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Hör-Verlag aus der Tasche 06.04.2014
Während klassische Hörbuchverlage oft aufs gut Verkäufliche setzen, verschwinden tolle Original-Hörspiele in den Tiefen der Sender-Archive. Die von Paul Plamper gegründete Plattform Hoerspielpark will das ändern.

Schon immer war Paul Plampers „Herzens-Ding“ die Musik. Lange bevor er ans Theater ging, spielte er als Schlagzeuger in diversen Funk-Bands. Genau zuhören, aufeinander reagieren, gemeinsam zum Groove finden – für ihn der Inbegriff von Kreativität. „In order to groove, you got to take your ego out““, schärfte ihm schon sein Lehrer, der Defunkt-Schlagzeugers Kenny Martin, ein.

Während Plamper an der „Ego-Bude“ Theater als Regie-Assistent von Peter Zadek, Heiner Müller oder Rob Wilson Großprojekte wuppte und erste eigene Arbeiten im Grenzbereich zwischen Musik und Dramatik inszenierte, wurden experimentierfreudige Hörspielredakteure wie Martina Müller-Wallraff vom WDR auf ihn aufmerksam. „Und plötzlich war ich Hörspielmacher.“ Was verdutzte Radiomaniacs im Nachtprogramm von „Eins Live“ und anderswo auf die Ohren bekamen, erarbeitete Plamper nach dem Prinzip der Jam-Session: Wie im Band-Probenraum wurden zunächst Szenen improvisiert, bevor sich Plamper im Schneideraum an den Verdichtungs-Prozess machte: „Es geht darum, aus den Bruchstücken von Lebendigkeit und Interaktion die Perlen rauszupicken.“ Holte er sich, wie für die Dramatisierung einer Kurzgeschichte von Tim Staffel („Hüttenkäse“) Rapper ins Studio, konnte daraus schon mal ein „tanzbares Hörspiel“ werden.

Hörspielpark 2014: Schorsch Kamerun, Helgard Haug, Daniel Wetzel, Stefan Kaegi und Paul Plamper (von rechts)Hörspielpark 2014: Schorsch Kamerun, Helgard Haug, Daniel Wetzel, Stefan Kaegi und Paul Plamper (von rechts)© Dorothea Tuch

Plamper hatte das Glück, mehrere Produktionen bei Musiklabels und Hörbuchverlagen auf CD herausbringen zu können. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit wurde daraus nicht. Bis auf wenige Vorzeige-Projekte, so hat er es erlebt, ist fürs Original-Hörspiel, die „Königsdisziplin der Audiokunst“, in den Programmen klassischer Hörbuchverlage kaum Platz. Was tun, um den Teufelskreis zu durchbrechen? 2008 gründete Plamper mit Schorsch Kamerun und den Theater- und Hörspielmachern von Rimini Protokoll die Web-Plattform Hoerspielpark. „Es ist ein in Echtzeit wachsendes Archiv unserer Hörspiel-Produktionen.“ Nach der Ursendung werden die Arbeiten – ergänzt um Kritiken, Fotos, Hintergrundmaterial oder Bonus-Tracks eingestellt und sind via Download (7 Euro) oder CD (12 Euro) verfügbar.

Ein wesentlicher Impuls, die Vermarktung in Eigen-Regie zu übernehmen, war die Aufnahme-Qualität: Die Datenübertragungsrate von 128 Kilobit pro Sekunde, mit der Sender Ihre Produktionen als Podcast ins Netz stellen, mag für Pop-Musik taugen. Für die fragilen Klang-Räume des Hörspiels reicht das nicht. Beim Hoerspielpark erfolgt der Download in bestmöglicher mp3-Qualität (320 KB/s); für die Zukunft hofft Plamper auf Downloads in HiRes-Audio und die Super-Audio-Disk, die Hörspiel-Genuss in Studioqualität erlauben.

Plamper ist Perfektionist, nicht nur an den Reglern. „Wenn wir wie eine Kakerlake im arktischen Winter des nicht vorhandenen Hörspiel-Markts überwintern wollen“, sagt er, „können wir nicht auf Bergen gebrannter CDs sitzen“. Sein Ansatz: „Der Verlag muss in eine Tasche passen.“ Trifft eine Bestellung ein, wird sie automatisch zum gerade für den Versand eingeteilten Park-Mitarbeiter weitergeleitet, der mit Festplatte, Brenner, Etiketten-Drucker, Digipacks und Rohlingen parat steht.

So reduziert wie das Versand-Modell, dabei noch wunderschön anzuschauen ist das grafische Konzept von Hoerspielpark. Entwickelt wurde es, wie auch die Website, von der Berliner Agentur doublestandards: Die Cover arbeiten lediglich mit den Grundfarben des Vierfarbdrucks (Cyan, Magenta, Yellow, Black) und der schlichten Akzidenz-Grotesk-Schrift von 1908, die hier so modern wirkt, als wäre sie gestern erfunden worden. „Warum“, fragte sich Plamper, „sollen wir in einer Kunst, die ihren Hörern die Freiheit gibt, sich etwas vorzustellen, mit Bildern hantieren, die die Phantasie deckeln und einschränken?“.

Auch wenn alles so leicht und folgerichtig klingt – es war ein Kraftakt, Hoerspielpark aufs Gleis zu setzen. Vor allem die Gestaltung der Verträge mit Sendern, Musiklabels oder Sprechern glich purer Sisyphos-Arbeit. Von den Hörfunkanstalten erfuhren die Macher Unterstützung – sie sehen Hörspielpark als eine Art Versuchslabor für neue digitale Verbreitungsmöglichkeiten und Vergütungsmodelle. Das zarte Pflänzchen blüht konsequent unabhängig von Apple und Amazon, den Riesen im Download-Geschäft. Das Projekt, für das die Gründer rund 10.000 Euro aus eigener Tasche investierten, ist nicht in erster Linie kommerziell angelegt, kommt aber immer besser in Schwung. Der break even ist absehbar: Tröpfelten anfangs einige hundert Bestellungen pro Jahr ein, verschicken Plamper und seine Mitstreiter inzwischen bis 30 CDs – in der Woche.

Für die Zukunft kann sich Paul Plamper vorstellen, weiteren jungen Hörspiel-Talenten wie dem Senkrechtstarter Rafael Jové ein Forum zu geben oder wichtige Werke der Hörspielgeschichte auf Hoerspielpark zu präsentieren. „Wenn das niemand anpackt, werde ich mich wohl darum kümmern.“ Dass sein letztes Stück „Der Kauf“, eine schwarze Komödie über die Immobiliengier von Gutmenschen, zum „Hörbuch des Jahres 2013“ gekürt wurde, ist für ihn ein Signal. „Die Jurys sind jetzt schon weiter als die Verlage – die haben Bock auf unsere Sachen bekommen!“

Quelle: Börsenblatt online

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www.boersenblatt.net

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