Madrigal für einen Mörder
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Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Neugier auf die Welt 17.02.2015
Das Interesse an westlicher Literatur in Taiwan ist enorm. Das ist auch und vor allem auf der Taipei International Book Exhibition (kurz TIBE) zu beobachten. Die jährlich in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh abgehaltene Bücherschau, die heute zu Ende gegangen ist, gehört zu den größten Buchmessen der Welt. Über eine halbe Millionen Besucher kamen jetzt an sechs Tagen.

Womöglich ist Taiwan seit dem Ende der DDR das neue Leseland. Nirgendwo sonst jedenfalls gibt es gemessen an der Einwohnerzahl (23 Millionen) so viele Buchhandlungen (3.600). Und wohl kaum irgendwo sonst werden in den Läden so viele aus fremden Sprachen übertragene Bücher präsentiert. Die Hälfte der rund 40.000 jährlichen Neuerscheinungen sind Übersetzungen, die meisten davon aus dem Englischen, aber zunehmend gewinnt auch die deutsche Literatur an Bedeutung. Das lässt sich am Sortiment nahezu jeder Buchhandlung in Taiwan ablesen, vor allem aber am Angebot der Verlage auf der jährlich abgehaltenen Buchmesse in Taipeh (11. bis 16. Februar). Für die Übersetzerin Wei Tang ist die große Offenheit gegenüber fremden Kulturen und Sprachen quasi naturgegeben: „Wir leben auf einer kleinen Insel und sind daher neugierig auf die große weite Welt. Es gibt eine Sehnsucht nach dem Fremden.“

Wei Tang gehört zu den wichtigsten Vermittlern von deutscher Literatur nach Taiwan. Sie hat zum Beispiel Juli Zeh, Cornelia Funke und Charlotte Roche ins Chinesische übersetzt. Beständig ist sie unterwegs zwischen Berlin und Taipeh. In Deutschland wirbt sie für die hierzulande viel zu wenig beachtete taiwanische Literatur; im März begleitet sie drei taiwanische Schriftsteller ans Literarische Colloquium Berlin und zur Leipziger Buchmesse. In ihrem Heimatland macht sie auf deutsche Schriftsteller aufmerksam. Und dabei hat sie es deutlich leichter. Zahlreiche taiwanische Verlage führen deutsche Titel im Programm.

Feng Yi Cheng von Business Weekly mit der chinesischen Ausgabe von Feng Yi Cheng von Business Weekly mit der chinesischen Ausgabe von "1913" von Florian Ilies © Holger Heimann

Spitzenreiter ist der Verlag Business Weekly, der so unterschiedliche Autoren wie Niklas Luhmann, Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann und Arno Geiger veröffentlicht hat. Als Grund für den Anstieg von Übersetzungen aus dem Deutschen sieht die Cheflektorin Feng Yi Cheng nicht zuletzt eine gewachsene Sprachkompetenz in den Verlagen: „Als ich vor 15 Jahren bei Business Weekly begonnen haben, erschien alle zwei Jahre eine Übersetzung aus dem Deutschen. Mittlerweile veröffentlichen wir jedes Jahr drei bis fünf solcher Bücher. Gab es früher zwei Lektoren, so sind es jetzt vier, die Deutsch sprechen und verstehen können.“

Der Andrang am Stand von Business Weekly ist enorm. Aber nicht nur dort. Die Taipei International Book Exhibition (kurz TIBE) wird Jahr für Jahr zur größten und interessantesten Buchhandlung im Land, verlockend wirkt nicht zuletzt, dass sämtliche Titel mit Rabatten von rund 20 Prozent angeboten werden. Doch die Messe ist keineswegs allein bei Taiwanern beliebt. Vor allem Fachleute aus China informieren sich hier Jahr für Jahr über internationale Autoren und Trends.

Linden Lin, Verleger von Linking, wo unter anderem Bücher von Stephan Thome und Juli Zeh erscheinenLinden Lin, Verleger von Linking, wo unter anderem Bücher von Stephan Thome und Juli Zeh erscheinen© Holger Heimann

„Verleger und Lektoren vom chinesischen Festland kommen zur Buchmesse, um zu schauen, was in Taiwan veröffentlicht wurde. Die Buchmesse in Taipeh ist für chinesische Verleger und Lektoren ein Fenster zur Welt“, sagt Linden Lin vom Verlag Linking. Er muss es wissen, ist er doch nicht nur einer der bekanntesten Verleger in Taiwan, sondern war zudem auch Chef der Taipeh-Buchmesse. Andere Verleger bestätigen seine Einschätzung: Ein Roman, der es von Europa nach Taiwan geschafft hat, ist China und damit einer potenziell riesigen Leserschaft ein entscheidendes Stück näher gekommen.

Zwar prägen in Taiwan die traditionellen chinesischen Langzeichen das Schriftbild, während in China die vereinfachten Kurzzeichen Standard sind, doch die Übertragung ist simpel, geschieht per Mausklick am Computer. Weitaus problematischer wirkt hingegen die restriktive Publikationspolitik in der Volksrepublik. Yu-Shiuan Chen von der in Taipeh ansässigen Literaturagentur Bardon Chinese, die unter anderem die Buchrechte von Verlagen wie Diogenes und Kiepenheuer & Witsch nach Taiwan, Hongkong und China verkauft, hat mit diversen Einschränkungen Erfahrungen machen müssen: „Zensur ist immer noch weit verbreitet in China. Bücher, die bestimmte politische und religiöse Themen behandeln oder in denen Sexualität eine wichtige Rolle spielt, können nicht oder nur sehr eingeschränkt publiziert werden. Das heißt, einzelne Passagen müssen gestrichen oder umgeschrieben werden. Wenn Autoren solche Eingriffe ablehnen, erscheinen die Bücher nicht.“

So lange die kommunistische Partei in Peking streng darüber bestimmt, was die Bürger in dem Riesenreich lesen dürfen, bleibt die Buchmesse in Taipeh das wohl wichtigste große Fenster für die chinesischsprachige Welt in den Westen. Zum Glück steht es weit offen.

Holger Heimann

Quelle: Börsenblatt online

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www.boersenblatt.net

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