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80. Jahrestag der Bücherverbrennung 1933 12.05.2013
Neuerscheinungen erinnern mahnend an die öffentliche Bücherverbrennung, die Freitag vor 80 Jahren an vielen Orten in Deutschland stattfand. Einer der verfemten Schriftsteller, Erich Kästner, erlebte am 10. Mai 1933 mit, wie auch seine Gedichte und sein Roman "Fabian" auf dem Berliner Opernplatz verbrannt wurden:

"Mit Büchern vollgeladene Lastwagen schwankten zwischen den Kolonnen. Es war ein trüber, regnerischer Tag. Und trübe war, trotz Gesang und Uniform, die Stimmung der Studenten. Die Methoden der neuen Herren waren im Grunde noch nicht ganz die ihren. Dass man Bücher nicht nur lieben, sondern auch hassen kann, wussten sie. Dass man Bücher auf Kommando öffentlich verbrennt, mussten sie noch lernen. ... Mit dem heutigen Autodafé, das die Freiheit des Schriftstellers auslöschte, richteten die deutschen Studenten ihre eigenen Ansprüche auf jegliche künftige Meinungsfreiheit hin. Der Mord, den sie an diesem Abend begingen, war zugleich ein vordatierter Selbstmord. ... Die Lastwagen rollten heran wie an eine Verladerampe. Tausende von Büchern wurden ausgekippt und und von fleißigen Händen hoch im Bogen ins Feuer geworfen," beschreibt Kästner in seinem Essay "Kann man Bücher verbrennen?" (56 S., 10 Euro). Er ist einer von vier Beiträgen Kästners in dem schmalen, ungemein empfehlenswerten Band "Über das Verbrennen von Büchern" , der gerade bei Atrium erschienen ist. Kästners Gedanken zu Büchern auf Scheiterhaufen machen betroffen und zwingen zum Nachdenken.

Neben Kästner standen weitere 93 deutsche und 37 fremdsprachige Schriftsteller auf der schwarzen Liste, die der 29-jährige Berliner Bibliothekar Wolfgang Herrmann zusammengestellt hatte. In Zusammenarbeit mit der Buchbranchenkampagne "Vorsicht Buch!" hat "Bild" die Sonderedition "Die Bibliothek der verbotenen Bücher" herausgegeben: Zehn Titel, die vor 80 Jahren auf jener berüchtigten schwarzen Liste standen und öffentlich verbrannt wurden. Die Bibliothek enthält

Kurt Tucholsky: Deutschland, Deutschland über alles

Erich Maria Remarque: Der Weg zurück

Stefan Zweig: Verwirrung der Gefühle

Joseph Roth: Hiob

Gustav Meyrink: Der Golem

Lion Feuchtwanger: Jud Süß

Egon Erwin Kisch: Paradies Amerika

Erich Kästner: Fabian

Bertolt Brecht: Hauspostille und Songs der Dreigroschenoper

Heinrich Mann: Der Untertan

Einzeln sind sie zu einem Preis von 9,99 Euro erhältlich, im Sammelschuber zum Preis von 75 Euro.

Die bei Olms erscheinende "Bibliothek verbrannter Dichter" soll um 110 Titel wachsen. Die zehnbändige Kassette, die der Verlag bereits 2008 veröffentlich hatte, wird anlässlich des 80. Jahrestags der Bücherverbrennung derzeit zum Sonderpreis (9,80 Euro statt 12,80 Euro je Einzelttitel, Kassette 98 Euro statt 128 Euro) beworben.

Die Stadtbibliothek Nürnberg hat eine Dokumentation zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung in Nürnberg herausgegeben: "Für den deutschen - wider den undeutschen Geist. Vom Umgang mit verbotener und brauner Literatur".

In dem im Juli bei Gmeiner erscheinenden Kriminalroman "Brandbücher" geht Birgit Ebbert das Thema literarisch an: Die junge Karina findet im Haus ihrer verstorbenen Großtante geheimnisvolle Postkarten, die sie in das Jahr 1933, als ihre Großtante Haushälterin bei einem jüdischen Buchhändler war. Hautnah musste ihre Großtante miterleben, wie der Einfluss der Hitler-Getreuen wuchs und in Münster die Bücherverbrennung vorbereitet wurde.

Quelle: Börsenblatt online

Links zu dieser Meldung:
www.boersenblatt.net

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