Der himmelblaue Schmengeling
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"Schimmelreiter", "Tschick" oder lieber den "Kicker"? 11.06.2013
Ein frei rezitierender Bundespräsident, Leseförder-Experten und viel Prominenz trafen sich heute im Berliner Schloss Bellevue beim Lesefest zum 25-jährigen Bestehen der Stiftung Lesen. 7,5 Millionen funktionale Analphabeten in Deutschland und die zunehmend durch Bilder verdrängte Schrift gaben Anlass zur Sorge, Jugendliche könnten durch öffentlicher wahrgenommenes Lesen und spannendere Lektüre motiviert werden.

Joachim Gauck feiert entspannt mitJoachim Gauck feiert entspannt mit© picture-alliance
Seine Mutter, so verriet Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner charmanten Eröffnungsrede zum Jubiläumsfest der Stiftung Lesen in den Präsidentengarten von Schloss Bellevue, habe ihm Schiller-Balladen vorgelesen. Er habe ihr das Buch später aus der Hand genommen: "Ich wollte selbst lesen, auch anders betonen." Gauck rezitierte frei nicht nur die ersten Zeilen der "Bürgschaft", sondern auch aus dem "Ring des Polykrates". Es machte ihm sichtlich Freude. Dass nicht nur Schiller, sondern auch die komische Lyrik eines Christian Morgenstern bei Gaucks geschätzt wurde, ließ sich erahnen, als der Bundespräsident das hinreißend komische "Lattenzaun-Gedicht" Morgensterns aus dem Stehgreif vortrug.

"Mit 13 Jahren habe ich den ganzen 'Wallenstein' gelesen", erzählte er. Vieles habe er überhaupt nicht verstanden, beeilte sich Gauck den Teenagern im Festpublikum zu versichern, an die er sich doch vor allem wandte. "Es hat sonst schlicht nichts gegeben: kein Fernsehen, keine Comics." Gauck, Schirmherr der Stiftung Lesen, wusste sein Publikum, die Jungen wie die Älteren – Politiker und Wirtschaftsleute, Sponsoren und Unterstützer der im November 1987 in Mainz gegründeten Stiftung Lesen – zu fesseln mit solchen Erinnerungen. Warum man lesen soll? Gaucks Antwort: "Wir bekommen eine Erfahrung angeboten, bevor wir sie vielleicht selbst machen können, als etwas Fertiges, Anschaubares." Besser hat an diesem sonnigen Berliner Nachmittag keiner mehr zu sagen gewusst, was das Lohnende an Büchern ist.

"Die Stiftung Lesen weckt Lesefreude und stärkt Lesekompetenz", dankte Gauck in seiner Festrede. Als "führende Institution für Leseförderung in Deutschland", pries Joerg Pfuhl die Stiftung Lesen, deren Vorstandsvorsitzender er ist. Barbara Ischinger, Bildungsdirektorin OECD, glaubt, dass "Lesekompetenz für die private und berufliche Zukunft eines Menschen wichtiger ist als jede andere Kompetenz". Und für den Verleger Florian Langenscheidt ist nur die Schrift in der Lage, die Komplexität der Welt angemessen zu vermitteln. Und doch wurde eine Zahl gleich mehrfach angeführt: es gibt 7,5 Millionen funktionale Analphabeten in Deutschland. Hinzu kommt: Schrift wird immer stärker durch Bilder verdrängt. Der Begriff der "digitalen Demenz" machte die Runde.

"Der 'Schimmelreiter' ist nicht mehr zeitgemäß"

Mithin bleibt dringender denn je die Frage zu klären, wie Jugendliche zu begeistern sind für etwas, was sie immer häufiger "uncool" finden. Jeder fünfte 15-Jährige kann nicht ausreichend gut lesen, so wurde ermittelt. Vor allem die Jungs machen den Leseförderern Sorgen. Silke Borgstedt, Direktorin Sozialforschung des SINUS Instituts, hält männliche Vorbilder für entscheidend. Renate Reichstein von der Arbeitsgemeinschaft der Jugendbuchverlage favorisiert "öffentliches Lesen", damit Menschen "beim Lesen ertappt werden". Thomes Osterkorn vom "Stern" will, dass an Gymnasien andere Bücher gelesen werden. "Der 'Schimmelreiter' ist nicht mehr zeitgemäß", befand er und plädierte stattdessen für "Tschick" von Wolfgang Herrndorf. Zuvor hatte schon der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg Maas, den "Kicker" als spannende Lektüre ausgemacht.

Strittig blieb, ob das Fernsehen Gegenspieler oder Verbündeter der Literatur ist. Zwar war die Antwort für den ehemaligen ZDF-Intendant Markus Schächter einfach und eindeutig, ja er will sogar an ein symbiotisches Verhältnis glauben: "Das Fernsehen stammt aus der Kultur des Lesens." Dem medialen Wandel sieht Schächter als "disruptive Innovation" – einen Prozess also, der Zerstörung und Neuschaffung in einem bedeutet. Der Vorwurf von Osterkorn an das Fernsehen: "Ihr macht für das Buch gar nichts!", wurde eilends vom Moderator Cherno Jobatey (ZDF) zurückgewiesen, noch bevor sich womöglich eine Kontroverse hätte entwickeln können. Aber man war schließlich zum Feiern und nicht zum Streiten gekommen.

hh

Quelle: Börsenblatt online

Links zu dieser Meldung:
www.boersenblatt.net

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