Madrigal für einen Mörder
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Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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"Wünschelrutengänger der Gegenwart" 21.10.2013
Seit 20 Jahren würdigt der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, der vom Börsenverein, der Stadt Leipzig und dem Freistaat Sachsen vergeben wird, das Werk von intellektuellen Brückenbauern. Ein Podium brachte am 16. Oktober im Schauspiel Leipzig vier ehemalige Preisträger zusammen.

"Ach, Europa!": 1987, zwei Jahre vor dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs, stieß Hans Magnus Enzensberger diesen berühmten Seufzer aus. Ein Buchtitel, der die ganze träumerische Wehmut ausdrückte, die einen Intellektuellen damals beim Nachdenken über den alten Kontinent anflog. Europa ? das war zu Zeiten des Kalten Krieges kaum mehr als eine kulturelle Beschwörungsformel, eine Utopie. Und heute? Ein hochkarätig besetztes Podium eröffnete unter dem Motto "Ach, Europa! Ein Kontinent zwischen Untergang und Wiedergeburt" die Völkerschlacht-Gedenkwoche: Mit Karl Schlögel (Deutschland), Martin Pollack (Österreich), Geert Mak (Niederlande) und Juri Andruchowytsch (Ukraine) diskutierten namhafte Autoren, die in den zurückliegenden Jahren für ihr Werk mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet wurden, im Schauspiel Leipzig über die Rolle von Geist und Kultur im europäischen Einigungsprozess.



Gedankenaustausch über Europa: Martin Pollack, Juri Andruchowytsch, Karl Schlögel, Geert Mak und Moderator Thomas Bille (mdr Figaro) (v.l.)Gedankenaustausch über Europa: Martin Pollack, Juri Andruchowytsch, Karl Schlögel, Geert Mak und Moderator Thomas Bille (mdr Figaro) (v.l.)© Gaby Waldek

Bereits vor der Epochenwende von 1989 war aufmerksamen Reisenden zwischen Budapest, Warschau und Prag aufgefallen, dass die Mauer im Kopf längst zu bröckeln begann. Schon 1986 hatte Karl Schlögel mit seinem Buch "Die Mitte liegt ostwärts" darauf aufmerksam gemacht: "Wie ein Indianer konnte man sich auf die Erde legen und hören, dass da was kommt." Martin Pollack, der 1980 über die beginnende Streikbewegung in Danzig berichten wollte, wurde am Flughafen Warschau festgenommen und zur persona non grata erklärt: "Wenn sich ein System schon von einem einzigen Reporter herausgefordert fühlt, kann das nicht gut gehen." Inzwischen ist Europa nicht grenzenlos ? die äußeren Grenzen haben sich, leider, nur verschoben ? ein Umstand, der Pollack schon zu schaffen macht, wenn er als Kurator des "tranzyt"-Programms der Leipziger Buchmesse Autoren aus Weißrussland oder der Ukraine holen möchte. Juri Andruchowytsch, der mit seinen Büchern die lange vergessene Mitte Europas in unser Bewusstsein zurückgeholt hat, hofft auf mehr Bewegungsfreiheit für die einfachen Menschen. Sein eigenes Visum läuft im Januar 2015 ab; derzeit nicht das größte Problem für den Vielreisenden: "Einen neuen Pass zu bekommen, ist in der Ukraine derzeit fast schwieriger als ein Schengen-Visum."

Derzeit stehen Freihandelsabkommen ganz oben auf der politischen Agenda, über Werte ist eher in Sonntagsreden zu hören. Karl Schlögel, der letzten Sonntag in der Paulskirche die Laudatio auf Swetlana Alexijewitsch hielt, hat beim Begriff der "Wertegemeinschaft" Bauchschmerzen: "Europa war Schauplatz für Kant und Eichmann ? es ist ein geschichtlicher Raum, in dem sich das eine und das andere abgespielt hat." Am wohlfeilen Brüssel-Bashing wollten sich die Autoren auf dem Podium nicht beteiligen, unisono zollten sie der großen "Krisen-Bewältigungskraft“ Europas Respekt ? die große Bewährungsprobe im Krisen-Management stehe allerdings angesichts erstarkender nationalistischer Tendenzen noch aus. Und die Intellektuellen? Sie müssen im Getöse der Medien laut sein, sich einmischen, in einer Sprache jenseits politischer Rhetorik. Die eigentlichen "Wünschelrutengänger der Gegenwart" sind für einen wie Karl Schlögel eher "der Filialleiter aus Bayern, der in Bulgarien einen neuen IKEA-Markt eröffnet" oder, leider Gottes, "die kriminelle Intelligenz des organisierten Business". In Zeiten, da sich die modernen Kriechströme mit Fernbussen und Billigfliegern durch Europa bewegen, hat Schlögel schon mal die irische RyanAir für den Aachener Karlspreis vorgeschlagen ? gut möglich, das EasyJet dermaleinst den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung bekommt. Wie wäre also "Ach, Europa!" heute auszusprechen ? melancholisch seufzend, als fanfarenhelle Zukunfts-Losung? Für Schlögel bezeichnen die Worte, ganz nüchtern, eine "vorsichtige und defensive Fahrweise".

nk

Quelle: Börsenblatt online

Links zu dieser Meldung:
www.boersenblatt.net

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