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Chronistin existentieller Enttäuschungen 21.06.2013
Der Stiftungsrat des Friedenspreises hat die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch zur diesjährigen Preisträgerin gewählt. Das gab Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder am Donnerstagvormittag bei der Eröffnung der Buchtage Berlin bekannt.

Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 13. Oktober 2013, in der Paulskirche statt und wird live im ZDF übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2013 an Swetlana Alexijewitsch und ehrt damit die weißrussische Schriftstellerin, die die Lebenswelten ihrer Mitmenschen aus Weißrussland, Russland und der Ukraine nachzeichnet und in Demut und Großzügigkeit deren Leid und deren Leidenschaften Ausdruck verleiht. Mit den Berichten über Tschernobyl, über den sowjetischen Afghanistankrieg und über die unerfüllten Hoffnungen auf ein freiheitliches Land nach dem Auseinanderbrechen des Sowjetimperiums lässt sie in der tragischen Chronik der Menschen einen Grundstrom existentieller Enttäuschungen spürbar werden.“

Swetlana Alexijewitsch, geboren am 31. Mai 1948 im westukrainischen Stanislaw (heute Iwano-Frankowsk), arbeitet nach einem Journalistik-Studium zunächst bei einer Lokalzeitung sowie als Lehrerin. Im Jahr darauf arbeitet sie für die »Land-Zeitung« in Minsk und wechselt 1976 als Korrespondentin zum Literaturmagazin "Neman". Sie versucht sich in verschiedenen literarischen Genres wie Kurzgeschichten, Essays und Reportagen und entwickelt eine literarische Methode, die "eine größtmögliche Annäherung an das wahre Leben" erlaubt, ein Chorus individueller Stimmen als Collage des tagtäglichen Lebens.

Erstmals wendet Alexijewitsch diese Methode in dem Buch "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht" an, das sie im Jahr 1983 vollendet. Mit Hilfe zahlreicher Interviews thematisiert sie hier das Schicksal sowjetischer Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg. Während der folgenden Auseinandersetzungen mit der Zensurbehörde wird sie angeklagt, die "Ehre des Großen Vaterländischen Krieges" beschmutzt zu haben, und verliert aufgrund ihrer angeblichen "antikommunistischen Haltung" ihre Anstellung. Erst 1985 (dt. 1987) kann es mit Beginn der Perestroika in der Sowjetunion zeitgleich mit ihrem folgenden Buch "Die letzten Zeugen" (1985, dt. 1989) veröffentlicht werden, in dem sie auch die leidvollen Erfahrungen ihrer eigenen Familie im Krieg und während der Stalinzeit schildert.

Wie bei jedem ihrer Bücher arbeitet Alexijewitsch auch an dem folgenden Werk "Zinkjungen" (1989, dt. 1992) mehrere Jahre und führt dabei mehr als fünfhundert Interviews mit Veteranen aus dem sowjetischen Afghanistankrieg und Müttern von gefallenen Soldaten, den so genannten Zinkjungen, deren Überreste in Zinksärgen überführt wurden. Auch wegen dieses Buches steht sie ab 1992 mehrmals ins Minsk vor Gericht, ohne dass es aber zu einer Verurteilung kommt. Nach "Im Banne des Todes" (1993, dt. 1994) folgt ihr Werk über die Reaktorkatastrophe in der Ukraine. "Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft" (1997) ist ein psychologisches Porträt der von der Katastrophe direkt betroffenen Menschen. Gerade wegen der erschütternden Berichte der Betroffenen wird dieses Buch für die Menschen weltweit zu einem Lehrstück im Umgang mit den Folgen einer Atomkatastrophe.

Die Angriffe gegen Swetlana Alexijewitsch durch das weißrussische Regime unter Präsident Lukaschenko verstärken sich. Ihr Telefon wird abgehört, öffentliche Auftritte werden ihr untersagt. Sie geht nach Paris und erhält Stipendien unter anderem für Stockholm und – durch das DAAD-Künstlerprogramm – für Berlin. 2011 geht sie trotz ihrer oppositionellen Haltung gegenüber dem diktatorischen System in Weißrussland, das ihr ein freies Leben und Arbeiten erschwert, zurück nach Minsk.

Für ihr Gesamtwerk, das sich mit dem Buch "Second-Hand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus" (erscheint im September 2013) wie eine fortlaufende Geschichte Russlands seit dem Weltkrieg liest, hat Alexijewitsch ihre eigene literarische Gattung, den "Roman der Stimmen" kontinuierlich ästhetisch weiterentwickelt. Mit dieser Herangehensweise einer emotionalisierten Geschichtsschreibung ist sie zum moralischen Gedächtnis für die Menschen in den ehemaligen sowjetischen Staaten geworden.



Auszeichnungen (Auswahl)

2013 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

2011 Ryszard-Kapu?ci?ski-Preis für literarische Reportagen, Polen
2011 Angelus Central European Literary Award, Polen
2007 Oxfam Novib/PEN Award for Freedom of Expression
2005 National Book Critics Circle Award, USA
2002 Premio Sandro Onofri Per Il Reportage Narrativo, Italien
2001 Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis
2000 Robert Geisendorfer-Preis (Hörfunk)
1999 Herder Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung
1999 »Temoin du monde«, Frankreich
1998 Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
1998 Das politische Buch, Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung
1997 Andrei Sinyavsky Preis, Russland
1997 Triumph-Preis, Russland
1996 Tucholsky-Preis des schwedischen PEN
1986 Staatspreis des Komsomol, UdSSR
1985 Fedin-Literaturpreis, UdSSR
1984 Ostrowski-Literaturpreis, UdSSR





Bibliographie

"Second-Hand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus"
Aus dem Russischen (Wremja second-hand. Konesz krasnogo tscheloweka, 2013) von Ganna-Maria Braungardt
Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag, München 2013, erscheint voraussichtlich September 2013

"Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft"
Aus dem Russischen (Tschernobylskaja molitwa, 1997) übersetzt von Ingeborg Kolinko
Berliner Taschenbuch-Verlag, Berlin 2006
(Neuausgabe der deutschen Erstausgabe von 1997)

"Im Banne des Todes"
Aus dem Russischen (Zao?arovannye smert'ju, 1993) von Ingeborg Kolinko
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1994
Als Taschenbuch mit dem Titel "Seht mal, wie ihr lebt. Russische Schicksale nach dem Umbruch" im Aufbau Taschenbuch-Verlag, Berlin 1999 erschienen.
Als Hörbuchfassung mit dem Titel "Gespräche mit Lebenden und Toten"
im Hörverlag, München 2011 erschienen.

"Zinkjungen. Afghanistan und die Folgen"
Aus dem Russischen (Zinkowije maltschiki, 1989) von Ingeborg Kolinko
S. Fischer Verlag, Frankfurt 1992

"Die letzten Zeugen. Kinder im Zweiten Weltkrieg"
Aus dem Russischen (Poslednije swideteli, 1985) von Ganna-Maria Braungardt
Aufbau Taschenbuch-Verlag, Berlin 2005
(Neuübersetzung der deutschen Erstausgabe [Übersetzung Gisela Frankenberg] von 1989)

"Der Krieg hat kein weibliches Gesicht"
Aus dem Russischen (U voiny - ne ženskoe lico, 1985) von Ganna-Maria Braungardt
Berliner Taschenbuch-Verlag, Berlin 2004
(Neuübersetzung der deutschen Erstausgabe [Übersetzung Johann Warkentin] von 1987)

Quelle: Börsenblatt online

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