der Leipziger Buchmesse (2007), Geschwister-Scholl-Preis (1998), Yad Vashem Jacob Buchmann Award (1997), National Jewish Book Award (1997) und 1983 der Israel Prize.

Saul Friedländer hat drei Kinder und vier Enkelkinder. Nach Beendigung seiner Professur in Tel Aviv lebt er wieder vorrangig in Los Angeles.

Quelle: Börsenblatt online

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www.boersenblatt.net

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