Madrigal für einen Mörder
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Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Marcel Reich-Ranicki ist gestorben 19.09.2013
Marcel Reich-Ranicki ist heute im Alter von 93 Jahren gestorben. Das hat Frank Schirrmacher, "FAZ"-Mitherausgeber, über Twitter gemeldet. Lesen Sie einen Nachruf auf den einflussreichsten Literaturkritiker Deutschlands.
Wortgewaltig, urteilsstark und von einer Leidenschaft für die Literatur ergriffen wie kaum ein Zweiter – so könnte man Marcel Reich-Ranicki charakterisieren, den Überlebenden des Warschauer Ghettos, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum einflussreichsten Literaturkritiker in der Bundesrepublik aufstieg.

1920 als Marcel Reich im polnischen W?oc?awek geboren, besuchte er ab 1929 ein Realgymnasium in Berlin, bis er 1938 wegen seiner jüdischen Herkunft nach Polen abgeschoben wurde. Seit 1940 lebte er im Warschauer Ghetto, wo er in der Verwaltung als Übersetzer arbeitete. Im Januar 1943 gelang ihm gemeinsam mit seiner Frau Teofila (gestorben 2011) die Flucht aus dem Ghetto. Im Juli 1958 reiste Reich-Ranicki von Polen nach Frankfurt und entschloss sich, dort zu bleiben. Von 1960 bis 1973 war er Literaturkritiker der „Zeit“ und leitete anschließend von 1973 bis 1988 den Literaturteil der „FAZ“. Dort war er bis zuletzt als Kritiker sowie als Redakteur und Herausgeber der „Frankfurter Anthologie“ (36 Bände, S. Fischer) tätig.

Die öffentliche Debatte über Literatur befeuert

Reich-Ranicki hat nicht nur durch seine zahlreichen Kritiken, sondern vor allem mit seiner Literatursendung „Das Literarische Quartett“ die öffentliche Debatte über Literatur befeuert. Helmuth Karasek und Sigrid Löffler, die mit dem „Literaturpapst“ (und jeweils einem Gastkritiker) diskutierten, hatten nicht immer einen leichten Stand. Die mediale Wirkung seiner temperamentvollen, manchmal angriffslustigen Buchbesprechungen, die auch literarische Größen wie Günter Grass nicht verschonten (dem er gleichwohl 1999 zum Literaturnobelpreis gratulierte), war ungeheuer. Niemals zuvor in der Bundesrepublik hatte der literarische Diskurs in der Öffentlichkeit und in den Medien einen höheren Stellenwert. Der Buchhandel konnte davon in hohem Maße profitieren.

Thomas Rathnow, Verlagsleiter der Deutschen Verlags-Anstalt, sagte, mit Reich-Ranicki verliere die Deutsche Verlags-Anstalt einen ihrer herausragendsten Autoren. „Wichtiger noch: Die Welt der Literatur verliert den bedeutendsten und einflussreichsten Kritiker und Vermittler von Literatur nach 1945. Marcel Reich-Ranicki hat wie kein anderer mit Witz, mit Schärfe, mit Sinn für klare Urteile der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur zu breiter Beachtung verholfen. Dass er sich entschied, nach der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in Deutschland zu leben und zu wirken, ist ein außergewöhnliches Geschenk.“

Rathnows Einschätzung schließt sich auch Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder an: „Marcel Reich-Ranicki hat wie kein anderer in unserem Lande der Literatur Rang und Bedeutung gegeben. Er hat dies vermocht, weil er die Literatur geliebt hat.“
Nicht nur als Kritiker, sondern auch als Autor und Literaturvermittler für ein breites Publikum hat sich Reich-Ranicki Verdienste erworben: Seine bewegende Autobiographie „Mein Leben“, seine Bücher über Thomas Mann und die deutsche Literatur, seine Anthologien und „Kanon“-Sammlungen (alle bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen) werden vom Publikum geschätzt und gehören zum literarischen Hausvorrat.

Ans Herz ging Marcel Reich-Ranickis letzter großer Auftritt im Deutschen Bundestag am 27. Januar 2012 – dem Gedenktag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 67 Jahre zuvor. In seiner Erinnerungsrede schilderte Reich-Ranicki als Betroffener und Augenzeuge zugleich die Vorbereitungen zur Deportation aller Juden aus dem Warschauer Ghetto. Die Rede schloss mit den Worten: „Was die ‚Umsiedlung‘ der Juden genannt wurde, war bloß eine Aussiedlung – die Aussiedlung aus Warschau. Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck: den Tod.“

Eine Bildergalerie mit Aufnahmen von Marcel Reich-Ranicki finden Sie ebenfalls auf dieser Website.



Michael Roesler-Graichen

Quelle: Börsenblatt online

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