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”Ein Drittel der Autoren sind Debütanten" 28.02.2014
Vom 5. bis. zum 7. März gehen erneut die „Wortspiele. Internationales Festival Junger Literatur“ in München an den Start. Über Organisation und Erfolg des Festivals sprach boersenblatt.net mit Veranstalter Johan de Blank.

Unter Mitwirkung von 18 Autoren findet nun das Festival „Wortspiele“ zum 14. Mal statt. Sind nicht nur die Autoren, sondern auch Sie als Veranstalter mit der Zeit professioneller geworden?
Seit rund 20 Jahren organisiere ich Literaturveranstaltungen, also Festivals, Reihen und individuelle Lesungen in München, Berlin und Wien. Ein großes Netzwerk lässt sich erst mit der Zeit aufbauen. Organisationstalent ist selbstverständlich eine Voraussetzung, aber ohne Ideen und die Lust, immer wieder neue Konzepte umzusetzen, braucht man gar nicht erst anzufangen. Natürlich sind die Arbeitsweisen in den verschiedenen Städten unterschiedlich – darauf muss man sich rasch einstellen. Aber das Schönste und Wichtigste ist der Kontakt mit den Autorinnen und Autoren, da kann man immer wieder etwas Neues lernen.

Viele junge Autoren von heute haben Creative-Writing-Kurse besucht. Wirkt sich das auch auf die Art ihres Schreibens aus?
Momentan gibt es mal wieder eine Debatte, dass die junge deutschsprachige Literatur viel zu brav ist und von „Ärztesöhnchen“ dominiert wird. Das halte ich für völlig übertrieben. Formal bewegen sich diese Autoren auf hohem Niveau – sie haben ihr Handwerk gelernt. Natürlich müssen sie sich erst einmal freischwimmen und einen eigenen Stil entwickeln, aber dies gilt für alle jungen Autoren, nicht nur für die Studierenden an Literaturinstituten oder die Teilnehmer von Creative-Writing-Seminaren. Am besten überzeugt man sich selbst von der Qualität und Vielfalt der jungen deutschsprachigen Literatur und schaut bei den Wortspielen vorbei.

Bei den Wortspielen treten jüngere, durchaus bekanntere Autoren wie Clemens Meyer, Katja Huber und Dorothee Elmiger auf, aber auch viele Debütanten. Funktioniert dieses Mischungsverhältnis bei den Lesungen?
Die Wortspiele bieten sowohl Debütanten als auch anderen Autoren zu Beginn ihrer Laufbahn eine gute Bühne – und die Möglichkeit, mit Kollegen des Literaturbetriebs in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Etwa ein Drittel der Autoren sind Debütanten. Das hat einen großen Einfluss auf die Dramaturgie der drei Abende. Wenn man sich das Programm anschaut, sind die bekannteren Autoren an unterschiedlichen Abenden platziert. Davon profitieren dann natürlich die anderen Autoren. Interessant ist aber auch die Neugierde des Publikums auf die noch nicht etablierten Autoren. Das macht sich immer wieder bei der Verleihung des Publikumspreises bemerkbar.

Ihnen gelingt bei den „Wortspielen“ etwas, das bei Literaturveranstaltungen nicht immer funktioniert: Sie ziehen ein relativ junges Publikum an, zwei Drittel sind unter 40. Hängt das ausschließlich mit der Autorenauswahl zusammen?
Das Publikum bekommt eine spannende Auswahl an Autoren und eine Vielfalt an Themen und Texten an den drei Wortspiele-Abenden geboten. Die coole Atmosphäre des Club Ampere im Muffatwerk, die Musikauswahl des Autors und DJs Nikolai Vogel und die Gelegenheit für das Publikum und die Autoren, sich auszutauschen und einander kennenzulernen, hat sicherlich einen besonderen Reiz für das jüngere Publikum.

Gibt es Themen bei den „Wortspielen“, die immer wieder kehren – also „Klassiker“ der jungen deutschen Literatur?
Ja, natürlich! Neben Liebe, Freundschaft, Verrat und Tod, sind es Reisen und Expeditionen als existentielle Erfahrung sowie lustige oder herbe Kritik an Konventionen und Gesellschaft. In den letzten Jahren tritt immer stärker das Landleben als Mikrokosmos und Sehnsuchtsort in den Fokus.



Das Festival „Wortspiele“
... findet vom 5. bis. zum 7. März in der Münchner Muffatwerk / Club Ampere statt. In Sachen neuester deutschsprachiger Literatur sind die „Wortspiele“ bereits eine Institution geworden; das Publikum wird durch einen allabendlichen Publikumspreis in die Veranstaltung eingebunden. Zudem wird am Schluss der Bayern2-Wortspiele-Preis (2.000 Euro) verliehen, verbunden mit einem einmonatigen Stipendium in der Villa Aurora / Los Angeles. Aber auch in Wien haben die „Wortspiele“ Fuß gefasst – seit zehn Jahren kann man sich im Jazz Club „Porgy & Bess“ über die neueste Literatur informieren. Nähere Infos unter:http://www.festival-wortspiele.eu

Interview: Andreas Trojan

Quelle: Börsenblatt online

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